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Till Backhaus und die wilden Früchtchen

Gristow Till Backhaus und die wilden Früchtchen

In Gristow stieß der Landwirtschaftsminister auf eine bemerkenswerte Initiative

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„Ich könnte eine Menge dazu sagen.“: Im Naturerlebnispark Gristow stellte Wildfrucht-Frau Angelika Westphal Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) ihre Produkte vor.

Quelle: Sven Jeske

Gristow. Angelika Westphal machte es vor. Jahrelang hatte die Hausfrau aus Groß Karrendorf (Gemeinde Mesekenhagen) Wildstrauch-Obst für den eigenen Bedarf gepflückt und zu Brotaufstrichen verkocht. Schließlich warb sie über den Landfrauenverband Geld von einer Stiftung ein. So nahm ihr bis dahin rein privates Hobby größere Züge an: Der Naturerlebnispark Gristow stellte seine Küche und einen Lagerraum zur Verfügung. Zudem durfte der Landfrauenverband dort mehr als einhundert Wildobststräucher pflanzen. Unter der Marke „Wilde Früchtchen“ kamen die Aufstriche aus Gristow vermehrt unters Volk.

Nun, drei Jahre später, haben sie auch Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) erreicht. Zu Besuch im Naturerlebnispark, kam er aus dem Staunen nicht heraus. Tage zuvor erst hatte Backhaus 982

000 Euro bewilligt, um dem Wildfruchtanbau in MV auf die Sprünge zu helfen. Gemeinsam mit der Hochschule Neubrandenburg und Unternehmensberatern soll die Ludwigsluster Sanddorn Storchennest GmbH testen, „wie sich verschiedene Pflegeschnittmaßnahmen auf das Wachstum und die Fruchtqualität auswirken“. Auch solle eine Studie über den Sanddorn und weitere Wildfrüchte erstellt werden, heißt es.

„Wir wollen neue gesunde Produkte entwickeln“, formulierte Till Backhaus in Gristow das Fernziel seiner Initiative. Angelika Westphal sei da womöglich eine Hilfe. Schließlich sei sie in Bezug auf die Verarbeitung von Wildfrüchten viel weiter als andere in MV.

„Ich könnte eine Menge dazu sagen“, merkt die fast 70-Jährige selbstbewusst an. Schließlich koche sie nicht erst seit gestern Marmelade aus Berberitze, wisse sie längst, wie aus roten Vogelbeeren ein leckeres Chutney wird und dass die süßen blauschwarzen Kügelchen der Felsenbirne, getrocknet wie Rosinen, eine Köstlichkeit sind. Und natürlich kenne sie den Wert von Aronia. Nur mit Aronia allerdings sei auf dem Markt nicht mehr viel Land zu gewinnen. „Aronia ist durch, da gibt es schon zuviel.“

Anders verhält es sich Westphal zufolge mit Kornelkirsche. Sie selber habe den deutschen Markt durchforstet und festgestellt, dass sie höchstwahrscheinlich die einzige ist, die Kornelkirschen- und Ebereschen-Chutney herstellt.

Gerne würde Westphal die von ihr mitangestoßene Wildobstverarbeitung viel größer aufziehen. Ihr Traum ist ein Betrieb. „Auf diese Weise“, erklärte sie einmal, „könnten interessante landestypische Produkte aus einheimischen Rohstoffen erzeugt werden.“ Und das nicht nur für den Gaumen. Besagte Pflanzen hätten mitunter heilsame Wirkungen.

Der Greifswalder Landfrauenverband hat sich inzwischen vom Wildfruchtprojekt verabschiedet. Angelika Westphal ist mit ihrem Engagement wieder alleine. Allerdings weiß sie den Förderverein des Naturerlebnisparks in Gristow hinter sich. Ihre Wildfrucht-Aufstriche – Kornelkirsche-Ingwer etwa, Aronia-Orange, Zierquitte-Hagebutte oder auch Mahonie-Rotwein – stoßen nach wie vor auf Interesse.

Um die Produkte an den Mann zu bringen, stellt sich Westphal auf Märkte und Messen. „Wenn uns der Schritt in die Gastronomie gelingen würde, wäre das super“, sagt die Frau aus Karrendorf. Noch ist er nicht gelungen. Entmutigen lässt sie sich deshalb nicht. Vielleicht ist das vom Landwirtschaftsministerium angeschobene Forschungsprojekt ja auch eine Chance für sie. Den „Wilden Früchtchen“ wäre es zu gönnen.

Wertvolle Wildfrüchte

Zwei kleine Sanddornbeeren sollen mehr Vitamin C enthalten als eine ganze Zitrone. Auch andere Wildfrüchte gelten als Nährstoffbombe. Anders als Kulturobst verfügen sie über einen wesentlich höheren Gehalt an Vitaminen, Farbstoffen und organischen Säuren. Sterneköche und Gourmets haben Wildfrüchte längst für sich entdeckt. Sie schätzen sie wegen ihres ausgezeichneten Aromas, ihrer Bekömmlichkeit und ihrer vitalisierenden Wirkung. Zudem haben Wildfruchtsträucher eine ökologische Bedeutung. Sie bieten Sicht- und Windschutz, sind Lebensraum für Bienen und Wildtiere und zudem pflegeleicht.

Sven Jeske

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