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Wilde Früchtchen im Alleingang

Gristow Wilde Früchtchen im Alleingang

Nach einer Anschubförderung sind die Landfrauen mit ihrer Produktion von Brotaufstrichen auf sich gestellt.

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Angelika Westphal (rechts), hier mit der Gristower Naturparkmanagerin Liane Jeschky, hält die „Wilden Früchtchen“ hoch.

Quelle: Sven Jeske

Gristow. Wie weiter mit den „Wilden Früchtchen“? Die vom Greifswalder Landfrauenverband betriebene Herstellung gleichnamiger Brotaufstriche aus einheimischem Wildstrauch-Obst (die Ostsee-Zeitung berichtete) wird nicht mehr gefördert. Im Januar endete die finanzielle Unterstützung, mit der die Robert-Bosch-Stiftung in Berlin dem Projekt auf die Beine helfen wollte.

Bis zu 50 000 Euro war der Stiftung die Vision der Landfrauen wert, Früchte einheimischer Wildsträucher zu wohlschmeckenden Aufstrichen zu verarbeiten und so erste Voraussetzungen für den Aufbau eines kleinen Betriebes zu schaffen. Nun, da die Initiatoren auf sich gestellt sind, stoßen sie an ihre Grenzen. „Ich habe immer gesagt, das wird viel Arbeit machen — aber das war immer nebulös“, schildert Ideengeberin und Hauptakteurin Angelika Westphal aus Groß Karrendorf. Jahrelang hatte sie Wildstrauch-Obst nur für den eigenen Bedarf gepflückt und verkocht. Mit der Anschubfinanzierung durch die Bosch-Stiftung nahm ihr bis dahin rein privates Hobby größere Züge an. Der Naturerlebnispark stellte seine Küche und einen Lagerraum zur Verfügung. Zudem durfte der Landfrauenverband dort mehr als einhundert Wildobststräucher pflanzen. Sie sollen der Rohstoffgarant für die Zukunft sein.

Das Wildobstaufkommen wurde größer, allein, es fehlen produktive junge Mitstreiter. „Das Ganze hängt zu stark an meiner Person“, räumt Westphal ein. Da Fruchternte und -verarbeitung und der Vertrieb der Produkte rein ehrenamtlich erfolgten, sei es sehr schwer, Leute zu gewinnen. Unlängst brach sich Angelika Westphal, inzwischen 68 Jahre alt, den Oberarmknochen — es hätte das Ende für die „Wilden Früchtchen“ sein können. Glücklicherweise verheilte alles, so geht es nun vorerst doch weiter. Mit etwas angezogener Handbremse: „In der anfänglichen Euphorie hatten wir zuviel hergestellt. Die Menge konnten wir gar nicht richtig absetzen. Ein Teil landete so im Lager. Das war eine Erfahrung“, schildert Westphal. Inzwischen produziere man nicht mehr auf Halde, sondern dem Abverkauf folgend.

Die Wildfrucht-Aufstriche — Kornelkirsche-Ingwer etwa, Aronia-Orange, Zierquitte-Hagebutte oder auch Mahonie-Rotwein — stoßen nach wie vor auf Interesse. Um die Produkte an den Mann zu bringen, stellten sich Westphal und andere Frauen auf Märkte und Messen. „Wenn uns der Schritt in die Gastronomie gelingen würde, wäre das super“, sagt die Frau aus Karrendorf. Noch ist er nicht gelungen.

Entmutigen lässt sich Angelika Westphal deshalb nicht: Sie weiß um den zähen Werdegang anderer Produzenten. „Die Bauernmanufaktur in Torgelow etwa hat zig Jahre benötigt, bis sie mit ihren Fruchtsenfsorten erfolgreich wurde.“ Es gebe viele andere, die unter dieser Maßgabe produzierten und nicht aufsteckten.

Eine neue Erntezeit steht bevor. Ende August sind Aronia, Kornelkirsche, Berberitze und Mahonie reif. Die verfügbare Fruchtmenge würde jetzt schon eine größere Produktion ermöglichen. Doch der Absatzmarkt ist zu klein, die Anzahl der Helfer ist es auch.

„Solange ich kann, werde ich am Ball bleiben“, verspricht Angelika Westphal. Schließlich mache es auch Spaß. Der schönste Lohn für alle Mühe sei das Lob der Kunden.

Der schönste Lohn ist das Lob des Publikums.“Angelika Westphal, Produzentin der „Wilden Früchtchen“

 



Sven Jeske

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