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Ostvorpommern Steuert die AfD weiter nach rechts?
Vorpommern Greifswald Ostvorpommern Steuert die AfD weiter nach rechts?
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00:00 10.10.2017
Nach dem Wegbrechen gemäßigter Kräfte ist die künftige Ausrichtung der AfD zum Thema geworden. MONTAGE: ARNO ZILL
Greifswald

Innerhalb der AfD brodelt es: Die Hälfte des Kreisvorstandes in Vorpommern-Greifswald ist in den vergangenen Wochen zurückgetreten, zwei von drei auch aus der Partei ausgetreten. Mit Matthias Manthei (Anklams direkt gewählter Landtagsabgeordneter) hat nun eines der bekanntesten Gesichter aus der Region die Partei verlassen. Er zählte zum gemäßigten Flügel der AfD, so wie auch der zurückgetretene Kreisvorsitzende Lars Wilhelm und der Ex-Schatzmeister Stephan Grabow. Bedeutet ihr Rückzug ein Erstarken des rechten Flügels?

Drei Mitglieder des Kreisvorstandes zurückgetreten / Matthias Manthei erstattet Anzeige

Ralph Weber, Landtagsabgeordneter und Juraprofessor, würde sich freuen, wenn genau das passiert, sieht hierfür jedoch kein Potenzial. Er gehört zu den Provokateuren rechts außen, sorgte vor einigen Monaten für Aufruhr mit seinem Kommentar über die deutsche Leitkultur, die von den sogenannten „Biodeutschen“ bestimmt werden solle. Das sind seinem Verständnis nach Personen mit vier deutschen Großeltern.

Auch der Greifswalder Landtagsabgeordnete Nikolaus Kramer winkt beim Thema Erstarken am rechten Rand ab. „Die meisten unserer Mitglieder stehen in der Mitte“, sagt Kramer. Zustimmung von Stephan Reuken, Vize-Vorsitzender des Kreisverbandes. Er zählt zum national-konservativen Flügel und wird sich Mitte Dezember für den frei gewordenen Posten des Kreisvorsitzenden zur Wahl stellen. „Wir müssen besser lernen, dass man auch andere Meinungen in der Partei akzeptiert“, sagt Reuken. Dass Deutschland ein Land der Deutschen sein soll, sehe er keineswegs als radikale Äußerung an. Man dürfe auch mal scharf formulieren, so wie Ralph Weber das gerne macht.

Matthias Manthei nennt Webers Abstammungslehre als einen zentralen Grund in der Kette von Ereignissen, die ihn zum Austritt bewegt haben. „Das hat mich angewidert. Ich finde das menschenverachtend“, sagt Manthei. Webers Kommentar löste einen Riesenwirbel aus und brachte ihm eine Abmahnung seiner Fraktion ein. Manthei hätte sich weiterreichende Konsequenzen gewünscht wie den Ausschluss aus dem Fraktionsvorstand. Doch Weber genießt großen Rückhalt in der AfD-Landtagsfraktion und soll heute zum parlamentarischen Geschäftsführer gewählt werden. Den Posten hatte bis vor Kurzem Manthei inne.

Dieser hat gestern Anzeige gegen zwei AfD-Mitglieder gestellt, die ihm bei WhatsApp gedroht haben, er müsse aufpassen, wenn er über die Straße gehe. Dass er eines auf die Fresse kriege, wurde ihm mitgeteilt und dass er ein Verräter sei. „Man muss eine starke Persönlichkeit sein, will man die AfD verlassen“, sagt Manthei. Weiter wirft der gebürtige Anklamer der AfD vor, unverhohlen mit der rechtsextremen NPD zu sympathisieren. „Ich wurde kritisiert, weil ich zu ruhig sei, das Verhalten der NPD mit ihren Unterbrechungen von Sitzungen und Rabatzmachen besser sei“, nennt Manthei Beispiele.

Eine zunehmende Radikalisierung der Partei nennen auch Lars Wilhelm und Stephan Grabow als Gründe für ihren Austritt. „Ich kann und werde das nicht weiter mittragen“, sagte Grabow in der vergangenen Woche. Einen Zusammenhang mit dem Rückzug der AfD-Bundesvorsitzenden Frauke Petry bestreiten sie jedoch. „Es gibt keine Führer, der Befehle erteilt. Es war eine autarke Entscheidung“, beteuert Manthei. Auch Frauke Petry hatte sich wegen einer zunehmenden Radikalisierung einen Tag nach der Bundestagswahl aus der Partei zurückgezogen. Nahezu zeitgleich zerfiel die AfD-Fraktion im Landtag.

Manthei trat mit drei weiteren Abgeordneten aus, gründete die neue Fraktion „Bürger für MV“.

Katharina Degrassi

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