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Wieder Krach um den Biber

Kühlenhagen Wieder Krach um den Biber

Der Wasser- und Bodenverband Ryck-Ziese hat einen Damm der geschützten Tiere beseitigen lassen

Kühlenhagen. Schwerer Vorwurf gegen den Wasser- und Bodenverband Ryck-Ziese (Wbv). Die Organisation – zuständig für die Erhaltung und Pflege von Flächen, Anlagen und Gewässern zum Schutz des Naturhaushalts, des Bodens und für die Landschaftspflege – soll am Prägelbach bei Kühlenhagen (Gemeinde Katzow) in eklatanter Weise gegen Naturschutzbestimmungen verstoßen haben. Auf ihr Betreiben hin sei dieser Tage ein Damm beseitigt worden, den dort lebende Biber zum Schutz ihrer Behausung errichtet hätten, schildert der Kühlenhagener Wolfram Otto, ehrenamtlicher Naturschutzwart.

Peter Berster, Vorsteher des kritisierten Verbands, bestätigt den Eingriff. „Durch den Damm war das Wasser im Bachlauf so aufgestaut worden, dass es überlief und eine angrenzende Nutzwiese vernässte.

Der Pächter konnte die Wiese deshalb nicht mähen.“ Es sei die gesetzliche Pflicht des Wasser- und Bodenverbands, Abflusshindernisse in Gewässern seines Zuständigkeitsgebiets zu beseitigen, gibt Peter Berster zu bedenken und verweist unter anderem auf geltendes Bundesrecht.

Laut Wolfram Otto hatten sich Vertreter der Naturschutzbehörde des Landkreises und der Forstverwaltung vor zwei Wochen darauf geeinigt, einen sogenannten Bibertäuscher in den Damm einzubauen – Rohre, welche die Stauwirkung des Biberdamms regulieren. Die Höhe des Pegels wird dabei so eingestellt, dass der Eingang zum Biberbau unter Wasser liegt, die überstaute Fläche jedoch begrenzt bleibt.

Peter Berster beruft sich auf eine andere Absprache mit der Naturschutzbehörde des Kreises. Danach sollte der Wbv den etwa 80 Zentimeter bis einen Meter hohen Biberdamm zunächst nur um 40 Zentimeter abtragen und kontrollieren, ob die Tiere in dem Damm hausen. „Das haben wir getan, aber wir haben keinen Biber entdeckt. Daraufhin haben wir dann die restlichen 40 bis 50 Zentimeter des Damms beseitigen lassen.“ Dabei wurden offenbar doch Höhlen der Nager zerstört.

Berster selbst hatte den Eingriff in der vergangenen Woche angeordnet: „Es war allerhöchste Zeit, dass wir dort etwas machen. Hätten wir länger gewartet, wäre keine Technik mehr einsetzbar gewesen.

Die Wiese war bereits derart vernässt, dass sie kaum noch befahrbar war.“ Die Biber, meint Peter Berster, würden sich ruckzuck einen neuen Damm an anderer Stelle des Baches aufbauen. „Das ist für die kein Problem!“ Wolfram Otto sieht das nicht so gelassen. Der Prägelbach ist europäisches Naturschutzgebiet, der Biber steht unter Artenschutz. Das Vorgehen des Wbv gibt ihm zu denken. „Offenbar fühlt sich der Wasser- und Bodenverband über jegliche Schutzbestimmungen erhaben und handelt nach eigenem Ermessen. Demnach ist kein Biberdamm mehr sicher, egal ob in Schutzzonen oder nicht.“

In der Naturschutzbehörde des Landkreises reagierte man gestern verhalten. Der zuständige Mitarbeiter wolle sich erst einmal ein Bild vom Eingriff am Prägelbach machen, bevor er sich dazu äußere, hieß es gestern. Der zerstörerische Eingriff des Wbv ist nicht der erste seiner Art am Prägelbach. Hier waren in den vergangenen anderthalb Jahren mehrfach Biberdämme beseitigt oder absichtlich beschädigt worden. Die Naturschutzbehörde des Landkreises hatte die wiederholten Zerstörungen bei der Polizei angezeigt. In einem Fall ermittelte die Kripo, wurde ein Täter ermittelt und später zu einem Bußgeld verurteilt.

200 Jahre lang galt der Biber in der Gegend von Kühlenhagen als ausgerottet. 2014 wurde er erstmals wieder im Prägelbach gesichtet. Inzwischen sollen dort zwei Paare leben, die bereits Nachwuchs aufzogen.

Sven Jeske

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