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Greifswald Penthouse, 2 Quadratmeter, Teich: Storchennest sucht Mieter
Vorpommern Greifswald Penthouse, 2 Quadratmeter, Teich: Storchennest sucht Mieter
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14:53 27.07.2018
Doris und Eberhard Krüger aus Dambeck haben gemeinsam mit Familie Siegert das neue Storchennest geplant und errichtet. Quelle: Anne Ziebarth
Greifswald

Im Herbst spielten sich im kleinen Örtchen Dambeck bei Groß Kiesow dramatische Szenen ab. „Ende Oktober gab es einen besonders stürmischen Tag“, erinnert sich Eberhard Krüger (66), der in Dambeck wohnt. „Mit einem Mal fegte es das Storchennest vom Dach der alten Scheune.“ An den alten Standort des Storchennestes auf dem maroden Gebäude erinnert heute nichts mehr als ein paar Äste und eine abgerissene Dachplatte. In der Nähe allerdings prangt ein bezugsfertiger Nest-Neubau auf einem acht Meter hohen Pfahl. Es ist das Gemeinschaftswerk der Familien Siegert und Krüger, die mit handwerklichem Geschick das neue Heim für das Dambecker Storchenpaar in den vergangenen Wochen fertig gestellt haben.

Gute Chance für Neubesiedlung

„So lange ich denken kann, war Dambeck ein Storchendorf“, beschreibt die 64-jährige Doris Krüger, die in dem kleinen Ort geboren ist und sich gemeinsam mit ihrem Mann die alte Molkerei zum Wohnhaus ausgebaut hat. „Es wäre schade, wenn das künftig nicht mehr so sein sollte.“ Auch der Storchenbeauftragte des Landkreises, Frank Tetzlaff vom Tierpark Greifswald, kennt die Dambecker Störche von seinen Zählungen. „Ein echtes Traditionspaar, das auch sehr standorttreu war“, sagt der Experte. Doch in diesem Jahr wird Dambeck noch ohne Storch auskommen müssen. „Leider kommt das Nest für eine Brut natürlich viel zu spät“, so Tetzlaff. „Die Störche haben sich vermutlich bereits einen anderen Standort gesucht.“ Doch er macht Hoffnung auf eine Rückkehr des Paares. „Die meisten Störche sind Brutstandorttreu, kommen also wieder zu den Nistplätzen des Vorjahres“, erklärt er. „Es gibt aber auch Ausnahmen, bei denen Tiere regelrecht von Nest zu Nest gezogen sind.“ Ein schönes Beispiel für so ein Verhalten sei eine Störchin aus dem Greifswalder Tierpark. „Die hat im Tierpark gebrütet, ist im nächsten Jahr nach Helmshagen umgezogen, war anschließend zwei Jahre zum Brüten in Hinrichshagen, bevor sie wieder in den Tierpark zurückkehrte“, erinnert sich Tetzlaff. „Aber auch wenn das Dambecker Nest nicht von dem alten Paar besetzt wird, findet sich bestimmt ein Storchenpaar für diesen Standort.“

Dersekower Agrar GmbH stellt Geräte zur Verfügung

Die Idee für den Nest-Neubau kam den Dambecker Familien im Frühjahr. Nachdem sich niemand in der Gemeinde um das abgestürzte Storchennest kümmerte, auch Frank Tetzlaff sagte, er sei darüber nicht informiert worden, nahmen sie das Heft selbst in die Hand: „Wir bauen das jetzt“, beschlossen sie an einem lauschigen Abend auf der Terrasse der Krügers. „Dambeck braucht wieder ein Storchennest!“Tino Siegert ist Schlosser und arbeitet bei der Dersekower Agrar GmbH. Er brachte nicht nur das nötige know-how für den Bau des Nestes mit, das Unternehmen unterstützte das Projekt „Storchennest“ mit den nötigen Gerätschaften. Ein Mast lag noch im Materiallager, die Bohrarbeiten übernahm die Firma Boels, für die Finanzierung konnte schließlich die Untere Naturschutzbehörde gewonnen werden. Das Nest mit einem Durchmesser von knapp 1,30 Metern schweißte Tino Siegert aus Eisen zusammen. Der Boden ist aus einem alten Gitterzaun gefertigt, so kann Regenwasser in jedem Fall ablaufen. Siegerts Kinder Sarah und Peter waren für die Ausstattung des Nestes zuständig und schmückten die Metallkonstruktion mit Weidenzweigen. „Wir dachten, etwas Starthilfe könne nicht schaden“, erzählt Eberhard Krüger. „Alles was bei uns an trockenem Gartenabfall anfiel, haben die Störche früher sofort abtransportiert und für den Nestbau verwendet.“

Gutes Nahrungsangebot ist für das Überleben der Störche wichtig

Die Nester sollten schon etwas mit Nistmaterial bestückt werden, und vor allem stabil sein, bestätigt Tetzlaff. „Das wichtigste für einen Storch ist aber der Lebensraum seiner näheren Umgebung“, so der Wildtierexperte. „Nur wenn er genügend Kleingewässer und Wiesen zur Verfügung hat, in denen er Frösche und Mäuse erbeuten kann, ist er in der Lage, seine Jungen großzuziehen.“ Das gemeinsame Bauwerk wurde mit einer kleinen Party am Fuß des neuen Dambecker Storchennestes gefeiert, es gab Gulaschkanone und Getränke. „Wir wissen schon, dass es in diesem Jahr für eine Brut zu spät ist.“, sagt Eberhard Krüger. „Aber Probesitzen könnte doch mal einer. Wir würden uns sehr freuen.“ Die Storchenpopulation in Vorpommern hat im letzten Jahrzehnt eine dramatische Entwicklung genommen. „Mittlerweile haben wir im Altkreis Greifswald nur noch 31 Storchenpaare“, erzählt Tetzlaff. „Als ich 1997 mit der Beringung begonnen habe, waren es noch über 50.“ Ein Grund liege in den Gefahren der Zugroute, welche die hier beheimateten Störche wählen. „Die führt über den Balkan und Nordafrika. Dort drohen nicht nur klimatische Extremverhältnisse, sondern auch Bejagung.“

Ziebarth Anne Friederike

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