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Deutsche Politik ist Schwerpunkt der Lehre

Greifswald Deutsche Politik ist Schwerpunkt der Lehre

Juniorprofessor Jochen Müller analysiert regionale Unterschiede im Land

Greifswald. Das Verhalten der Abgeordneten gehört zu den Interessengebieten von Jochen Müller. Der 35-Jährige hat seit Oktober 2015 die Juniorprofessur für Politische Soziologie an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität inne.

„Mir geht es beispielsweise darum, zu ergründen, ob die Abgeordneten gesellschaftliche Probleme abbilden und wenn ja, welche“, erläutert er. „Parteien sind das verbindende Element meiner wissenschaftlichen Interessen.“ Der Schweriner Landtag sei durch die Präsenz der NPD schon in der Vergangenheit ein „sehr spannender Fall“ gewesen. Das bleibe er auch nach der Wahl.

Prognosen, wie sich die Alternative für Deutschland im Landtag verhalten wird, hält Müller für schwierig. „Die AfD im Land steht noch am Anfang“, erinnert er. Sicher könne man Vergleiche mit Fraktionen der Partei in anderen Landtagen heranziehen. „Die AfD ist jedoch eine heterogene Partei, die sich zudem in den letzten drei Jahren stark gewandelt hat“, stellt Müller fest. Er sei aber kein Spezialist für die AfD. Kollegen gingen davon aus, dass sich die Alternative für Deutschland im politischen System etablieren könne. Das entspreche der Entwicklung in anderen europäischen Ländern wie Frankreich mit dem Front National, Österreich mit der FPÖ oder den Niederlanden mit der Partij voor de Vrijheid.

Der Aufstieg dieser vielfältigen Parteienfamilie habe unter anderem eine einigende Ursache: Die von ihren Anhängern empfundene Bedrohung des Wohlfahrtsstaates. In der Unzufriedenheit mit den Parteien, dem Parlament und den Medien sieht Müller eine weitere Quelle der Zustimmung für die AfD. „Die Partei ist bisweilen Symptom dieser Skepsis gegenüber dem Funktionieren der Demokratie“, erläutert er. Dies komme bei der Debatte zu kurz. Dabei hätten Parteien und Regierung im Land bereits Erfahrungen im Umgang mit komplexen politischen Entwicklungen gesammelt, zum Beispiel im Umgang mit der NPD, die aber nicht mit der AfD gleichzusetzen sei. „Das wäre eine massive Verharmlosung der NPD“, so Müller.

Seine Studenten seien sehr an den aktuellen Entwicklungen interessiert. „Ich habe sie zum Auftakt der letzten Semester gefragt, welche Beispiele wir in der Lehre behandeln sollten“, erzählt Müller.

„Der Krieg in Syrien, die Flüchtlingskrise und das Erstarken der AfD rangierten ganz vorn.“ Politik in Deutschland ist einer der Schwerpunkte des Professors in der Lehre. Dabei interessiert er sich auch für Unterschiede innerhalb der Bundesrepublik. „Viele Merkmale, die politische Einstellungen und Entscheidungen beeinflussen, sind in Vorpommern anders begründet als etwa in meiner

hohenlohischen Heimat“, erzählt der in Schwäbisch Hall geborene Wissenschaftler. „Die Erfahrung von Arbeitslosigkeit, Abwanderung, und oftmals schwächer ausgeprägte soziale Netzwerke tragen zu einer anderen Sicht auf Staat und Politik bei.“

Nach mehreren berufsbedingten Umzügen sei er froh, nun in Greifswald zu sein. Die kurzen Wege und kulturellen Angebote der Studentenstadt hätten das Ankommen erleichtert.

Gerade im Vergleich zu seiner letzten Station im englischen Colchester sei Greifswald eine angenehm ruhige und familienfreundliche Stadt. Müllers Tochter wurde in Greifswald geboren. Die Beschäftigung mit ihr ist seither sein wichtigstes Hobby. „Was mir vielleicht fehlt, sind Erhebungen mit Ausblick“, sagt er. „So imposant die Rügener Kreidefelsen auch sind.“ Aber einen Vorzug habe die Küste schon. „Nach zwei Jahren Fish and Chips freue ich mich nun über Matjes mit Bratkartoffeln und die Fischbrötchen auf dem Markt.“

Eckhard Oberdörfer

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