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Greifswald Plädoyer für Sibylla Schwarz im Fallada-Haus
Vorpommern Greifswald Plädoyer für Sibylla Schwarz im Fallada-Haus
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00:01 30.04.2016

Nein, es ist kein Sensationsfund aus dem 17. Jahrhundert, was da vorgestern in Greifswalds Fallada-Haus erklang — quasi Barockes aber schon!

Dr. Peter Tenhaef, stilkundiger Musikwissenschaftler und Komponist aus Neigung zum augenzwinkernden „Setzen von Tönen“ — gern auch mal nach mathematisch fundierten Systemen —, hat der Versuchung nicht widerstehen können, Gedichten der Greifswalderin Sibylla Schwarz (1621-1638) stilgerecht „barocke“ Kleidung anzumessen. Nicht zum ersten Male, aber nun gebündelt und mit Auszügen aus Schwarz‘

Schäfererzählung „Faunus“ gekoppelt, war das Ergebnis am Donnerstagabend im Zusammenhang mit der erneuten Präsentation der Sibylla Schwarz-Ausstellung (Monika Schneikart/Andrea Werner) zu erleben.

Im rappelvollen und ausgesprochen beifallsfreudigen Saal musizierte das Ensemble „Amaltea“ also Textvertonungen der besonderen Art insofern, als Tenhaef den barocken Grundmustern etwa des Strophenliedes folgte und auch der Affekthaftigkeit des Zeitgeistes Tribut zollte, die Grenzen des Stils aber nicht zu eng zog. Für die Texte selbst fand er je nach Ausdrucksbereich durchaus so adäquate wie variable Vertonungen, denen man im Saal mit offensichtlich unvoreingenommenem Einverständnis lauschte, für den Kenner gewürzt mit mancher humorvollen stilistischen „Entgleisung“. Kein Zweifel, Sibylla Schwarz‘ vorwiegend gefühlvoll-poetische, aber auch handfest-lebensfrohe Texte vertragen solcherart Transformation in das Medium eines fast volkstümlichen Strophenliedes, auch im Nachhinein. Allerdings wären Textvorlagen für das Publikum gut gewesen, auch wenn es Mechthild Kornow (Sopran) und Markus Gärtner (Tenor) an hier notwendiger stimmlicher Geradlinigkeit und Textverständlichkeit nicht mangeln ließen.

Die instrumentale, meist im stilgerechten Wechsel von Generalbassbegleitung und Ritornellen (Flöten) agierende Besetzung von zwei Blockflöten, Cembalo, Laute und Gambe — in der zugegebenermaßen heiklen Intonation nicht immer optimal — passte natürlich auch. Pluspunkte also für Sibylla Schwarz und „Amaltea“.

Von Ekkehard Ochs

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