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Greifswald Pfarrwitwenhaus ist komplett saniert
Vorpommern Greifswald Pfarrwitwenhaus ist komplett saniert
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00:05 03.06.2017
„Der Name Pfarrwitwenhaus geht auf ein Gerichtsurteil im 18. Jahrhundert zurück. Gewohnt haben hier meist andere Menschen.Felix Schönrock, Kunsthistoriker

Das Quartier zwischen Bader- und Lutherstraße wird von neuen und alten Gebäuden der Krupp-Stiftung geprägt. Sie sind Zeugnisse des Engagements des seinerzeitigen Kuratoriumsvorsitzenden Berthold Beitz (1913 bis 2013) für Greifswald. Er hat kurz vor seinem Tod für den Erwerb des Pfarrwitwenhauses Ecke Domstraße/Lutherstraße von der Nikolaikirchgemeinde gesorgt. Mit seinen sechs Gästewohnungen ergänzt es jetzt die Arbeit des Kollegs. Die Stiftung hat etwa eineinhalb Millionen Euro investiert.

Das Krupp-Kolleg ließ im 300 Jahre alten Gebäudekomplex moderne Gästewohnungen einrichten

Errichtet wurde das Pfarrwitwenhaus 1727/28 anstelle dreier baufälliger Buden. Richtiger müsste man von einer zweigeschossigen Reihenhausanlage sprechen. Jedes der drei Häuser hatte zwei Wohnungen mit Kammer und Stube. „Statt der üblichen hohen Dielen im Erdgeschoss mit einem niedrigen Stockwerk darüber wurden zwei etwa gleich hohe Etagen angelegt“, informiert der Kunsthistoriker Felix Schönrock. „Der Name Pfarrwitwenhaus geht auf ein Urteil des Wismarer Tribunals, des höchsten Gerichts in den schwedischen Gebieten im Reich, zurück. Es entschied 1749 gegen die Nikolaigemeinde und für ein Wohnrecht der Witwe des Theologieprofessors und Generalsuperintendenten Michael Christian Rusmeyer in einer der Kirchenbuden.“ Sie zog wahrscheinlich in das Haus Domstraße 52. Für alle drei Gebäude wurde die Bezeichnung Pfarrwitwenhaus von St. Nikolai üblich. Meist haben hier aber keine Pfarrwitwen gewohnt. Eine Festlegung von 1802, die Gebäude mit den heutigen Adressen Lutherstraße 11 und 12 als Wohngebäude der Witwen des Archidiakons und Diakons von St. Nikolai zu nutzen, zeigte keine große Wirkung. Wahrscheinlich zog 1958 die letzte Witwe eines Pfarrers hier aus. Christiane Koehler hatte die Adresse Domstraße 52 und war die Witwe Otto Koehlers, der im Dezember 1946 in einem Lager des sowjetischen Geheimdienstes verstarb.

Das Pfarrwitwenhaus hat bei seiner letzten Sanierung die den Greifswaldern lieb gewordene Fachwerkfassade verloren. Die Holzständer sind unter Putz verschwunden. Nach dem Urteil der Experten hatte die erst 1990 erfolgte Freilegung des Fachwerks der Bausubstanz sehr geschadet. Der letzte Außenputz stammte übrigens von 1832.

Das weiche Kiefernholz der Ständer war nach 1990 dem rauen Küstenklima ausgesetzt, Schädlinge hatten leichtes Spiel. Anders gesagt: Die jüngste Sanierung hat nur den ursprünglichen, in Vergessenheit geratenen Zustand, wiederhergestellt. Allerdings nicht ganz. Historisch gesehen präsentierte sich die Reihenhausanlage zwar einfarbig, aber die Fachwerkbalken blieben sichtbar. Das ist vergleichbar mit den kleinen Häusern auf dem Hof des heutigen Soziokulturellen Zentrums St. Spiritus. Holz und Putz hatten die gleiche Farbe. Schönrock schätzt ein, dass das Holz im 18.Jahrhundert bewusst verdeckt wurde. In einer Hansestadt baut man in Stein. Fachwerk ist Geldnot geschuldet. Ein Drittel des Holzes des Pfarrwitwenhauses war so stark geschädigt, dass es ausgetauscht werden musste. Dazu gehörte auch der umlaufende Schwellbalken. Im Dach wurden Gauben aus Aluminium-Verbundplatten eingebaut. Das Innere des Hauses wurde stark verändert, eine Anpassung an moderne Verhältnisse vorgenommen, auch das Dachgeschoss ist nun ein Wohnbereich. Die weiterhin sechs Wohnungen im Gebäude wurden bei der Sanierung durch ein zentrales Treppenhaus ersetzt. In ihnen sind die Wohn- und Arbeitsbereiche getrennt.

Annette Galinski und Eckhard Oberdörfer

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