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Ostvorpommern Wolgaster THW-Beauftragter stellt klar: Die Familie geht vor
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00:00 15.06.2016

Erst kündigte Zugführer Maik Bischoff (43) zum 30. Juni seinen Dienst beim Wolgaster Ortsverband der Bundesanstalt Technischen Hilfswerk (THW). Nun ziehen zwölf weitere aktive Einsatzkräfte des Ortsverbandes nach, wie Bischoff gestern mitteilte. Sie wollen ebenso aus Protest gegen die erfolgte Schließung von Pädiatrie, Geburtshilfe und Gynäkologie am Kreiskrankenhaus Wolgast in Kürze ihren Dienst beim THW quittieren. Besonders bitter: Unter den scheidenden Mitgliedern sind viele Spezialisten: Kranfahrer, Bootsführer, Kraftfahrer, Gruppen- und Truppführer. Laut Bischoff ist der Ortsverband Wolgast wegen dieses Aderlasses „nur noch bedingt einsatzfähig“.

Der THW-Ortsbeauftragte Frank Hasche aus Bauer kehrt dem Ehrenamt zum 31. August den Rücken. „Ich bin Vater zweier Kinder und sehe, wenn ich auswärtig zum Einsatz muss, die Sicherheit meiner Familie nicht mehr als gegeben an“, erklärt der 36-Jährige. Er verweist auf die langen Anfahrtswege zur Kinderstation nach Anklam oder nach Greifswald, falls seine Kinder in seiner Abwesenheit notärztliche Hilfe brauchen. „Die Familie geht vor“, stellt Hasche klar, der auch die Verantwortung für den THW- Nachwuchs nicht länger übernehmen wolle. „Wenn jemandem aus der Jugendgruppe bei Übungen und in der Ausbildung etwas passiert und er oder sie ins Krankenhaus muss, wird es für Eltern, die kein Auto haben, problematisch, ihr Kind zu besuchen. Ich will mir dann keine Vorwürfe machen lassen müssen“, so Hasche.

Martin Richter (38), ebenfalls zweifacher Familienvater, argumentiert genauso. „Wenn meinem zweieinhalb Jahre alten Kind was passiert und ich bin irgendwo im Einsatz, wie soll das dann laufen? Bis nach Greifswald und zurück sind es locker 140 Kilometer“, so der Heringsdorfer. Die Schweriner Regierungskoalition habe mit ihrer Entscheidung zur Wolgaster Klinik Einheimische und Urlauber im Stich gelassen und die Konsequenzen zum Beispiel für Ehrenamtler nicht bedacht: „Man muss doch an die Leute denken.“

Ähnlich denkt René König, Bürgermeister von Koserow und seit über zwei Jahrzehnten in leitender Position beim THW aktiv. „Ich habe viele Hilfsaktionen aktiv miterlebt. Dass jetzt ausgerechnet für die inzwischen geschlossenen Stationen am Kreiskrankenhaus kein Geld da sein soll und alles nur unter wirtschaftlichen Aspekten entschieden wird, hat mich schwer enttäuscht.“ Sein Eindruck: „Die Politik ist nicht mehr für uns Menschen da.“ Er habe es sich nicht leicht gemacht, „aber ein klares Signal muss her.“

Auch bei der Wolgaster Feuerwehr wird – wie in der Stadt und auf Usedom überall – heftigst über die Situation am Krankenhaus debattiert. „Wir sind schließlich fast alle junge Familienväter“, sagt Wehrführer Maik Wilke. Rücktritte vom Dienst oder Ankündigungen solcher Art gebe es aber bislang nicht. „Ich hoffe sehr, dass das auch so bleibt“, stellt Wilke klar.

Steffen Adler und Tom Schröter

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