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Ostvorpommern Schloss Lüssow: Nichts tut sich
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00:05 07.04.2016
Schloss Lüssow: Seit 1984 ungenutzt, seit 2013 im Besitz eines in Amerika lebenden Schweden. Quelle: Sven Jeske

Sie haben gehofft und so einiges erwartet: Nach dem Verkauf „ihres“ verwaisten Schlosses vor drei Jahren rechneten nicht wenige Menschen in Lüssow bei Gützkow mit baldigen Bauarbeiten an dem ziemlich heruntergekommenen Anwesen. Inzwischen mutmaßen so einige, dass dem neuen Schlossherrn — ein in den USA lebender Schwede — gar nicht an dem stolzen Haus gelegen ist. Bis heute blieb die Anlage sich selbst überlassen. Der 7500 Kilometer entfernt wohnende Eigentümer ließ das 1868 im Stil der Neorenaissance errichtete Gebäude lediglich mit Maschendraht umzäunen, um Fremden den Zugang zu verwehren.

Dass er das Schloss nicht umgehend anpacken würde, hatte sein Besitzer unmittelbar nach dessen Erwerb klargestellt. Dass er drei Jahre lang jedoch rein gar nichts an dem Gebäude tat, sorgt in Lüssow für Ernüchterung. Es heißt, der Mann sei vermögend, besitze Häuser in den Rocky Mountains, deren Vermietung ihm viel Geld einbringe. Als Projektmanager habe er in den USA die Sanierung historischer Anwesen betreut und ein Unternehmen für besondere Baumaterialien und Innenausstattungen aufgebaut. Inzwischen soll er Container mit alten Gegenständen aus aufgelösten Haushalten nach Lüssow gebracht haben, wo er einen Speicher pachtete, um angeblich einen Antikhandel aufzuziehen. Das Geld, das er damit verdiene, wolle er nach und nach ins Schloss investieren, soll er anderen gegenüber zu verstehen gegeben haben.

„Der verdient hier nix“, ist Andreas Klut überzeugt. Klut, einst Lüssows ehrenamtlicher Bürgermeister, hatte sich viele Jahre lang um den Erhalt des seit 1984 ungenutzten Schlossbaus bemüht. Mit anderen gründete er 1996 einen Verein dafür. Monate später schon begannen dessen Mitglieder, Schutt im und am Schloss zu beseitigen. 1998 erwirkten sie eine Trockenlegung des Mauerwerks und der Kellergewölbe, 1999 die Sanierung der Dachbalkenkonstruktion. 2000 wurden die beiden Türflügel des Haupteingangs rekonstruiert, im Folgejahr die Freitreppe zum Garten teilerneuert. Nachdem ein Herbststurm 2002 das Schlossdach stark beschädigt hatte, setzte der Verein alles daran, auch diesen Notstand zu beheben. 154000 Euro Förderung durch das Land machten es möglich. 2004 war der Schlossbau neu eingedeckt. 2008 erhielt der Verein nochmals Fördermittel. Mit dem Geld wurden vom Schwamm befallene Abschnitte des zweiten Obergeschosses saniert.

Insgesamt etwa eine halbe Million Euro seien so in das Herrenhaus investiert worden, schildert Andreas Klut. Für nur einen symbolischen Euro sei es 2013 an den Wahlamerikaner übertragen worden. Der habe seinerzeit nicht einmal 200000 Euro bezahlen müssen, um das Anwesen samt 16 Hektar zu erwerben. Die Stadt Gützkow, nach Eingemeindung Lüssows im Jahr 2010 Schlossbesitzer, war froh, die trotz erfolgter Bauarbeiten stark sanierungsbedürftige Immobilie los zu sein. Die Kosten für die komplette Instandsetzung des Herrenhauses schätzte die mit der Vermarktung von Schloss Lüssow betraute Anklamer Maklerin Cornelia Stoll damals auf sieben bis zehn Millionen Euro. „Der jetzige neue Eigentümer wusste also, worauf er sich da einlässt“, merkt Andreas Klut an. Er selbst war erleichtert, dass sich jemand für das Schloss gefunden hatte. Inzwischen schwant ihm, wohl „voll auf den Falschen gesetzt zu haben“.

Den neuen Eigner dürfte das kaum scheren. Er schmückt sich mit dem Neuerwerb. Schreiben und Mails unterzeichnet er mit dem Zusatz „Owner of Lüssow-Castle“.

Lüssower Förderverein stellt Arbeit ein

Der Verein „Schloss und Gut“ Lüssow hat seine Arbeit eingestellt. 20 Jahre lang hatte er sich um das Herrenhaus und den umliegenden Park gekümmert. „Wir haben unsere Satzungsziele erreicht“, resümiert Vereinsmitglied Kerstin Klut. Nach dem Schlossverkauf brachte sich der Verein 2014 bei der Sanierung des Lüssower Friedhofes ein. Zudem stellte er eine Infotafel zum Dorf und zur Gutsanlage in Lüssow auf. Letztlich half er bei der Sanierung der Dorfkirche. Er bezahlte ein Duplikat der wertvollen Altardecke und teilfinanzierte die Restaurierung eines denkmalgeschützten Taufengels.

Von Sven Jeske

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