Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Ostvorpommern Siedlungsfunde geben Rätsel auf
Vorpommern Greifswald Ostvorpommern Siedlungsfunde geben Rätsel auf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:01 11.11.2017

Kellergruben, Vorratsmieten, zwei Gräber und reichlich Feuerstellen: Die Ackerfläche unweit von Wrangelsburg hält für Archäologen ein üppiges Potpourri von Resten vergangener Jahrtausende bereit. Seit September arbeitet sich hier ein Trupp des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege durch die Erdschichten.

Archäologen graben auf der künftigen Erdgastrasse Eugal vor Wrangelsburg

Hintergrund ist die vom Energieunternehmen Gascade geplante Erdgastrasse Eugal (die OZ berichtete). Die 485 Kilometer lange Anschlussleitung der umstrittenen Ostsee-Pipeline soll von Lubmin bis zur deutsch-tschechischen Grenze führen und russisches Erdgas transportieren. Doch bis die Arbeiten beginnen, müssen Funde gesichert oder zumindest gesichtet und dokumentiert werden.

„Die Gegend hier war sehr gut aufgesiedelt. Möglicherweise hängt das mit dem nahegelegenen See zusammen“, vermutet Grabungsleiter Norbert Kuhlmann und deutet auf eine ganze Reihe von Befunden: Fast im Meterabstand wurden beispielsweise Feuerstellen freigelegt, die linear über den Acker verlaufen. Über die Gründe dieser Anordnung könne man nur spekulieren, so Kuhlmann. „Auf alle Fälle haben die Siedler unten immer Feuer gelegt, darüber dann ein Steinpflaster angeordnet und auf diesen erhitzten Steinen schließlich gegart“, beschreibt der Experte das Prozedere und datiert diese Kochgruben auf etwa 900 bis 700 vor Christus.

Andere Funde auf dem Areal von etwa 400 mal 30 Metern seien wesentlich älter. „Sie reichen bis in die ausgehende Steinzeit zurück, also etwa 2100 vor Christus“, sagt der Archäologe. Als Beispiel dafür gelte ein vorgefundenes Grab, wobei weder Skelettreste noch Grabbeigaben erhalten sind. Auch insgesamt sei die Ausbeute der Grabungen auf diesem Feld eher gering. „Wir haben bislang kaum Häuser gefunden, nur Reste einzelner Pfosten und vereinzelt Keramik, Steinwerkzeuge, Messer oder beispielsweise ein Sichelfragment aus Feuerstein“, zählt Kuhlmann auf. Sämtliche erhaltenswerte Objekte würden unmittelbar nach dem Fund zum Landesamt für Kultur und Denkmalpflege gebracht, um interessierte „Hobbyschatzsucher“ erst gar nicht in Verlegenheit zu bringen.

Zwar habe die Grabungsstätte, die sich für Kuhlmanns Truppe fast bis an die B 111 hinziehe, nichts Spektakuläres zu Tage gefördert. „Trotzdem ist das Areal für uns sehr interessant. Denn wir können aufgrund der Funde fast die gesamte Bronzezeit abbilden. Diese lange Nutzung einer Siedlung ist sehr bemerkenswert“, verdeutlicht Kuhlmann. Überraschend sei die Vielzahl von Funden an diesem Ort für ihn übrigens nicht. Denn er gehörte auch zu jener Mannschaft, die hier in der Region vor Jahren auf der Opal-Erdgastrasse nach Überlieferungen suchte.

Die Opal-Leitung befindet sich parallel zu der jetzt neu geplanten Eugal-Trasse. Wann mit deren Bau begonnen wird, ist noch unklar. Gascade hofft laut Projektleiter Ludger Hümbs auf einen Start Mitte 2018. Voraussetzung ist allerdings, dass bis dahin alle Genehmigungen vorliegen. Um keine Zeit verstreichen zu lassen, wurden die erforderlichen Rohre bereits zu den Lagerplätzen transportiert – auch nahe Wrangelsburg.

Petra Hase

Mehr zum Thema

Schaffen sie es, unter mehreren Schafen ein bestimmtes wiederzuerkennen? Umgekehrt klappt das: Die Tiere vermögen sich Menschengesichter zu merken, haben Forscher herausgefunden. Zum Einsatz kamen dabei Fotos prominenter Weltbürger.

08.11.2017

Es ist ein letzter Versuch, um einen kleinen Jungen vor dem Tod zu bewahren: eine Gentherapie zur Heilung seiner schweren Hauterkrankung. Der Versuch gelingt. Klinischer Alltag wird so eine Gentherapie trotzdem vorerst nicht.

08.11.2017

In der öden Steppe im zentralasiatischen Kasachstan ist der Wildesel Kulan eigentlich heimisch. Doch die einst verbreitete Tierart ist dort heute verschwunden. Nun bringen Tierschützer den asiatischen Esel mit deutscher Hilfe in seine alte Heimat zurück.

09.11.2017

300 000 Euro-Auto ersetzt reparaturanfälliges Exemplar von 1972 / Verhältnis zur Politik ist wieder in Ordnung

10.11.2017

Vorfreude ist die schönste Freude, findet Kristine Kautz (r.) und lädt deshalb mit Christiane Lutzke und weiteren Mitstreitern am Wochenende zum traditionellen Vor-Adventsmarkt ...

10.11.2017

Das neue Mehrgenerationenhaus in Schönwalde läuft: Erste Gruppen nutzen es

09.11.2017
Anzeige