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Pflegeheime: Resistente Keime verursachen hohe Kosten

Pflegeheime: Resistente Keime verursachen hohe Kosten

Greifswalder Forscher haben errechnet: Pro Fall kommen fast 12 500 Euro zusammen

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Resistente Keime: 12 500 Euro Kosten für Pflegeheime

In Pflegeheimen ist der Kontakt zwischen dem Personal und den Bewohnern sehr nah. Die Pfleger müssen deshalb Schutzmaßnahmen beachten.

Quelle: Dpa (symbolfoto)

Greifswald. Multiresistente Erreger (MRE) sind nur ein Thema für Krankenhäuser? Weit gefehlt. Auch in Pflegeeinrichtungen für Senioren treten die widerstandsfähigen Bakterien auf. In welchem Umfang und welche Kosten dadurch verursacht werden können, hat nun ein Team von Greifswalder Wissenschaftlern untersucht. Ihr Ergebnis: Pro Fall werden im Durchschnitt 12500

Euro fällig. Addiert werden dabei nicht nur Arbeitsmaterialien zum Schutz, sondern auch die verwendete Arbeitszeit, da infizierte Personen spezielle Behandlungen benötigen. MRE sind oft zwar nicht aggressiver als die ursprünglichen Bakterienstämme. Trotzdem sind sie gefährlich, weil sie widerstandsfähig sind und im Falle einer Infektion viele Medikamente, zum Beispiel Antibiotika, wirkungslos sind.

Spanne reicht bis 150 000 Euro

Claudia Huebner, Marcus Roggelin und Steffen Flessa vom Institut für Health Care Management der Ernst-Moritz-Arndt-Universität hatten drei Jahre lang sechs Einrichtungen unter die Lupe genommen (siehe Infotext). Der durchschnittliche Wert, den sie errechneten, lässt die Spanne der Kosten in den Hintergrund treten. Den günstigsten Fall, den sie untersuchten, bezifferten sie mit knapp 2500 Euro pro Jahr, der teuerste verursachte Kosten von mehr als 150000 Euro.

„Wenn man von einer monatlichen Kostenerstattung von 2500 Euro pro Bett und damit von Jahreseinnahmen zwischen 2,1 und 3,6 Millionen Euro pro Pflegeheim ausgeht, liegt der Anteil, der für MRE-Fälle aufgewendet werden musste, zwar nur im einstelligen Prozentbereich“, heißt es dazu in der „Ärztezeitung“. Über die drei Beobachtungsjahre habe sich dieser Anteil jedoch verdoppelt (von 1,15 auf 2,30 Prozent).

Die errechnete Kostenhöhe können Greifswalder Seniorenpflegeeinrichtungen zwar nicht bestätigen, da hier die Mehraufwendungen nicht detailliert aufgeschlüsselt werden. Trotzdem wird die Summe als realistisch eingeschätzt — und hingenommen? Den Einrichtungen bleibt gar nichts anderes übrig.

Betroffene kommen aus der Klinik

„Jedes Haus hat seine Hygienestandards. Die Mitarbeiter werden regelmäßig geschult“, sagt beispielsweise Gudrun Drengk, Pflegedienstleiterin beim Altenhilfezentrum „Paul Gerhardt“, das zur Odebrecht-Stiftung gehört. Das Haus hat 160 Plätze. Zwei bis drei Fälle würden pro Jahr auftreten. Die Betroffenen hätten sich stets vorher im Krankenhaus aufgehalten. „Wenn wir die Info von der Klinik bekommen, dann haben wir zwei Wege. Zum einen müssen wir die Ausbreitung verhindern. Das heißt für die Mitarbeiter, dass sie mehr Schutzkleidung tragen und Desinfektionsmittel verwenden müssen“, so Drengk, die seit 20 Jahren in dem Bereich arbeitet. „Zum anderen stellt sich die Frage der Sanierung, also ob der Keim erfolgreich bekämpft werden kann.“ Auch dies sei für das Personal mit Aufwand verbunden. Als saniert gilt ein Patient, wenn in drei aufeinanderfolgenden Tests der Keim nicht mehr nachgewiesen wird.

Auch im 2014 eröffneten Kehrvita-Seniorenzentrum „Boddensegler“ mit 119 Betten traten Fälle bislang nur auf, wenn Bewohner aus dem Krankenhaus zurückkamen. „Einmal im Jahr gibt es eine Fortbildung.

Wir halten uns an die Hygienerichtlinien, Beratung und Aufklärung, Merkblätter“, zählt Pflegedienstleiterin Ute Reichelt auf. „Wir haben die Situation gut im Griff.“ Da die Infektionen zahlenmäßig keinen großen Stellenwert hätten, würden dort auch die Kosten dafür nicht extra erfasst.

So wurde gerechnet

3Jahre lang haben die Greifswalder Forscher sechs Pflegeeinrichtungen untersucht. Im Durchschnitt hatten die Häuser rund 95 Betten.

71 Fälle , bei denen Heimbewohner multiresistente Erreger in sich trugen, wurden registriert. Also im Mittel fast vier pro Heim und Jahr.

163 Tage dauerte ein Fall im Durchschnitt. Auf diesen Zeitraum wurden zusätzliche Kosten für Material und Personal errechnet. Generell verursachte ein Fall Fixkosten von rund 234 Euro, zum Beispiel für medizinische Geräte. Hinzu kommen etwa 76 Euro am Tag für Isoliermaterial und Schutzkleidung sowie die Arbeitszeit für das Anlegen ebendieser.

Von Kai Lachmann

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