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Wildschwein-Plage: Jäger ratlos

Greifswald Wildschwein-Plage: Jäger ratlos

Kreis startet ein Pilotprojekt: Mehr Jungtiere sollen geschossen und Fallen aufgestellt werden — aber wer soll das leisten?

Greifswald. Zerfressene Raps- und Maisfelder, beschädigte Hochwasserdeiche — Experten im Kreis Vorpommern-Greifswald sind sich einig: Die Zahl der Wildschweine im Nordosten ist zu groß, weit mehr Tiere als bisher müssten erlegt werden. Zumal in Polen auch die Afrikanische Schweinepest grassiere, von dort Seuchengefahr drohe.

Schweinepest droht

Die Afrikanische Schweinepest hat sich vom Baltikum bis nach Ostpolen ausgebreitet und könnte bald auch Vorpommern erreichen. Nicht nur bei Wild-, auch bei Hausschweinen führt diese Infektion fast immer zum Tod. Einen Impfstoff gibt es nicht.

Als Untere Jagdbehörde hat der Kreis darum ein Pilotprojekt gestartet, mit dem er „neue Wege“ gehen will, wie Landrätin Barbara Syrbe (Linke) sagt. „Elemente einer nachhaltigen Bestandsreduzierung beim Schwarzwild“ heißt das Programm und wird vom Agrarministerium MV unterstützt. Jäger, Land-, Forstwirte und Wissenschaftler hatten dafür Strategien diskutiert.

Das Ergebnis: Die Jäger im Kreis werden aufgerufen, 80 Prozent aller Frischlinge zu schießen oder die Tiere mit vom Land bezahlten Gehegefallen zu fangen. Auch Leitbachen dürften nicht länger geschont werden, wenn sie keine Frischlinge führen. Bisher würden pro Jahr zwar rund zehn Prozent des Wildschweinbestandes gestreckt, das genüge aber nicht, erklärte Kreissprecher Achim Froitzheim.

Ob das Pilotprojekt etwas ändert — von Jägern im Landkreis kommt Skepsis. Denn vor allem die Frischlingsjagd gilt als wenig lukrativ. „Ich bin bei meinen Jägern auf gewissen Widerstand gestoßen“, erzählt Marcus Metzger, Chef des Hegerings Züssow, zu dem 40 Jäger gehören. Ein ausgewachsenes Wildschwein bringe über 100 Kilogramm auf die Waage, der Verkauf Geld ins Portemonnaie. „Aber an einem Frischling ist nichts dran, den können Sie praktisch nur verbuddeln.“ Ein Tier zu töten, um es dann wegzuschmeißen, widerstrebe vielen Jägern.

Der Landkreis will im Rahmen des Projekts Fortbildungsangebote und zusätzliche Übungskurse für den Schuss auf Wild in Bewegung auflegen, außerdem Technik wie Nachtsichtbrillen und Wildkameras einführen. So sollen Jäger Wildschweine auch unter ungünstigen Bedingungen erlegen können. Zudem ist eine Prämie für das Erlegen von Frischlingen im Gespräch, etwa 10 Euro pro Tier. Problem: Bisher gibt es niemanden, der sie finanzieren will und kann. Der Landkreis ächzt unter Millionenschulden, das Landwirtschaftsministerium lehnt die Kostenübernahme ab.

Jäger Gerd Zahn, Chef des Hegerings Gützkow-Peenetal, ist denn auch unsicher, ob das Maßnahmenpaket den gewünschten Erfolg bringen wird. Die sogenannten „Saufänge“, Fallen für Frischlinge, seien leider aufwändig in der Unterhaltung, und ohnehin nicht überall geeignet. „Wir können die bei uns gar nicht aufstellen, weil die Fläche entlang der Peene verschilft ist.“ Und die riesigen Raps- und Maisfelder, die noch zum Jagdgebiet im Peenetal gehörten, seien extrem schwer zu bejagen. „Da verschwinden die Tiere drin.“

Trotzdem will Gerd Zahn seinen Jägern im Hegering klar machen: „Wir müssen die Frischlinge stärker bejagen.“ Denn das sei zwar aufwendig und bringe kein Geld, „aber wenn die Population weiter wächst, wird es auch teuer für uns“. Die Landwirte forderten Schadensersatz, die Jäger seien in der Verantwortung. „Das muss in den Köpfen klar werden.“

Von Sybille Marx und Martina Rathke

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