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Greifswald „Brinke 16/17“: Ist dieser Abriss rechtswidrig?
Vorpommern Greifswald „Brinke 16/17“: Ist dieser Abriss rechtswidrig?
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00:00 03.02.2015
Greifswald

Hubert Ende hatte gestern Morgen gerade erst die Schlüssel für seinen Bioladen „Sonnenmichel“ abgegeben, da kam auch schon der Abrissbagger, und rammte die Schaufel in die leeren Geschäftsräume. Mauerwerk brach in sich zusammen, Schaufenster klirrten, Dachziegel fielen zu Boden. Unerbittlich grub sich der Bagger durchs Haus.

Am Nachmittag ist davon nur noch ein kleiner Teil der Fassade und die Wand zum Nachbarhaus übrig. „Da muss noch ein Statiker ran, bevor wir weitermachen können“, sagte einer der Mitarbeiter des Demminer Bauunternehmens Roman Schmidt. Dieser hatte das Gebäude gekauft, um es abzureißen und an selber Stelle ein Mehrfamilienhaus zu errichten. Die Bürgerinitiative „Brinke 16/17 erhalten“

gründete sich und versuchte fortan, Schmidts Pläne zu verhindern und das mehr als 150 Jahre alte Haus zu erhalten. Zudem hatten Hausbesetzer im vergangenen Herbst über mehrere Wochen in dem Gebäude ausgeharrt. Ende November 2014 rückte die Polizei zur Räumung an und nahm die Besetzer in Gewahrsam. Kaum eine Stunde verging, da begann auch schon der Abriss der hinteren Gebäudeteile.

Dass dies alles mit rechten Dingen zuging, daran zweifelt der Berliner Anwalt Tim Stähle, spezialisiert auf Umweltrecht. Im Namen seines Mandanten, einem Bewohner aus dem Haus nebenan, schickte er in der vergangenen Woche an das städtische Bauamt und die Untere Denkmalschutzbehörde sowie die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Briefe mit dem Vermerk „Eilt“. Darin beantragte er ein Einschreiten der Behörden gegen den zu dem Zeitpunkt noch drohenden Abriss des Vorderhaus. Dieser sei rechtswidrig.

Stähles Begründung ist vielfältig: Beim Abriss im November sei auf die Nachbarn keine Rücksicht genommen worden. Wegen Staubbelastung hätten einige Augenschmerzen, Atemwegsbeschwerden und Halsschmerzen erlitten. Der Schutt, der seitdem nicht abtransportiert wurde, sei immer noch nicht auf Asbest untersucht worden. Stähle argumentiert außerdem ausführlich, warum das Haus unter Denkmalschutz stehen sollte und legt dar, dass in der „Brinke“ der unter Artenschutz stehende Hausrotschwanz sowie die streng geschützte Zwergfledermaus ansässig geworden sind.

Seitens der Stadt hätten sich durch das Schreiben aber „keine Anhaltspunkte ergeben, ordnungsrechtlich einzuschreiten“, lässt Bausenator Jörg Hochheim (CDU) mitteilen.

Im Dienste des Landkreises hingegen prüften mehrere Fachleute, auch von externen Gutachtern, die Situation im Gebäude unter artenschutzrechtlichen Gesichtspunkten. Sie stellten tatsächlich einen Nistplatz eines Hausrotschwanzes sowie einer Fledermaus fest. Deshalb erteilte die Behörde die Auflage, dass das Haus nur im Winter abgerissen werden darf, wenn die Tiere nicht nisten.

Aber offenbar wurde auch probiert, die Experten hinters Licht zu führen. Denn die Gutachter stellten übereinstimmend fest, dass im Dachgeschoss großflächig Fledermauskot verteilt wurde, teilt Achim Froitzheim, Sprecher des Landkreises Vorpommern-Greifswald mit. „Dieser befand sich auch an lichten Stellen unter Oberlichtern, obwohl Fledermäuse ausschließlich dunkle Ecken als Quartier bevorzugen.“ Des Rätsels Lösung: „Der Kot stammte von einer Art, die nur an wenigen Orten in MV beheimatet und deren Exkremente im Handel auch als Dünger erhältlich ist.“ Die Gutachter seien deshalb zum Ergebnis gelangt, dass in der „Brinke“ der Fledermauskot großflächig ausgestreut wurde, um die Naturschützer in die Irre zu führen.



Kai Lachmann

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