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Greifswald Patientendaten auf dem Smartphone einsehen
Vorpommern Greifswald Patientendaten auf dem Smartphone einsehen
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13:38 18.10.2018
In der Torgelower Praxis von Dr. Christian Bauer (l.) zeigt Patient Benny Rickelt sein Smartphone mit Daten seiner digitalen Patientenakte. Quelle: Christian Rödel
Torgelow

Es passierte wie aus heiterem Himmel eines Abends auf dem heimischen Sofa. „Ich wollte etwas hinter mir greifen und verdrehte meinen Rücken. Was dann folgte, war der Hammer“, erinnert sich der Torgelower Benny Rickelt. Er konnte den Nacken nicht mehr bewegen. Zu dem sogenannten Schiefhals gesellten sich stechende Schmerzen im linken Arm. Der 40-Jährige, der als Pflegedienstleiter arbeitet, weiß um die Belastungen in seinem Berufszweig ganz genau. „Klar sollen wir möglichst rückenschonend arbeiten, doch im Alltag wird gerade das Heben der schwergewichtigen Patienten immer mehr zum Problem“, erzählt der 1,90-Meter-Hüne.

Die Behandlung des vermeintlichen Rückenproblems brachte Rickelt keine Erleichterung, die Schmerzen hielten an. „Es folgte unter anderem eine Computertomographie, also ein computergestützte Röntgenuntersuchung, die detaillierte Querschnittsbilder erzeugt“, sagt Dr. Christian Bauer (50), Facharzt für Allgemeinmedizin in Torgelow. Die eingehende Diagnostik habe ergeben, dass sein Patient einen „Hexenschuss“ in der Halswirbelsäule erlitten habe, erläutert der Mediziner. Er ist Mitglied des Ärztenetzwerkes HaffNet. Diesem gehören in der Uecker-Randow-Region (Landkreis Vorpommern-Greifswald) aktuell 49 niedergelassene Mediziner, zahlreiche Pflegekräfte und die Ameos Krankenhäuser in Ueckermünde und Anklam an.

Schnelle Diagnose mithilfe digitaler Patientenakte

Dass bei Rickelt die Ursachenforschung zügig und erfolgreich erfolgte, ist nicht zuletzt der digitalen Patientenakte zu verdanken. Einem im März dieses Jahres in Ueckermünde gestarteten Pilotprojekt von AOK Nordost, der Kassenärztlichen Vereinigung MV und HaffNet. „Seit zwei Jahren arbeiten wir intensiv an diesem digitalen Gesundheitsnetzwerk und lernen ständig dazu“ , erklärt HaffNet-Geschäftsführer Andreas Meinhold (59). Dabei sei die Digitalisierung gerade in einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern Mittel zum Zweck. Macht sie es doch möglich, dass der Datenaustausch zwischen ambulanter und stationärer Versorgung, das Einverständnis des Patienten vorausgesetzt, umfassend erfolgt.

Zur Erinnerung: Die elektronische Patientenkarte in Deutschland erweist sich auch nach mehr als zehn Jahren als milliardenschwerer Flop. „Wir aber reden nicht, sondern handeln“, erklären unisono Dr. Bauer und der Direktor des Ueckermünder Ameos-Krankenhauses, Stefan Fiedler (49). So haben die Vertragspartner einheitliche Aufnahme- und Entlassungsbögen entwickelt, die bei der Überweisung von der ambulanten zur stationären Behandlung eingesetzt werden. Sie enthalten alle wichtigen Daten eines Patienten, beispielsweise Vorerkrankungen und die aktuelle Medikamenteneinnahme. Dabei nutzen die Beteiligten das „ sehr gut abgesicherte Netzwerk ,SafeNet’ der Kassenärztlichen Vereinigung MV“, verdeutlicht Allgemeinmediziner Bauer. An der Beseitigung noch existierender „Kinderkrankheiten“, etwa der noch unzureichenden Benutzerfreundlichkeit beim Datenaustausch (Beitrag unten), arbeite man gemeinsam, sagt der Arzt.

Digitale Vernetzung

Die AOK Nordost bietet gemeinsam mit dem Ärztenetzwerk HaffNet, den Ameos Kliniken und der Kassenärztlichen Vereinigung MV das Versorgungsprogramm „Vernetzte Versorgung aus einer Hand“ für ihre Versicherten im Nordosten an. Das „Digitale Gesundheitsnetzwerk“ ist nun die innovative Lösung für die digitale Vernetzung und ergänzt den bestehenden Versorgungsvertrag. Seit März 2018 wurde erstmals ein digitaler Austausch von wichtigen Behandlungsdaten “ zwischen Ärzten und Krankenhäusern ermöglicht.

Schnelle Behandlung durch Datenaustausch

Die praktischen Vorteile indes überzeugen. „Bevor der Betreffende im Krankenhaus mit gepackter Tasche auftaucht, können unsere Mediziner bereits vorhandene Befunde einsehen. Die Anschlussbehandlung wird vorbereitet“, erklärt Fiedler. „Künftig sollen bei diesem Datenaustausch auch Labordaten im Vorfeld übermittelt werden“, sagt der Chefarzt der Ameos-Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie in Ueckermünde, Carsten Breß (50). Und das Interesse weiterer Kliniken in der Region ist geweckt. „Diese Form des Datenaustausches macht Sinn. Sie spart Zeit, hilft uns Medizinern im Klinikalltag und erspart den Patienten Mehrfachuntersuchungen“, erklärt Prof. Dr. Wolfgang Motz, Ärztlicher Direktor des Herz- und Diabeteszentrum Karlsburg bei Greifswald.

Für den Kaufmännischen Geschäftsführer von HaffNet, Horst-Erich Rapraeger (62), ist zudem wichtig, dass mit der „digitalen Patientenakte“ keine Insellösung geschaffen wird. „Dieses Modellprojekt soll vielmehr künftig für alle Versicherten offen sein“, betont Rapraeger. Wenn also beispielsweise ein Bayer am Stettiner Haff Urlaub macht und aufgrund eines Rückenproblems zur Notaufnahme ins Ameos Klinikum Ueckermünde muss, könnten die dortigen Mediziner praktisch per Knopfdruck seine Patientenakte einsehen, verdeutlicht Krankenhaus-Direktor Fiedler. „Wir könnten schnell und vor allem gezielt handeln. Es entfallen un-nötige Blutabnahmen oder Untersuchungen. Dadurch kann unter anderem die Strahlenbelastung des Erkrankten vermindert werden, weil die erforderliche Röntendiagnostik minimiert wird“, erklärt Orthopäde Breß. Für Benny Rickelt sind derartige Vorteile auch auf Reisen keine Zukunftsmusik mehr: „Sollte etwa mein Rücken irgendwo in Deutschland wieder Probleme machen, greife ich zum Smartphone. Und der behandelnde Arzt kann sofort meine Krankengeschichte einsehen.“

Volker Penne

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