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Greifswald Plasma-Pioniere planen großen Durchbruch
Vorpommern Greifswald Plasma-Pioniere planen großen Durchbruch
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00:05 31.03.2016
Coldplasmatech hat sich aus dem Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie ausgegrünet. Mitarbeiter Stephan Krafcyk schaut sich eine der entwickelten Auflagen näher an. Aktuell ist er auf der Suche nach einem Hersteller für die Serienproduktion. Quelle: Fotos: Manuela Glawe, Thiolo Schoch

Wenn Carsten Mahrenholz über seine Firma Coldplasmatech spricht, ist er kaum zu bremsen. Kein Wunder. Das Greifswalder Unternehmen ist nicht mal ein Jahr alt und hat noch kein einziges zugelassenes Produkt geschweige denn etwas verkauft, trotzdem wurde es bereits mit zahlreichen Preisen überhäuft und nun auch mit einer sechsstelligen Summe des privaten Investors Alfred Möckel. Er wird als „Business Angel“ bezeichnet, hat selbst Firmen gegründet, groß gezogen und verkauft. Nun hilft er anderen Start-Ups, von denen er sich viel verspricht. Der Kontakt sei auf Empfehlung des Wirtschaftsministeriums zustande gekommen, berichtet Mahrenholz.

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Eine Auflage zur Wundheilung könnte Millionen Menschen helfen — Zulassung wahrscheinlich im Sommer

Doch warum bekommt Coldplasmatech all diese Vorschusslorbeeren? Das, worum es geht, sieht erstmal eher seltsam aus. Ein Laie würde wohl sagen: Dünne Leuchtplättchen in wabbeligem Silikon mit einem Kabel dran, das in eine Metallbox gehört. Der Experte Mahrenholz hingegen nennt das Gerät „Plasma-Patch“ und erklärt, dass dies eine Auflage für chronische Wunden ist. Aufgelegt und eingestöpselt entsteht zwischen dem „Patch“ und der offenen Stelle kaltes Plasma, das zur Zellteilung anregt. „Man drückt auf einen Knopf und das war‘s. Dann werden die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert“, sagt der 36-Jährige und man merkt, dass er selbst davon fasziniert ist, wie einfach die wenige Minuten dauernde Behandlung ablaufen soll. Je nachdem, wie groß und tief die Wunde ist, heilt sie nach einigen Wiederholungen zu.

Der Markt für dieses Wundergerät ist riesig. 4,2 Millionen Personen würden unter chronischen Wunden leiden, zum Beispiel Diabetiker an offenen Füßen, sagt Mahrenholz. Vier Millionen Operationen gebe es wegen solcher Wunden — pro Jahr. Ebenso 30000 Amputationen. 800000 Personen hätten mit wund gelegenen Stellen zu tun. Behandlungskosten insgesamt: sechs Milliarden Euro. „Und ich rede hier nur von Deutschland“, sagt der Firmenchef.

Er ist ebenso wie seine Kollegen René Bussiahn, Stephan Krafczyk, Tobias Güra und Axel Kühle überzeugt, dass diese Zahlen bald der Vergangenheit angehören. Denn ein „Patch“ soll erschwinglich sein.

„Unser Ziel ist es nicht, einen großen Reibach zu machen, sondern Patienten zu helfen“, sagt Mahrenholz. Dafür fehlt bislang noch die Zulassung. Die Greifswalder rechnen damit, dass sie im Sommer kommt — und bereiten sich schon mal auf eine sehr große Nachfrage vor. Der finanzielle Zuschuss wird auch dafür benötigt, die „Patches“ in Serie herstellen zu lassen. Dafür wird noch ein geeigneter Produzent gesucht. Parallel laufen Gespräche mit den Krankenkassen.

Mahrenholz ist überzeugt, dass der „Patch“ der Plasma-Technologie zum Durchbruch in der medizinischen Behandlung verhilft. „Wir haben von Ärzten, Patienten und anderen Plasma-Produkten gelernt“, sagt er. So würde beispielsweise kein Edelgas benötigt, Raumluftbedingungen reichten aus. Im Vergleich zu einem Plasma-Stift gehe die Anwendung auch wesentlich schneller und großflächiger. „Es ist wie bei den Computern. Die ersten waren große, klobige Maschinen. Unser Produkt ist schon wie ein Laptop.“

Der Heilungsvorgang mit dem „Plasma-Patch“

Die Abbildung zeigt die Abfolge des Heilungsprozesses.

1 Das Plasma kann die verletzte, mit Bakterien und möglicherweise mit Keimen befallene Oberfläche der Wunde dekontaminieren.

2 Zwischen der Wunde und dem Silikon bildet sich im Gasraum das Plasma aus, eine ionisierte Gasschicht.

3 Die ionisierten Gasschichten dringen bis zum Grund der Wunde vor. Der natürliche Heilungsprozess wird durch das aktivierte Gas befördert und vom Grund der Wunde sowie vom Rand aus (4) initiiert.

Quelle:

Wacker Chemie Coorperate Magazin,

Coldplasmatech GmbH

Von Kai Lachmann

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