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Ostvorpommern Zwischen Resignation und Hoffnung
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00:01 18.10.2017
Wackerow

Die Stimmung ist angespannt an diesem Montagabend im Beratungsraum der Gemeindevertretung Wackerow. Bürgermeister Manfred Hering hat zu einer Sondersitzung geladen. An diesem Abend wird eine Arbeitsgruppe gegründet, die analysieren soll, welche Vor- und Nachteile es für Wackerow hat, mit Greifswald zu fusionieren, eine Großgemeinde zu bilden oder eigenständig zu bleiben.

Wir möchten ergebnisoffen diskutieren, was das Beste für Wackerow ist und Transparenz herstellen.Diethard Gerecke, Mitglied der AG
Die AG erstellt derzeit eine Liste mit allen wichtigen Themen. GRAFIK: ARNO ZILL

Letzteres ist keine wirkliche Option, denn die Gemeinde ist mit 2,8 Millionen Euro verschuldet. Das Land hat Wackerow die Daseinsberechtigung längst abgesprochen. Auf den Druck aus Schwerin hin hat Hering vor zwei Jahren die Verhandlung für eine Fusion mit Greifswald aufgenommen. Der Vertrag liegt fertig in der Schublade.

Doch nun die Rolle rückwärts: 180 Wackerower wünschen sich, dass die Gemeinde nicht nur die Fusion mit Greifswald verfolgt, sondern auch in Richtung Großgemeinde Landhagen verhandelt. Die Idee war 2015 von den Nachbargemeinden abgelehnt worden. In den vergangenen Monaten ist das Interesse gewachsen, weil auch andere Gemeinden unter Druck geraten. Vom Bürgeranliegen pro Großgemeinde fühlten sich die Gemeindevertreter überrumpelt, sie hatten sich selbst kurz vor der Vertragsunterzeichnung mit Greifswald gesehen. Trotzdem folgten sie dem Wunsch. Hering will die Sorgen der Kritiker ernst nehmen und jene, die der Fusion mit Greifswald skeptisch gegenüberstehen, mit ins Boot holen. Neu mit am Tisch sitzt Diethard Gerecke. Er gehört zu jenen 180, die sich Verhandlungen in Richtung Großgemeinde wünschen. Kommende Woche soll er zum Vorsitzenden der Arbeitsgruppe gewählt werden, die aus den vier Mitgliedern des Hauptausschusses und drei Vertretern der Bürgerinitiative bestehen soll.

Trotz des konstruktiven Miteinanders schwingt in der anderthalbstündigen Sitzung bei den Gemeindevertretern immer wieder Enttäuschung mit. Zum Beispiel als sich Gerecke wünscht, dass sich der Arbeitskreis Gedanken darüber macht, welche Ziele Wackerow hat. „Zu diesen Themen haben wir mehrfach öffentlich getagt. Wir wissen, was wir wollen“, sagt der stellvertretende Bürgermeister Karl-Heinz Tietze, etwas hilflos. „Als der Fusionsvertrag mit Greifswald auf der Tagesordnung stand, war nur ein Bürger da“, sagt Bürgermeister Hering. Gegenwind habe es keinen gegeben. Damals zumindest nicht.

„Jeder hat die Möglichkeit hierher zukommen. Das machen viele nicht“, sagt Marcel Arndt. Im Nachhinein werde der Entscheidungsprozess nun als undemokratisch kritisiert. „Wir sind die gewählten Vertreter der Gemeinde“, so Arndt.

Schwierig ist dieser Weg für die Gemeindevertreter, weil sie längst überzeugt sind, dass die Fusion mit Greifswald die beste Option ist. „Für den Vertrag, der mit Greifswald nun vorliegt, haben wir zwei Jahre gekämpft“, sagt Tietze. Mehrfach habe Wackerow Anliegen geäußert, die in den Vertrag aufgenommen werden sollten. Die Gemeinde habe alle Wünsche durchgesetzt. Darauf sind Tietze und Hering stolz. Es gibt nicht nur eine Übernahmegarantie für die 1,5 Gemeindearbeiterstellen. Greifswald hat zugesichert, diese auf drei zu erhöhen, berichtet Tietze. Ebenso wichtig sei es gewesen, die Feuerwehr zu erhalten. Auch das Versprechen liegt vor. „Im Vertragsentwurf zur Großgemeinde gibt es zu diesen Punkten nur vage Formulierungen“, sagt Tietze.

Auch das Thema Schule sei im Vertrag mit Greifswald hervorragend geregelt. Greifswald als Rechtsnachfolger der Gemeinde Wackerow wird einer der Träger der Schule in Neuenkirchen. Die Wackerower können künftig in Neuenkirchen oder in Greifswald zur Schule gehen. Doch alle diese sachlichen Punkte hätten in der öffentlichen Debatte um die Fusion kaum eine Rolle gespielt, resümiert Hering. „90 Prozent der vorgetragenen Themen waren privater Natur“, sagt Tietze. Beispielsweise sei die Frage einer besseren Busverbindung keine, die sich auf die Zugehörigkeit zu Greifswald oder zur Großgemeinde reduzieren lasse. Auch der Wunsch nach einem Bahnhof in Wackerow hat nichts damit zu tun, wie die Gemeinde organisiert ist, betont Arndt. Die Gemeinde habe bereits vor zwei Jahren bei der Usedomer Bäderbahn beantragt, einen Haltepunkt in Wackerow einzurichten. Innerhalb von vier Sitzungen will die Arbeitsgruppe anhand eines Kriterienkatalogs ein Ergebnis ermitteln.

Katharina Degrassi

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