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Applaus drinnen, Protestrufe draußen

Greifswald Applaus drinnen, Protestrufe draußen

Knapp 100 Gäste kamen zur AfD-Veranstaltung in der „Klosterschenke“ / Etwa 35 waren bei der Gegendemo

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Applaus für den Vortrag von AfD-Bundesvorstand Konrad Adam. Unter den etwa 90 Gästen waren 15 Frauen.

Greifswald. Als Wolfgang Jochens (CDU) seine Gaststätte „Klosterschenke“ am Montagabend für die Veranstaltung der AfD öffnet, sind alle Spuren des Anschlages auf sein Haus längst beseitigt. In der Nacht zu Montag hatte ein Unbekannter vier Scheiben zerstört und „No AfD“ an die Fassade gesprüht.

 

OZ-Bild

Die etablierten Parteien müssen sich endlich mit der AfD auseinandersetzen.“Eric Wallis, Leiter Demokratiezentrum

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Von einem „feigen Anschlag“ spricht Nikolaus Kramer (38), der für die AfD in der Greifswalder Bürgerschaft sitzt und unter den knapp 100 Gästen sogleich um Spenden für die Reparatur der Schäden bittet. Knapp 400 Euro kommen zusammen. „Wer mit den Ideen der AfD öffentlich sympathisiert, muss Mut haben“, sagt AfD-Kreistagsmitglied Gunter Jess, dessen Haus ebenfalls angegriffen wurde. In der Nacht zu Sonntag sei ein Backstein zwei Mal gegen ein Fenster geworfen worden. Falls die Schäden in der „Klosterschenke“ von der Versicherung übernommen werden, kommt das gespendete Geld der Reparatur der Schäden am Jess-Haus zugute. Andernfalls wird der Betrag geteilt. „Man brauchte in allen Zeiten Mut, wenn man nicht mit dem Mainstream mitläuft“, sagt Jess und erntet riesigen Applaus.

Hauptredner an diesem Abend ist Konrad Adam, Mitglied des AfD-Bundesvorstandes.

Einen kleinen Eklat gibt es bereits vor Beginn der Veranstaltung. Die beiden AfD-Türsteher verwehren Eric Wallis, Leiter des Zentrums für demokratische Kultur Vorpommern-Greifswald, den Zutritt. Das Zentrum kämpfe gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, wie Wallis betont. „Ich möchte mir ein eigenes Bild machen.“ Den Türsteher beeindruckt das wenig: „Das ist hier wie in einem guten Club. Man guckt sich die Leute an und entscheidet, wer reinkommt.“ Wenig später darf Wallis doch eintreten. Dafür sorgt Nikolaus Kramer und entschuldigt sich öffentlich: „Das ging nicht gegen Sie persönlich, Herr Dr. Wallis.“

„Sachbeschädigung ist legitim, um seine Meinung zu äußern.“

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite protestieren derweil etwa 35 Mitglieder vom Bündnis „Greifswald für alle“ gegen die Veranstaltung. Sie lehnen die rechtspopulistische Partei ab, weil diese fremdenfeindlich, islamfeindlich, homophob und diskriminierend sei. „Wenn man jedem Knallkopf eine Waffe in die Hand gibt und Menschen Asyl verweigert, ist das nicht demokratisch“, sagt ein junger Mann mit Sonnenbrille, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Zu den Demonstranten gehört auch Nicole Schramm (24). Sie bezeichnet den Angriff auf die „Klosterschenke“ als „legitim“. „Man muss zwischen Gewalt gegen Personen und Sachbeschädigung unterscheiden“, sagt die Studentin und fordert auf, in die deutsche Geschichte zu blicken. „Währet den Anfängen, es wird schlimmer werden.“

Bündnissprecher und Kreistagsmitglied Gregor Kochhan (Alternative Liste) hatte die Angriffe auf die Häuser von Jochens und Jess zuvor bereits scharf kritisiert und betont, dass das Bündnis Gewalt ablehne.

Anne Wolf trägt übers Mikro Teile aus dem Wahlprogramm der AfD vor. Sie erzählt, dass die AfD Abtreibungen einschränken oder verbieten will, dass privater Waffenbesitz erleichtert werden und das Alter für Strafmündigkeit auf zwölf Jahre herabgesetzt werden soll.

Juraprofessor fordert enge Grenzen für Toleranz

„Toleranz muss enge Grenzen haben“ und „deutsches Geld für deutsche Bürger“ fordert wenig später Ralph Weber (55) während der Veranstaltung. Der Juraprofessor an der Uni Greifswald kandidiert als Direktkandidat der AfD für den Landtag im Wahlkreis 30. Der umfasst die Ämter Lubmin und Am Peenestrom sowie die Insel Usedom. „Die jungen Schnösel da draußen wissen gar nicht, dass es um ihre Zukunft geht“, so Weber.

Nikolaus Kramer will ebenfalls in den Landtag. Er ist der AfD-Direktkandidat in Greifswald. Als Polizeibeamter ist innere Sicherheit sein Spezialthema. Kramer schießt sogleich gegen Innenminister Lorenz Caffier (CDU): „Grenzkriminalität wird mantramäßig geleugnet.“

Kramer, Jess, Weber und allen voran AfD-Bundesvorstand Konrad Adam – sie ernten begeisterten Applaus. Endlich werden die Probleme mal angesprochen, sagt ein 56-jähriger Mann aus dem Landkreis. Namen oder Wohnort wolle er nicht verraten, weil er Angst um seinen Job habe. „Man wird schon schräg angeguckt, wenn man den Begriff Vaterland benutzt“, ärgert sich der Mann. „Wir befinden uns mit fünf Ländern im Krieg“, kritisiert er. Ein anderer ergänzt: „Die von der Leyen läuft jedem Scheißkrieg hinterher. 1000 Bundeswehrsoldaten sind im Baltikum. Was machen die da? Das ist krank.“ Die Bundeskanzlerin regiere am Volk vorbei.

Und was sagt der Leiter des Zentrums für demokratische Kultur nach zwei Stunden AfD-Wahlkampf live? „Die etablierten Parteien müssen sich endlich mit der AfD auseinandersetzen.“ Ein bislang verdeckter Rassismus werde in der Gesellschaft sichtbar. „Das kann auch eine Chance sein“, kommentiert Eric Wallis. „Die AfD arbeitet mit klaren Feindbildern. Das Eigene ist gut, das Fremde schlecht und der Islam Schuld an allen Problemen der Gesellschaft.“ Lösungen zeige die Partei bislang nicht auf.

Aus der Rede von Konrad Adam

Konrad Adam , Mitglied des AfD-Bundesvorstandes, war bis 2000 Feuilletonredakteur der FAZ und bis 2007 Chefkorrespondent der Welt in Berlin. In Greifswald sprach er über die politische Lage Deutschlands:

„Wir werden niemanden willkommen heißen, der sich den Behörden widersetzt, der seinen Pass wegwirft, der religionskonforme Mahlzeiten fordert. Das Gastland setzt die Regeln, nicht die Gäste. “

„Wir wollen Demokratie durch Volksbegehren ergänzen, nicht ersetzen. Die Regierung ist dem Volk verantwortlich, nicht Lobbyisten. Wir nehmen die Verfassung ernst. Die Gewalt geht vom Volke aus.“

„Jeder soll leben wie er will, er muss aber auch bereit sein, dafür die Folgen zu tragen. Immer mehr Menschen entscheiden sich dafür, keine Kinder zu bekommen. In unserer Gesellschaft wird Kinderlosigkeit subventioniert und Familien werden zerstört. Das ist eine Selbstmordstrategie.“

„Eine deutsche Rentnerin steht schlechter da als ein Einwanderer mit einer größeren Familie.“

Katharina Degrassi

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