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Swinetunnel: Polen präsentieren „beeindruckende Werbung“

Pasewalk Swinetunnel: Polen präsentieren „beeindruckende Werbung“

Geplante Eröffnung: 2022 / Nur fünf Prozent des Verkehrs sollen grenzüberschreitend sein / SPD misstraut der Ankündigung und verlangt eine „Gegenkonzeption“

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Pasewalk. Der Straßentunnel unter dem Fluss Swine hat große Bedeutung für den Ausbau von Polens größtem Ostsee-Fährhafen in Swinemünde. Das haben Vertreter von Swinemünde am Montagabend vor dem Kreistag Vorpommern-Greifswald in Pasewalk betont. Das 1,4 Kilometer lange Bauwerk soll die mit rund 41000 Einwohnern größte Stadt auf der Insel Usedom bis 2022 mit dem Festland Polens verbinden. Bisher verkehren dort Fähren. Für das Verkehrsaufkommen reichen sie aber schon heute nicht mehr aus.

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Geplante Eröffnung: 2022 / Nur fünf Prozent des Verkehrs sollen grenzüberschreitend sein / SPD misstraut der Ankündigung und verlangt eine „Gegenkonzeption“

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Bauamtsleiter Rafal Lysiak und Wirtschaftsamtsleiter Ryszard Knec stellten das rund 230 Millionen Euro kostende Projekt vor. Zwei Spuren, je dreieinhalb Meter breit, neun Meter unter der Swine, Ausbau der Schnellstraße 3, an die der Tunnel anschließen soll, zudem solle auch die Straßeninfrastruktur in der Stadt umgebaut werden. Und nicht nur das: Knec sagte außerdem, dass die Anbindung nach Stettin ausgebaut werde. Dazu seien neue Gewerbegebiete, der Ausbau des Fährhafens, ein neuer Jachthafen sowie eine Steigerung der Bettenzahl von jetzt 10000 auf 16000 in der Stadt geplant.

Herzstück des städtischen Wachstums sei aber der Tunnel. Finanziell getragen werde das Bauprojekt von Polen und EU-Geldern. Später sei auch eine Maut möglich, hieß es. „Polen rechnet mit 15000 Fahrzeugen täglich, von denen 75 Prozent innerörtlich sind“, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Verkehrsminister Christian Pegel (SPD). Der Schwerlastverkehr werde auch aufgrund des Hafenausbaus um 15 Prozent zunehmen. „Bisher sind keine Anforderungen an uns gestellt worden, die Tonnagebegrenzung für die deutsche Seite zu ändern“, sagte Pegel. Diese liegt bislang bei 7,5 Tonnen. Das heißt, alle Fahrzeuge, die schwerer sind, dürfen die Bundesstraße 110 nicht benutzen. Die Bewohner der Dörfer entlang der Straße, etwa in Zirchow, stöhnen jetzt schon über die Verkehrsbelastung. Laut polnischer Schätzung würden 750 Fahrzeuge, die pro Tag den Tunnel passieren, über die deutsche Seite der Insel Usedom fahren. Das Gutachten des Straßenbauamts Neustrelitz dazu solle in diesem Herbst fertig sein, sagte Pegel.

Nach dem Willen von Kreistagspräsident Michael Sack (CDU) sollte der Präsentation keine Diskussion folgen. Stattdessen sollten die Fraktionen mit diesem Wissensstand nun Fragekataloge erarbeiten. Die SPD von der Insel Usedom hat die Meinungsfindung trotzdem schon abgeschlossen. Sie nannte den Vortrag eine „beeindruckende Werbeveranstaltung“ und zweifelt die Verkehrszahlen an. Die Lkw würden auf der polnischen Seite über die ausgebaute S3 nach Stettin fahren, hieß es. Fakt sei aber, „dass sich der Verkehr immer den kürzesten Weg sucht und dass der geplante Tunnel eine Einladung für einen großen Teil der Lkw sein wird, den um 180 Kilometer kürzeren Weg über die B 110 auf die A 20 zu nehmen.“ Das könne nicht akzeptiert werden. „Wir erwarten von Bund und Land eine ernstzunehmende Gegenkonzeption.“ Die Insel könne keine zusätzlichen Lkw verkraften“, so SPD-Mann Falko Beitz.

Lahme Ente im Schatten

Normalerweise zeugen als „kurz“ angekündigte Vorträge, die dann doch eine Stunde dauern, nicht gerade vom rhetorischen Talent des Redners. Dass aber die beiden Swinemünder Stadtvertreter bei der Vorstellung ihrer Zukunftsprojekte 60 Minuten benötigten, lag einzig an der Fülle ihres Stoffes. Die Promenade und der Hafen werden weiter aufgewertet, es gibt große Hotel-, Wohnungs- und Straßenbauprojekte, vieles andere mehr – und eben auch den Tunnel. Eigentlich fehlt nur noch ein spektakulärer Turm, der einzig als Aussichtsplattform und Postkartenmotiv dient. Wenn man sonst in Kreistagssitzungen Vorträge hört, sind diese geprägt davon, was nicht geht. Lieblingsformulierung: „Die finanzielle Lage ist bekannt.“ Da müssen dann erst Entwicklungskonzepte, Prioritätenlisten, manchmal mehrere Ausschussrunden und noch das Okay aus Schwerin erfolgen. Auch die Kreisgebietsreform von vor bald fünf Jahren ist immer noch ein Argument, warum Prozesse so langsam vorankommen. Wenn das alles durchfinanziert und umgesetzt wird, was die Polen so planen – und da schon einiges in der Mache ist, gibt es wenig Grund, daran zu zweifeln – dann wird der Landkreis in den Schatten gestellt. Vielleicht wirbt er ja dann nicht mehr nur mit der Nähe zu Stettin, sondern auch mit der Nähe zu Swinemünde.

Kai Lachmann und Winfried Wagner

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