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Greifswald Vorpommern-Greifswald: Pflegefamilien bekommen ab 2020 mehr Geld
Vorpommern Greifswald Vorpommern-Greifswald: Pflegefamilien bekommen ab 2020 mehr Geld
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17:08 17.04.2019
Ein Paar geht mit einem Kind und einem Kinderwagen durch einen Park. Quelle: dpa
Vorpommern-Greifswald

Das macht sich richtig im Portmonnaie bemerkbar: Pflegeeltern in Vorpommern-Greifswald, die Kindern in schwierigen Situationen zeitweise oder gar dauerhaft ein neues Zuhauses geben, bekommen ab Januar 2020 eine deutlich höhere Vergütung ihrer Leistungen als bislang. Handelt es sich um Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr, liegt die Steigerung des Pflegegeldes zwischen 140 und 219 Euro monatlich – je nach Einstufung des erzieherischen Bedarfs. Die Beträge sind Teil der neuen Richtlinie zur Vollzeitpflege, die der Kreistag auf seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen hat. Aktuell gibt es im Landkreis 260 Pflegefamilien, die etwa 330 Kinder betreuen. Das jüngste ist nur wenige Monate alt, die meisten befinden sich im Kindergarten-und Grundschulalter. Andere stehen kurz vor der Volljährigkeit.

„Die Erhöhung der Pflegesätze tut auch mal bitter not“, sagt Angelika Pape aus Konsages in der Gemeinde Groß Polzin und freut sich sehr über die Aussichten. Gemeinsam mit ihrem Mann umsorgt sie seit mehreren Jahren drei Pflegekinder, darunter den neunjährigen Max. „Aufgrund seiner Mehrfachbehinderung ist das für uns ein 24-Stunden-Job“, verdeutlicht die 53-Jährige. Sie tue es gern und mit viel Liebe. Auch den beiden Mädchen – Geschwister im Alter von neun und zehn Jahren mit einem Pflegegrad – solle es an nichts fehlen. „Allerdings müssen wir beim Kreis um jeden Cent für die Kinder betteln, ständig Anträge für irgendwelche Beihilfen schreiben. Und dann wird das noch abgelehnt, wie jüngst für eine neue Brille. Da musste ich erst auf die Barrikaden gehen, damit es klappt“, erzählt Angelika Pape frustriert.

Mit der neuen Richtlinie, versichert Kreissozialdezernent Dirk Scheer, soll sich ab 2020 einiges verbessern. Nachdem Pflegeeltern in der Vergangenheit mehrfach beklagten, dass die Geldleistungen nicht auskömmlich seien, habe der Landkreis gemeinsam mit ihnen im vorigen Jahr erarbeitet, was konkret verändert werden müsse. „Ihre Arbeit kann man gar nicht hoch genug wertschätzen. Deshalb wollten wir, dass sie zum einen höhere Pflegesätze bekommen, zum anderen sollten aber auch die Antragsverfahren für Beihilfen entbürokratisiert werden“, sagt Scheer.

Sylvia Vierling, stellvertretende Jugendamtsleiterin, räumt ein, dass Pflegeeltern mit der noch geltenden Richtlinie häufig sehr viele Anträge stellen müssen. „Ziel war, das zu vereinfachen. Ein Beispiel dafür sind die Urlaubs- und Ferienfahrten. Muss bislang ein Antrag auf Unterstützung gestellt werden, fällt der künftig weg. Die Eltern müssen nur noch Nachweise dafür erbringen“, sagt sie. Auch Familien, die sich für eine Bereitschaftspflege zur Verfügung stellen, würden finanziell wesentlich besser gestellt, bekämen ohne Antragstellung von Anfang an mehr finanzielle Hilfe. „Neu ist außerdem, dass Pflegeeltern für Tagesausflüge 20 Euro pro Kind erhalten – und zwar ohne Antrag“, nennt Vierling ein weiteres Beispiel, das auf einen Vorschlag der Betroffenen zurückgeht.

Positiv für Angelika Pape, die aufgrund der körperlichen Verfassung ihres Pflegesohnes Max keine Urlaubsreisen mit den Kindern unternehmen kann. „Der Aufwand wäre viel zu groß, wir brauchten jedes Mal ein Pflegebett am Ferienort. Also gibt’s nur Tagesausflüge. Die aber wurden bislang nicht unterstützt“, ärgert sie sich.

Für Jugendhilfeausschussvorsitzende Yvonne Görs (Linke) ist der einstimmig gefasste Kreistagsbeschluss deshalb sehr wichtig: „Endlich bekommen die Pflegeeltern mehr Wertschätzung“, sagt sie. Sie freue sich, dass die Erarbeitung des Dokuments mit allen Beteiligten so zügig und unkompliziert verlaufen sei. „Außerdem hoffe ich, dass sich jetzt noch mehr Menschen bereiterklären, ein Pflegekind aufzunehmen.“

Mit der novellierten Richtlinie werden die Pflegeeltern übrigens nicht nur besser gestellt – der Nordosten holt auch kräftig auf: Im Vergleich zu anderen Kreisen und kreisfreien Städten in MV belegt unser Landkreis derzeit noch den vorletzten Platz. Nur die Hansestadt Rostock behandelt ihre Pflegefamilien noch stiefmütterlicher. Eltern bekommen dort für ein Kind bis zum sechsten Lebensjahr mit einem „einfachen erzieherischen Pflegebedarf“ pro Monat 568 Euro, in Vorpommern-Greifswald sind es aktuell 584 Euro (und künftig 724 Euro), in der Mecklenburgischen Seenplatte hingegen 753 Euro und in Ludwigslust-Parchim 762 Euro. Die Sätze erhöhen sich je nach Alter des Kindes und dem erzieherischen Bedarf, der individuell festgestellt wird. So beträgt das Pflegegeld für Zwölf- bis 18-Jährige mit dem höchsten erzieherischen Bedarf derzeit in Vorpommern-Greifswald 1418 Euro, in Nordwestmecklenburg sind es sogar über 1600 Euro.

Kosten, die immer noch unter denen einer stationären Unterbringung in Wohngruppen liegen. „Im Durchschnitt kostet die Unterbringung eines Kindes in einer Pflegefamilie ein Drittel von dem, was ein stationärer Platz kostet“, sagt Sylvia Vierling. Im laufenden Haushaltsjahr zahlt der Landkreis 3,2 Millionen Euro an die Pflegefamilien, mit der Erhöhung der Pflegesätze sind es im nächsten Jahr gut 3.9 Millionen Euro. Zudem werde es eine jährliche Dynamisierung um 1,5 Prozent geben.

Petra Hase

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