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Behrenhoff Rettender Einsatz für Himmel und Hölle

In der Kirche von Behrenhoff restaurieren Fachleute einzigartige Wandmalerei – Ihr Ursprung liegt über 700 Jahre zurück

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Restauratorin Christin Golnik (links) und „ihre“ Praktikantin Barbara Urbanski beim Freilegen früherer Farbschichten im über 700 Jahre alten Chorraum der Behrenhoffer Kirche.

Behrenhoff. Diese Bilder! „Das ist schon einzigartig“, sagt Christin Golnik. Die junge Frau steht im über 700 Jahre alten Chor der Kirche Behrenhoff. Ihr Blick fällt durch Baugerüste hindurch auf die Wände des Altarraumes. Seit Wochen sind die Restauratorin und ihre Kollegen damit beschäftigt, die üppig bemalten Flächen für die Nachwelt zu erhalten.

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In der Kirche von Behrenhoff restaurieren Fachleute einzigartige Wandmalerei – Ihr Ursprung liegt über 700 Jahre zurück

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In kaum einem anderen vorpommerschen Gotteshaus ist das in Himmel und Hölle geteilte Weltbild des Mittelalters so effektvoll dargestellt worden wie in der Kirche von Behrenhoff. Auf der Nordwand ihres Chores bildeten Maler zu Beginn des 14. Jahrhunderts verschiedene Höllenqualen ab. Die eindrucksvollen Bilder, gab die Deutsche Stiftung Denkmalschutz zu bedenken, könnten die Kirche zum Anziehungspunkt für Touristen machen.

Wohl auch ihretwegen hatte die Stiftung deutschlandweit zu Spenden für die Behrenhoffer Kirche aufgerufen. Das war vor nicht einmal vier Jahren: Damals schien die Kirche dem Verfall preisgegeben.

Risse im Mauerwerk, kaputte Fenster und eine unzulängliche Dachentwässerung hatten sie zu einem baulichen Notfall werden lassen. Feuchtigkeit setzte ihr zu. Innenwände und Gewölbe waren mit schwarzen Schimmelpilz- und grünen Algenflecken übersät. Zementputz im Innern wirkte wie eine Wand, die nichts durchließ. Die Folge: Wasser, das von außen in Fugen und Steine sickerte, konnte nicht ablaufen oder verdunsten. Es gefror im Winter und taute im Frühling. So wurde einst festgefügtes Mauerwerk zersetzt.

Dank Spenden und einer umfangreichen Förderung gelang es in nicht einmal zwei Jahren, die vom Verfall gezeichnete Dorfkirche wesentlich instandzusetzen. In den vergangenen Wochen wurde auch das Mauerwerk des Chores saniert. „Das alles war Voraussetzung für unser Tun“, betont Christin Golnik und erklärt: „Um die wertvollen Wandbilder zu restaurieren, musste sichergestellt sein, dass die hohe Feuchtigkeit im Kircheninneren beseitigt ist und keine weitere Nässe auftreten kann.“

Golniks Chef, Michael Lange, hat sein Handwerk noch in der DDR gelernt. Seit 1987 restauriert der Mann aus Limbach-Oberfrohna im Südwesten von Sachsen Kirchenmalerei. Die in Behrenhoff sei nicht so mittelalterlich, wie ihr Ursprung glauben mache, gibt er zu verstehen. Was Menschen vor gut 700 Jahren hier an die Chorwände malten, sei nur noch zu etwa 20 Prozent erhalten, schätzt der Fachmann. Im Laufe der Jahrhunderte seien die Darstellungen von damals mehrfach farblich überarbeitet und hier und da auch nachempfunden worden. Stets mit dem Ansinnen, sie unter den jeweiligen Umständen wieder herzustellen bzw. zu erhalten. „Wir beziehen uns auf den Zustand der Ausmalung Mitte des 19. Jahrhunderts“, stellt Lange klar und fügt hinzu: „Es ist nicht unser Ansatz, das Mittelalterliche wieder zum Vorschein zu bringen. Das würde bedeuten, das jetzt Sichtbare weitgehend zu tilgen. Übrig bliebe dann nur ein kläglicher Rest.“

An nicht wenigen Abbildungen haben Lange und Golnik bereits Hand angelegt. Farbschichten, die nach dem 19. Jahrhundert hinzugefügt worden waren, wurden von ihnen abgetragen. Zum Vorschein kommende frühere Schichten gereinigt und gefestigt. Das Ergebnis lässt sich sehen: Die so behandelten Abbildungen wirken frischer und farbiger als die noch unbearbeiteten. Bis in den Herbst hinein haben die Restauratoren noch zu tun. Dann ist auch das geschafft.

Der Sanierungsfall Behrenhoff

Anfang 2013 rief die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bundesweit zur Rettung der Kirche in Behrenhoff auf. Zuvor hatte sie eine erste Förderung zum Erhalt der Kirche gewährt. Auch die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die Nordkirche gaben Geld. Weitere Stiftungen folgten.

Noch im selben Jahr setzten erste Arbeiten ein, um gravierende Schäden am Westgiebel und am südlichen Seitenschiff zu beheben.

In einem weiteren Bauabschnitt wurde das Hauptschiff trockengelegt und instand gesetzt. Nach der jetzigen Sanierung des Chors und der Restaurierung der historischen Wandmalerei soll der Fußboden und die Elektrik im Chorraum erneuert werden.

Ein weiterer, vierter Bauabschnitt gilt im kommenden Jahr wiederum dem Hauptschiff, in dem gleichfalls der Fußboden und die Elektrik sowie Mauerwerk erneuert werden müssen.

Sven Jeske

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