Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Ostvorpommern Töne, Noten und Klänge bis nach Hause
Vorpommern Greifswald Ostvorpommern Töne, Noten und Klänge bis nach Hause
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:10 07.02.2017
Ingmar Dethloff und Paul Bratfisch (er ist auf dem Laptop zu sehen) sind die beiden Geschäftsführer des erfolgreichen Unternehmens Greifmusic. Quelle: Foto: Jessica Rako

Die OZ stellt in einer Serie Existenzgründer in Greifswald vor. Heute geht es um Greifmusic. Seit mehr als vier Jahren sind die Geschäftsführer Ingmar Dethloff und Paul Bratfisch mit ihrer mobilen Musikschule unterwegs, mittlerweile auch in Kitas, Klassenzimmern und Altenheimen. Darüber hinaus vermitteln sie über die eigene Agentur Musiker und Sänger für Veranstaltungen, verleihen Instrumente, Technik und ein mobiles Tonstudio.

Tipps

Paul Bratfisch: „Es ist wichtig, sich mit so vielen Leuten wie möglich über die Idee auszutauschen und sich zu vernetzen“

Ingmar Dethloff: „Einfach machen und loslegen und sich dabei auf das Wesentliche fokussieren und bescheiden wirtschaften.“

Der Greifswalder Dethloff und der Berliner Bratfisch lernten sich im ersten Semester ihres Lehramtstudiums in Greifswald kennen. „Ich hatte den Tatendrang, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen und Paul hatte die zündende Idee“, erzählt Dethloff.

Angefangen haben sie mit Einzelunterricht, Gruppenunterricht und zwei Lehrkräften. Bratfisch hat ebenfalls Unterricht gegeben und seine Wohnung zum Büro und Übungsraum umfunktioniert. „Irgendwann brauchten wir einen Raum für den Gruppenunterricht. Um die Kosten so gering wie möglich zu halten, wollten wir zu Beginn noch nichts anmieten. Also habe ich kurzerhand mein Wohnzimmer als Multifunktionsraum freigegeben“, erklärt der Berliner.

Heute beschäftigt Greifmusic eine Assistentin und arbeitet mit 30 Lehrkräften zusammen und ist über Greifswald hinaus aktiv. Das Büro befindet sich heute in der Greifswalder Innenstadt. Das Studium der beiden liegt vorerst auf Eis. „Weiterbildungen und das Voranbringen der Idee ’Greifmusic’ ist uns momentan einfach wichtiger. Das Studium läuft nicht weg“, sagt Bratfisch. Das besondere an ihrer „Musikschule 2.0“ ist die Mobilität. Der Einzelunterricht findet in den eigenen vier Wänden statt. Momentan stehen Gitarre, Violine, Klavier, Schlagzeug, Flöte, Cajon (eine Kistentrommel) und Percussions zur Verfügung. Gesangsunterricht ist ebenfalls möglich. Ausgefallene Instrumentenwünsche versuchen die beiden mit Hilfe von Lehrkräften zu realisieren. Für die musikalische Früherziehung kommen die Lehrkräfte mit einem großen Instrumentenkoffer und eigenem Konzept in die teilnehmenden Kindertagesstätten. In Schulen werden Cajon-, Gitarren- und Keyboardworkshops für Kinder und Jugendliche von der Grundschule bis zum Gymnasium angeboten.

Das neuste Projekt ist die Arbeit mit Senioren: Beim musikalischen Seniorentreff werden gemeinsam Volkslieder gesungen, neue Lieder erlernt und die Möglichkeit geboten, mit Instrumenten das Singen zu begleiten. Ein selbst ausgearbeitetes Musikkonzept ermöglicht hier Demenzkranken und Schwerstbehinderten eine besondere Art der Therapie. Mit diesem großen Angebot wollen sie vielen Menschen einen Zugang zur Musik ermöglichen. „Jeder sollte die Chance haben, Musik zu machen und ein Instrument zu erlernen“, so Bratfisch. Das Preis-Leistungsverhältnis habe bisher überzeugen können: Eine Einzelstunde dauert 50 Minuten und kostet 25 Euro. Die musikalische Früherziehung ist für 25 Euro im Monat möglich und findet wöchentlich in den Kitas statt. Die Teilnahme an einem Gruppenworkshop in einer Schule umfasst monatlich 35 Euro, dabei ist das Leihinstrument inklusive. Für 44 Euro im Monat können Erwachsene am Gruppenunterricht teilnehmen. Bisher sind sie in Greifswald in zehn Kitas und bei Tagesmüttern, in drei Senioreneinrichtungen und sechs Schulen vertreten.

Die beiden Jungunternehmer arbeiten mit dem Stadtmarketing zusammen und unterstützen Feste wie die Fete de la musique. Sie organisieren Begegnungsprojekte mit Flüchtlingen und bieten integrative Cajonkurse an der Arndtschule und im St.Spiritus an. Darüber hinaus veranstalten sie auch eigene Musikschulfeste und sammeln dort Spenden für lokale Projekte.

Bei all dem Erfolg und dem Willen sich weiterzuentwickeln, stehe das Leitziel des Projektes damals wie heute im Vordergrund: „Wir wollen den Spaß und die Begeisterung an der Musik fördern, Menschen von der Musik überzeugen und einen Rahmen schaffen, in dem alle gerne musizieren“, sagt Bratfisch, „In einer Leistungsgesellschaft, wie der unseren, können Musik und Kultur einen guten Ausgleich schaffen und wichtige Kompetenzen fördern.“

Jessica Raco

Mehr zum Thema

Ulrich Langer ist einer der viel beschworenen Arbeitgeber, die einen Flüchtling einstellen wollen. Doch er scheiterte an den Behörden.

03.02.2017

Von neuer Kurabgaberegelung profitieren Ort und Gäste in Middelhagen auf Rügen gleichermaßen.

04.02.2017

Der Stralsunder Ulrich Langer ist einer der viel beschworenen Arbeitgeber, der einen Flüchtling einstellen wollte. Doch er scheiterte an den Behörden.

06.02.2017

Dem Historiker Michael North ist die Leitung des Helsinki Collegium, des Institute of Advanced Study der Universität Helsinki, angeboten worden.

07.02.2017

Neongrüne Flüssigkeit im Museumshafen deutet auf Schmutzwasser / Abwasserwerk identifiziert Fehlanschlüsse

07.02.2017

Studenten wollen den universitären Senat zur Urabstimmung bewegen

04.02.2017
Anzeige