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Greifswald „Die Politik blieb nach der Wende beratungsresistent“
Vorpommern Greifswald „Die Politik blieb nach der Wende beratungsresistent“
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00:00 27.01.2014
Prof. Horst Wernicke als Präsident des Landesheimatverbandes neben dem damaligen Ministerpräsidenten Harald Ringstorff. Quelle: OZ
Greifswald

In drei Jahren endet die große Tradition der Greifswalder Hansegeschichtsforschung. Dann geht das Urgestein der Greifswalder Historiker, Prof. Horst Wernicke, in den Ruhestand. Die Stelle des erfolgreichen Forschers und Lehrers wird nicht wieder besetzt.

Wernicke sprach jetzt im Rahmen der Vorlesungsreihe zum 150. Jubiläum der Gründung des Historischen Seminars über seine Zeit am Institut. 1970 begann der Greifswalder sein Studium Richtung Lehrer für Geschichte und Geographie an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität, 1974 wurde er wissenschaftlicher Assistent und 1992 Professor. Greifswald ist er bis heute treu geblieben.

Es war ein spannender, faktenreicher und mit Anekdoten gewürzter Rückblick mit einem Schuss Bitterkeit, den der 62-Jährige im voll besetzten Hörsaal 1 des Audimax den Zuhörern bot. Dass Wernicke 1979 zum „Sowjetfeind Nummer 1“ wurde, weil er es unter ganz unmöglichen Bedingungen seines Wohnheims nicht in Leningrad aushielt, das vergisst man nicht. Da wurde gefordert, dass er die Uni verlasse und in die Produktion gehe, erzählte er. Verständnisvolle Kollegen am Institut hätten ihm geholfen, sodass er nach einer Zeit als „akademischer Hausmeister“ (Wohnheimleiter) ans Institut zurückkehren konnte und Stellvertretender Direktor für Erziehung, Aus- und Weiterbildung wurde. Diese Tätigkeit brachte ihm den Vorwurf einer „geringfügigen Verfehlung“ durch die Ehrenkommission ein, die nach der Wende das Verhalten der Hochschulmitarbeiter vor einer möglichen Übernahme untersuchte.

Wernicke erinnerte daran, dass der Theologieprofessor Hans-Jürgen Zobel zum 40. Jahrestag der DDR für seine Verdienste geehrt wurde. Nach der Wende wurde dieser dann der erste frei gewählte Rektor der neuen Zeit. In dessen Amtszeit fällt ein in der Unigeschichte wohl beispielloser Personalwechsel an der Philosophischen Fakultät. Wernicke, seit dem frühen Tod von Prof. Konrad Fritze 1991 Institutsdirektor, spricht von Bitterkeit bei der Verabschiedung von Kollegen. Zobel benachrichtigte Wernicke erst verspätet, dass dessen Zeit als Direktor abgelaufen war. So konnte es zu der Szene kommen, die Prof. Karl-Heinz Spieß bei der Festveranstaltung zum 150. Jubiläum schilderte. Er kam Anfang 1994 und teilte Wernicke mit, dass er nun als neuer Direktor dessen Zimmer zu beanspruchen habe. Dass sich Spieß im Festvortrag als Gründungsprofessor bezeichnete, ließ Wernicke nicht gelten. „Das Institut wurde nicht abgewickelt“, betonte er.

„Wir hatten nun die Freiheit von Forschung und Lehre“, meint Wernicke. „Aber die Beratungsresistenz der Politik blieb.“Die Abkehr von Überblicksvorlesungen nach bundesdeutschem Vorbild in der Lehre hält der Professor für falsch. Seit 1993 folge auf eine Sparrunde die nächste. Als die Magisterausbildung erfolgreich etabliert worden war, sei der Bolognaprozess gekommen. „Mit der Streichung der Wissenschaftlichkeit beim Bachelor und der Verschulung des Studiums“, schätzt Wernicke ein. „Was Bachelor nicht lernt, wird Master nicht richten.“



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