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Arndt-Streit: Senat plant Forum in der Universität

Greifswald Arndt-Streit: Senat plant Forum in der Universität

Veranstaltung zu Beginn des Sommersemesters / Termin steht noch nicht

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Mehrere Mal hatten Greifswalder für den Erhalt des Namens Ernst-Moritz-Arndt-Universität demonstriert. Der breite Protest hat den Senat der Uni veranlasst, in einen offenen Dialog mit den Bürgern zu treten. In Kürze soll ein Forum stattfinden.

Quelle: Foto: Stefan Sauer/dpa

Greifswald. Annäherung in Meilenstiefeln: Der Senat der Universität Greifswald veranstaltet demnächst ein öffentliches Forum zu Ernst Moritz Arndt (1769-1860) und erfüllt damit eine Forderung zahlreicher Kritiker im Streit um den Universitäts-Namen. Auch in einer Telefon- und Onlineumfrage der OSTSEE-ZEITUNG hatten sich 68,5 Prozent der Teilnehmer eine breite Debatte gewünscht, an der Personen ohne Hochschulbezug teilnehmen können.

 

OZ-Bild

Die interessierte Öffentlichkeit ist bereits jetzt herzlich eingeladen.Maria-Theresia Schafmeister, Vorsitzende des Uni-Senats

Maria-Theresia Schafmeister, Vorsitzende des Akademischen Senats kündigt an: „Der Senat der Universität wird voraussichtlich im frühen Sommersemester zu einem Forum in die Universität einladen, auf dem die unterschiedlichen Standpunkte zur Namensgebung der Universität ausgetauscht sowie auch das Verfahren dazu verdeutlicht werden soll.“ Die Veranstaltung sei ausdrücklich nicht nur für Angehörige der Hochschule gedacht, sondern für „die interessierte Öffentlichkeit“, wie Schafmeister betont.

Die Senatsmitglieder der Universität mussten in den vergangenen Wochen und Monaten viel Kritik einstecken, weil sie seit Juni 2016 weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit darüber diskutiert hatten, den Namen Ernst Moritz Arndt aus dem Titel der Hochschule zu streichen. Während des Prozesses hatte es lediglich eine Veranstaltung zum Namen gegeben (11. Januar). Zu dieser waren nur Hochschulangehörige zugelassen. Am 18. Januar hatten sich schließlich 24 der 36 Mitglieder für eine Streichung des Namens ausgesprochen. Daraufhin war ein Proteststurm in der Bevölkerung entbrannt.

Wochen später hatte das Bildungsministerium wegen Formfehlern den Beschluss zur Umbenennung der Uni gekippt (7. März). Der Senat hatte anschließend bekräftigt, erneut über Ernst Moritz Arndt als Patron abstimmen zu lassen. Grund seien die seit Jahren immer wieder aufflammenden Diskussionen darüber, ob der Name für eine weltoffene Universität geeignet ist. Der Historiker und Schriftsteller ist wegen rassistischer und antisemitischer Äußerungen umstritten. Er lehrte an den Universitäten Greifswald und Bonn, war Mitglied des ersten Paulskirchenparlaments, setzte sich für die Abschaffung der Leibeigenschaft ein.

Die öffentliche Empörung hatte bei Hochschulleitung und Senat für Unmut gesorgt, weil die Festlegung des Hochschulnamens Sache der Uni ist. „Gemäß Landeshochschulgesetz M-V gehört es zu den ureigenen Aufgaben des Senats einer Universität, in dieser Frage autonom zu entscheiden“, betont der Senat in einer Stellungnahme. Diese ist während der Märzsitzung einstimmig verabschiedet worden. Weiter heißt es darin, dass der Senat die kritischen Äußerungen der Bürgerinnen und Bürger respektiere. „Der Senat legt darum großen Wert darauf, im gemeinsamen Interesse für das Wohl von Stadt und Land mit Bürgerschaft und Öffentlichkeit zu einem respektvollen und offenen Dialog zu kommen und wird zu diesem Zweck mit der Bürgerschaft Gespräche führen.“

Die Bürgerschaftsmitglieder begrüßen ein solches Forum. Konsens ist zudem, dass es einen runden Tisch geben soll. Auch dieser war in den vergangenen Wochen von verschiedenen Seiten gefordert worden.

Diskussionsschwerpunkte sollen die Ausrichtung einer gemeinsamen Ausstellung von Uni und Stadt zum Wirken von Ernst Moritz Arndt sein sowie die Organisation einer wissenschaftlichen Tagung. „Ich denke, dass Ausstellungen ein geeigneter Weg sein können, sich mit Themen oder Personen in Gänze zu beschäftigen“, sagt Alexander Krüger, der Vorsitzende der Fraktion Grüne/Forum 17.4. Sie bringe Befürworter als auch Kritiker zusammen. Die Fraktionen Linke, SPD und Grüne/Forum 17.4 haben einen entsprechenden Antrag vorbereitet.

Ursprünglich hatte die CDU eine Beschlussvorlage erarbeitet, in der Forum, Ausstellung und Tagung keine Rolle spielen. Im überarbeiteten Antrag, der von Bürgerliste, Kompetenz für Vorpommern und Peter Multhauf (Linke) unterstützt wird, wurden diese Aspekte aufgenommen. Im Unterschied zum Antrag des linken Bündnisses heißt es weiter, dass sich die Bürgerschaft zum Patron Ernst Moritz Arndt bekennt und sich eine Beibehaltung des Namens wünscht.

Beschluss der Bürgerschaft zu Arndt: 3. April, 18 Uhr, Rathaus

Katharina Degrassi

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