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Greifswald Pilzforscher Hanns Kreisel verstorben
Vorpommern Greifswald Pilzforscher Hanns Kreisel verstorben
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00:00 08.02.2017
Hanns Kreisel mit dem 7300 Jahre alten Zunderschwamm. Quelle: Foto: Ja

In der DDR hatte wohl jeder Pilzsammler „einen Kreisel“ im Bücherschrank. Das von ihm herausgegebene „Taschenbuch für Pilzkunde“ erschien 1987 bereits in der zehnten Auflage.

Hanns Kreisel mit dem 7300 Jahre alten Zunderschwamm. Quelle: Foto: Ja

Der 1931 in Leipzig geborene Hanns Kreisel war aber nicht nur ein erfolgreicher Autor von über 20 Büchern, er war auch ein Greifswalder Wissenschaftler von internationalem Rang. Am 27. Januar ist Hanns Kreisel verstorben.

„Er war gemeinsam mit den Professoren Andreas Bresinsky und Franz Oberwinkler einer der drei großen deutschen Mykologen“, sagt sein früherer Kollege Professor Frieder Schauer. Hanns Kreisel hat als Ruheständler noch an Schauers großem Forschungsprojekt zum Pilzbefall von Rohrdächern mitgewirkt. „2016 konnte ich ihm noch eine letzte Publikation zeigen“, erzählt Frieder Schauer. Schon 75-jährig bestimmte Kreisel 2008 den ältesten jemals gefundenen fossilen Pilz, einen 7300 Jahre alten echten Zunderschwamm. Er wurde beim Bau des Ozeaneums in Stralsund entdeckt.

Der Absolvent der berühmten Leipziger Thomasschule kam 1951 nach Greifswald und studierte erst Geologie, ehe er zur Biologie wechseln konnte. Das war dank seiner ausgezeichneten Kenntnisse in der Botanik möglich, so Leberecht Jeschke in seiner Laudatio für Kreisel zum 80. Geburtstag. Botanikprofessor Heinrich Borriss übertrug dem Studenten sogar die Inventur der Gewächshäuser. Beim Studium lernte er übrigens die Geologiestudentin Karla Hahn, seine spätere Frau, kennen.

1953 sollte Kreisel erster Sekretär des nach Jean Baptiste de Lamarck benannten ersten FDJ-Studentenzirkels der DDR werden. Diese Gründung des im gleichen Jahr nach Greifswald berufenen Werner Rothmaler existiert bis heute – seit über zwei Jahrzehnten nun auch ohne FDJ. Der Zirkel ist eine gesellige Runde. Seit über 60 Jahren werden regelmäßig Lieder aus einem eigenen Liederbuch gesungen.

Das war in der DDR nicht Normalität. Weil SED und FDJ Kreisel nicht als Zirkelsekretär wollten, übernahm Leberecht Jeschke diese Funktion. Hanns Kreisel hat trotzdem den Zirkel entscheidend mitgeprägt und war viele Jahre wissenschaftlicher Leiter.

Einen Lehrstuhl, den für allgemeine und spezielle Botanik, bekam Kreisel erst 1992. In der DDR war er seit 1977 außerordentlicher Professor. Kurz vor seinem 80. Geburtstag erschien von ihm dann ein weiteres umfangreiches Werk, die „Pilze von Mecklenburg-Vorpommern.“

Hanns Kreisel sprach sehr gut Spanisch. Er wirkte 1968 bis 1971 als Gastprofessor in Havanna und hat an der dortigen Universität die Botaniklehre mit aufgebaut. eob

OZ

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