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Ostvorpommern Rückzug von Peene und Uecker?
Vorpommern Greifswald Ostvorpommern Rückzug von Peene und Uecker?
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00:05 12.07.2016
Kanufahrer auf der Peene: Sie machen nur einen Bruchteil des Wassertourismus aus. Zu dem gehören auch Haus- und Motorboote. Quelle: Peter Binder

Es ist nur ein Denkanstoß. Doch der, warnen Kritiker, wie der Greifswalder CDU-Landtagsabgeordnete Egbert Liskow, habe es in sich: Sollte wahr werden, was Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) dieser Tage als „sein“ Konzept für den Wassertourismus vorstellte, drohe einheimischen Flüssen wie der Peene und der Uecker über kurz oder lang das touristische Aus.

Zum Konzept

Das Wassertourismuskonzept des Bundesverkehrsministeriums empfiehlt, „die Infrastruktur an nur wenig genutzten Gewässern nur für motorlose Freizeitnutzungen“ auszulegen. Schleusen und Wehranlagen in solchen Gewässern sollen zurückgebaut werden. Freizeitwasserstraßen und Naturgewässer will der Bund künftig extra verwalten, mit eigenem Personal und Sachmittelhaushalt. Investitionen sollen in Reviere mit hoher touristischer Bedeutung gelenkt werden.

„Das Konzept aus dem Hause Dobrindt sieht vor, dass Investitionen vor allem in Bundeswasserstraßen mit hoher touristischer Bedeutung gelenkt werden. Peene und Uecker sind darin nur als ,Nebenwasserstraßen mit sehr geringer Bedeutung für Freizeit und Tourismus’ eingestuft und würden demnach keine Zuwendung vom Bund mehr erfahren", erklärt Liskow.

„Es kann nicht angehen, dass man in Berlin offen darüber nachdenkt, die Bundeswasserstraßen unserer Region herabzustufen, um sich so aus seiner Verantwortung für den Erhalt der Infrastruktur zu stehlen“, schimpft Karl-Heinz Schröder (CDU), Vorsitzender des Tourismusausschusses des Landkreises. Eine solche Entwicklung, glaubt der Usedomer, wäre ein Rückschritt für die Region, denn Städte und Gemeinden, selbst knapp bei Kasse, dürften kaum in der Lage sein, auch noch zur Pflege der Gewässer und ihrer Anlagen beizutragen.

„Dass die Peene touristisch nicht wichtig sei, ist eine Fehlannahme“, sagt Chris Labouvie, Betreiberin der Kanustation in Loitz. „Der Fluss ist gerade dabei, touristisch aufzublühen.“ Der Naturpark Peenetal werde zunehmend beliebter. Das sei auch am Aufkommen von Booten ablesbar. „Im vergangenen Jahr machte sogar ein Flusskreuzfahrtschiff mit mehr als 100 Leuten bei uns fest. Viele Leute gingen von Bord, um sich die Stadt anzusehen.“ Laut Labouvie macht sich die zunehmende Zahl von Wassertouristen auch beim Loitzer Einzelhandel bemerkbar. Der setze in den Sommermonaten mehr um als sonst.

„Wir brauchen eine funktionstüchtige Peene“, stellt Frank Götz, Mitstreiter des regionalen Tourismus-Netzwerks „Abenteuer Flusslandschaft“, klar. Nach Bekanntwerden des Dobrindt-Konzepts sei man nun dabei, Argumente für ein weiteres Engagement Berlins auf den einheimischen Bundeswasserstraßen zu sammeln. „Im September soll es eine Anhörung zum Dobrindt-Konzept durch den Tourismusausschuss des Bundestags geben.“ Bis dahin, so Götz, wolle man versuchen, die verschiedenen Interessengruppen in der Region einzubinden. „Da sind die Angler, die Motorbootvereine, aber auch Anwohner – das Konzept muss einfach breit diskutiert werden.“ Zu hinterfragen sei, was die Peene den Bund wirklich koste, denn teure Schleusen und Wehre gebe es in diesem Fluss nicht. Götz’ Hoffnung gilt nicht zuletzt einheimischen Bundespolitikern wie dem Lubminer Matthias Lietz (CDU), Mitglied im Bundesausschuss für Tourismus. Auch Egbert Liskow und Karl-Heinz Schröder erwarten von den Bundespolitikern aus Mecklenburg-Vorpommern, „dass sie darauf Acht geben, dass der Landkreis Vorpommern-Greifswald nicht der Verlierer einer Strukturreform im Bereich des Wassertourismus ist“.

Die Peene, meint Chris Labouvie, sei Lebensader für eine ganze Region. „Es wäre völlig kontraproduktiv, die erfolgreiche touristische Entwicklung der vergangenen Jahre abzuwürgen, um Gegenden, die wassertouristisch ohnehin besser gestellt sind, noch zu stärken.“

Sven Jeske

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