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Ostvorpommern „...weil die Bürger mit anpacken, wo es nötig ist“
Vorpommern Greifswald Ostvorpommern „...weil die Bürger mit anpacken, wo es nötig ist“
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00:01 14.10.2017
In der Gemeinde Katzow wurde nach dem Anschluss ans Gasnetz Vorpommern symbolisch die Gasfackel gezündet. Quelle: Fotos: Cornelia Meerkatz
Katzow

Seit 20 Jahren ist Bürgermeister Norbert Labahn im Amt. Die OZ sprach mit ihm über das neue Gasnetz für den Ort, sanierte Straßen und das sich im Bau befindliche neue Feuerwehrgebäude.

In Katzow hält die Dorfgemeinschaft fest zusammen – wie jetzt beim Anschluss ans Gasnetz

Hat man nach 20 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit als Bürgermeister noch Lust zum Weitermachen?

Norbert Labahn: Die habe ich, sonst hätte ich längst hingeschmissen. Als ich vor zwei Jahrzehnten Bürgermeister wurde, wollte ich unbedingt viel verändern, denn die Gemeinde sah nicht schön aus. Es gab wenig sanierte Straßen, auch um die Gemeindefinanzen war es nicht gut bestellt. Aber wenn ich als Ökonom eines konnte, dann klug wirtschaften.

Fährt man heute durch Katzow, hat man den Eindruck, hier ist wirklich alles erneuert worden. Schwimmt die Gemeinde im Geld?

Das wäre sehr schön, ist aber leider nicht so. Wir sind in Katzow immer Schritt für Schritt vorgegangen – egal, ob bei der Straßensanierung, der Schaffung von Wohnraum oder der Unterstützung für die Kita. Wir haben uns nie über Gebühr verschuldet mit Krediten. Heute zahlt sich das aus.

Meinen Sie den schnellen Anschluss durch die Gasnetz Vorpommern GmbH? Gebaut wurde ja nur vier Wochen. Woanders dauert das Monate ...

Der Anschluss ans Gasnetz ist ein Beispiel. Der Konzessionsvertrag mit Primagas war ausgelaufen, deshalb haben wir ordnungsgemäß ausgeschrieben. Aber mir war eine gute und zugleich günstigere Lösung für die Bürger wichtig. Die haben wir gefunden. Vorgestern haben wir die Flamme symbolisch gezündet und die Leitung in Betrieb genommen. Jetzt haben noch viel mehr Haushalte im Ort Erdgas, denn den Ortsteil Kühlenhagen haben wir gleich mit angeschlossen. Statt bislang 80 Haushalte werden es 120 sein, die günstiges Erdgas zum Heizen bekommen. Die Anschlussgebühren betragen dafür lediglich 750 Euro. Das sind nicht mal zwei Drittel der Gebühren, die andere Orte haben. In Jägerhof dauert es auch nicht mehr lange mit dem Gasanschluss und für Netzeband arbeiten wir an einer guten Lösung.

Gebaut wurde auch deshalb nur ein paar Wochen, weil die Bürger mit anpacken, wo es nötig ist. Der Geschäftsführer von Gasnetz Vorpommern war total begeistert. So einen Zusammenhalt hat er noch nie erlebt.

Im kommenden Jahr soll das Kabel fürs schnelle Internet verlegt werden. Geht das wieder so ruckzuck?

Das hoffe ich sehr. Die Fördermittel sind zugesagt. Ich habe den Bürgern versprochen, dass bis Ende Dezember 2018 die Gemeinde mit allen Ortsteilen ans Breitbandnetz angeschlossen ist.

Mit dem Bau des neuen Feuerwehrgebäudes wurde vergangenen Herbst begonnen. Es ist immer noch nicht fertig. Hat sich Katzow bei diesem Projekt, das ohne Fördermittel gebaut wird, verhoben?

Nein, wir haben von Anfang an gesagt, dass wir in kleineren Abschnitten bauen. Dadurch brauchen wir das Land nicht um Fördermittel anzubetteln. Im kommenden Spätsommer wird unsere Feuerwehr fertig.

Gibt es noch weitere Vorhaben in Katzow, die in absehbarer Zeit Gestalt annehmen sollen?

Die Gemeindevertretung kann sich vorstellen, im hinteren Teil des Schulgebäudes, wo es bereits mehrere Wohnungen gibt, noch eine Wohnung auszubauen. Uns kommt es auf bezahlbaren Wohnraum an. Außerdem bekommt die Kita „Hummelhus“, in der 53 Kinder betreut werden, einen neuen Zaun. Und einige Gemeindewege müssen ausgebessert werden, ehe dort tiefe Schlaglöcher entstehen.

Sie sprechen bei den Ortsteilen oft von den drei schönen Töchtern Katzows. Werden alle Ortsteile auch gleich bedacht?

Wenn dem nicht so wäre, hätten wir nicht so stabile Einwohnerzahlen. In der Gemeinde leben 617 Einwohner. Als Bürgermeister habe ich zusammen mit der Gemeindevertretung darauf geachtet, dass neben Katzow auch in Jägerhof, Kühlenhagen und Netzeband investiert wird. Allerdings gibt es in Netzeband noch ein paar Ecken, wo was passieren muss.

Katzow macht in jüngster Zeit durch den Reitsport von sich reden ...

Darauf sind wir sehr stolz. Die Katzower Reitergilde hat 35 Mitglieder. In diesem und im vergangenen Jahr fanden hier die Landesmeisterschaften im Gespannfahren statt. Viele der Gäste waren vorher noch nie in der Gemeinde und sehr beeindruckt. In diesem Jahr sind wir ganz weit vorn bei den Deutschen Meisterschaften der Jugend U 25 im Gespannfahren gelandet. Tobias Kriemann wurde Vierter, das ist super.

Was macht aus Ihrer Sicht das besondere Flair der Gemeinde aus?

Alt und neu, jung und alt passen hier prima zusammen. Dazu eine idyllische Natur. Jägerhof beispielsweise ist ein geschichtsträchtiger Ort. Der alte, fünf Kilometer lange Damm aus Kopfsteinpflaster, der von der L 26 bis zur B 111 führt, wurde uns 2002 vom Landkreis als Gemeindestraße übergeben. Wir haben die schlimmen Stellen ausgebessert, heute steht der Jägerhofer Damm unter Denkmalschutz.

Unsere Enkel und deren Enkel sollen noch sehen können, wie früher Straßenbau betrieben wurde. Gleichzeitig wissen die Katzower, wie angenehm es sich im Dorf leben lässt, wenn Infrastruktur vorhanden ist: Kita, Kirche, Kneipe, Betreutes Wohnen, Feuerwehr, asphaltierte Straßen samt Beleuchtung. Dazu mehrere landwirtschaftliche und handwerkliche Betriebe. Unsere Dorfgemeinschaft packt zusammen an und feiert zusammen. Ich bin stolz auf meine Gemeinde!

Interview: Cornelia Meerkatz

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