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Zu kalt, zu trocken: Mieses Erntejahr

Anklam Zu kalt, zu trocken: Mieses Erntejahr

Vorsitzender des Kreisbauernverbandes rechnet mit bis zu 40 Prozent weniger Ertrag

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Bei Wampen wurde der Boden mit schwerer Technik bearbeitet, um die neue Rapsaussaat vorzubereiten.

Quelle: St. Brümmer

Anklam. Miese Laune bei den Bauern in der Region: „So ein schlechtes Ernteergebnis wie in diesem Jahr hatten wir seit über 25 Jahren nicht mehr“, sagt Gerd Rupnow, Vorsitzender des Bauernverbandes Ostvorpommern. Dazu kommen seit Monaten die niedrigen Milchpreise, die den Landwirten zusetzen. „Weil das mit dem Ackerbau diesmal nicht auszugleichen ist, kann ich schon von einem existenzbedrohenden Jahr sprechen“, nimmt Rupnow kein Blatt vor den Mund. Als Ursachen für das schlechte Ergebnis hat er die kurze Frostperiode zum Jahresanfang und die lange Trockenheit ausgemacht. Den Ertragsverlust beziffert der Vorsitzende mit 20 bis 40 Prozent.

 

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So ein schlechtes Ernteergebnis wie in diesem Jahr hatten wir seit 25 Jahren nicht mehr. Man kann getrost von einem existenz- bedrohenden Jahr sprechen. Gerd Rupnow, Geschäftsführer des Bauernverbandes Ostvorpommern

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Der Bauernverband in Zahlen

119 341 Hektar umfasst die landwirtschaftliche Nutzfläche im ehemaligen Kreis Ostvorpommern. Dazu gehören die Altkreise Greifswald und Anklam und die Regionen Insel Usedom und Wolgast. 87 ordentliche Mitglieder zählt der Bauernverband Ostvorpommern gegenwärtig. Das sind vor allem landwirtschaftliche Unternehmen. Die Geschäftsstelle befindet sich in Anklam.

Geschäftsführerin ist seit 2002 Katy Albrozeit.

Von einer Existenzbedrohung will Landwirt Christian Ringenberg aus Negentin bei Dargelin südlich von Greifswald zwar nicht sprechen, aber von einer „miesen Ernte“ schon. „Es ist sehr schlimm“, bilanziert er. „Wir haben 30 Prozent weniger Gerste und bis zu 50 Prozent weniger Raps als im Vorjahr.“

Weil die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) 2013 mit Rücksicht auf die Honigbiene das bis dahin übliche Beizen von Rapssaat mit einem Gift gegen Raps-Erdfloh und Kohlfliege untersagt hatte, war die im Herbst 2015 ausgebrachte Saat nicht hinreichend gegen die Schädlinge geschützt. Deren Larven taten sich an den Wurzeln heranwachsender Pflanzen gütlich. Derart geschwächt seien die Rapskulturen im Januar Frösten von bis zu minus 15 Grad Celsius ausgesetzt gewesen, schilderte Ringenberg gestern. Damit nicht genug, habe der Raps auch noch langanhaltende Trockenheit im Frühjahr überstehen müssen. Da könne man noch so ein guter Landwirt sein – derart viele Negativfaktoren auf einmal hätten ihre Auswirkungen.

Die bekam auch die Landwirtschaftsgesellschaft Neuenkirchen bei Greifswald zu spüren. Ihr Chef Daniel Antrack spricht von einer unterdurchschnittlichen Ernte und führt als Grund vor allem die Trockenheit in den Monaten April und Mai ins Feld. Bei der Marktfrucht GbR Mahlzow liegen die Ernteausfälle bei 30 bis 40 Prozent. Besonders der Jahreswechsel 2015/2016 hätte den Kulturen zugesetzt, erklärt Produktionsleiter Martin Haß. „Weihnachten hatten wir zehn Grad plus, ein paar Tage später lagen wir im zweistelligen Minus- gradbereich. Da konnten sich die Pflanzen nicht anpassen.“ Durch die Wärme seien die Zugvögel viel länger hier geblieben. „Sie haben die Wintergetreidebestände abgefressen“, so Haß. „Hinzu kam die lange Trockenperiode in den Monaten März, April und Mai. „Da konnten sich die Ähren nicht richtig ausbilden.“ Was für die Kulturen wie Raps, Gerste, Hafer und Weizen misslich war, war für Schädlinge umso besser. „Wir haben massive Probleme mit den Blattläusen.

Beim Raps hatten wir enormen Insektenfraß und allgemein eine starke Verunkrautung“, sagt Haß, der aufgrund der schlechten Ergebnisse in diesem Jahr geplante Investitionen verschieben muss. „Neue Technik muss nun warten.“ So wie in Mölschow ist vielerorts der Drusch noch in vollem Gange. Laut Gerd Rupnow muss der Weizen runter, weil er reif ist. „Wenn der Weizen jetzt zu viel Niederschlag bekommt, ist das für den Verkauf schlecht. Dann wird aus Qualitätsweizen nur Futterweizen“, betont Rupnow. Laut Christian Ringenberg sind die mit Getreide zu erzielenden Preise derzeit niedrig. Grund ist ein weltweiter Getreideüberschuss.

Henrik Nitzsche und Sven Jeske

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