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Fördermillionen winken: Bislang wenig Interesse bei Investoren

Angespannter Wohnungsmarkt: Greifswald erfüllt Kriterien für Programm zum sozialen Wohnungsbau Fördermillionen winken: Bislang wenig Interesse bei Investoren

Der Leerstand ist gering / Finanzielle Unterstützung vom Land soll Wohnungsbau ankurbeln / WVG und privater Bauherr wollen Programm nutzen

Greifswald. Die Mieten in der Hansestadt gelten als hoch, der Leerstand liegt unter vier Prozent. Das Land will gegensteuern und leitet in diesem Jahr 12,5 Millionen Euro Fördergeld des Bundes unter anderem nach Greifswald. Investoren können eine Förderung von 600 Euro je Quadratmeter für Neubauten bekommen. Im Gegenzug müssen sie sich zu Kaltmieten von 5,50 Euro je Quadratmeter verpflichten. Das gilt als sozialer Wohnungsbau.

 

OZ-Bild

Animation der von Investoren geplanten zukünftigen Wohnbebauung im Bebauungsplan „Am Elisenhain“. Der B-Plan wird derzeit erarbeitet. Animation: Architekturbüro Sven Thonack

5,50 Euro sind weniger als das, was bei Tausenden Wohnungen in Greifswald gegenwärtig verlangt wird. Das mag einer der Gründe sein, warum das Interesse der Investoren gering ist. Viele Immobilienunternehmer sind vorsichtig gesagt skeptisch, dass sich die 5,50 Euro Miete bei Erfüllung der vielen geltenden Auflagen trotz Förderung überhaupt erreichen lassen.

Bisher sind nur Pläne für 120 Sozialwohnungen in der Hansestadt bekannt. Investoren sind die Wohnungsbau und Verwaltungsgesellschaft Greifswald (WVG) sowie Greifswalder Privatleute.

„Wir haben aktuell 5870 Wohnungen mit Kaltmieten unter 5,50 Euro“, informiert Jana Pohl, Sprecherin der stadteigenen Wohnungsbau und Verwaltungsgesellschaft Greifswald (WVG). „Davon stehen 230 für eine Neuvermietung zur Verfügung.“ Die WVG will dennoch in das Förderprogramm zum sozialen Wohnungsbau einsteigen. Die vorgesehenen Bauplätze für drei Gebäude liegen in Schönwalde I. Konkret sind es die Freiflächen Lomonossowallee 35/36 und Gaußstraße 4/5. Laut Pohl sollen die Unterlagen spätestens Anfang des nächsten Quartals eingereicht werden. Um den Jahreswechsel rechnet das Unternehmen mit der Baugenehmigung. Im zweiten Quartal 2017 ist der erste Spatenstich geplant. Frühestens 2018 könnten die neuen Häuser bezogen werden.

Das Greifswalder Ingenieurbüro von Sven Thonack plant weitere 60 Sozialwohnungen für einheimische Investoren. „Bei der vom Land angebotenen möglichen Förderung lassen sich die geforderten Mieten von 5,50 Euro je Quadratmeter erreichen“, ist Thonack überzeugt.

Standort dieser Sozialwohnungen soll das Wohngebiet „Am Elisenpark“ (früher „An den Gewächshäusern“) werden. Vorgesehen sind dort fünf Einfamilien- und vor allem Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 88 Wohnungen und verklinkerten Fassaden. „Die Investoren würden in dieser schönen Stadtrandlage gern auch noch sechs fünfgeschossige Bauten mit je zehn Wohnungen errichten“, erläutert Thonack. Hier würde dank der Förderung die Miete bei 5,50 Euro liegen.

Allerdings ist der zugehörige Bebauungsplan 13 noch nicht von der Bürgerschaft beschlossen worden. „Im Stadtbauamt wird intensiv am Entwurf für den B-Plan gearbeitet“, sagt Stadtsprecherin Andrea Reimann dazu. Insbesondere gehe es um das städtebauliche Konzept für dieses Wohngebiet. „ Ziel sei es, den B-Plan-Entwurf den Ausschüssen der Bürgerschaft im ersten oder zweiten Quartal 2017 vorzulegen, so Reimann. Wann tatsächlich gebaut werde, das hänge nicht zuletzt von der Möglichkeit zur Regenentwässerung ab, die momentan „Am Elisenpark“ nur für einen Teilbereich gegeben sei.

Das zweite große Wohnungsunternehmen der Stadt, die Wohnungsgenossenschaft Greifswald (WGG) will das Landesprogramm zum sozialen Wohnungsbau nicht nutzen. Jedes genossenschaftliche Wohnprojekt müsse sich „dauerhaft selbst tragen“, begründet der Technische Vorstand Jörn Roth. Im Rahmen der aktuellen Förderbedingungen für den sozialen Wohnungsbau mit Nettokaltmieten von 5,50 Euro je Quadratmeter ließen sich „keine wirtschaftlich vertretbaren Lösungen erzielen.“ Eine Subventionierung durch andere Einnahmen aus anderen Wohnungen der WGG für solche Projekte werde es nicht geben.

Auch die privaten Investoren sind in Sachen Wirtschaftlichkeit von Sozialwohnungsbauten skeptisch. Ein großes Problem: Es gibt in Greifswald insgesamt zu wenig Grundstücke für den Wohnungsbau. Die Preise explodieren. Während im Wohngebiet Soldmannstraße vor einigen Jahren der Quadratmeter noch 65 bis 70 Euro kostete, werden jetzt in der Heinestraße mindestens 120 Euro verlangt, erzählt ein Architekt. In Eldena seien es sogar schon mindestens 150 Euro.

Das Programm Sozialwohnungen

Der Bund hat ein Programm für den Sozialen Wohnungsbau aufgelegt. Das Geld wird von den Ländern verteilt. Für Mecklenburg-Vorpommern stehen in diesem 12,5 Millionen Euro und im kommenden Jahr 14,5 Millionen Euro zur Verfügung. In Städten mit einem Leerstand unter vier Prozent (Greifswald, Rostock, Waren, Bad Doberan) werden Neubauten mit einem Zuschuss von 600 Euro je Quadratmeter gefördert. Im Gegenzug wird der Investor verpflichtet, dass die Kaltmiete für zehn Jahre höchstens 5,50 Euro je Quadratmeter betragen darf.

Wenn das Fördergeld in diesem Jahr nicht mehr ausgegeben wird, dann steht es 2017 zur Verfügung, so der Sprecher des Wirtschaftsministeriums, Gunnar Bauer. Das ist zu erwarten, weil die konkreten Rahmenbedingungen erst Mitte Juli dieses Jahres feststanden.

Chancen für Bezahlbares

Die Bürgerschaft hat eine Arbeitsgruppe „Bezahlbarer Wohnraum“ gebildet. Deren Vorsitzender Erik von Malottki (SPD) setzt die Grenze für bezahlbaren Wohnraum bei acht Euro an. In Greifswald sind sofort zur Verfügung stehende Flächen für Neubauten Mangelware. Im Entwicklungsplan Innenstadt/Fleischervorstadt wird aber eine „sozial verantwortbare Wohnungsversorgung“ festgeschrieben. Chancen dafür sieht man in dem Papier beispielsweise südlich des ehemaligen KAW-Geländes und in Baulücken. Ferner wird die Schaffung sehr preisgünstiger Wohnungen durch Quersubventionierung im Rahmen größerer Projekte wie der Bebauung der Freiflächen am Hansering vorgeschlagen.

Beratung zu Wohngebiet

7 Hektar umfasst die größte innerstädtische Wohnbaufläche – das Gebiet zwischen der Straße An den Wurthen und der Marienstraße an der Hafenstraße. Dort könnte ein Modellprojekt für bezahlbaren Wohnraum etabiert werden. Das ist angesichts des schlechten Baugrundes und der schon verauslagten drei Millionen Euro für Beräumung, Altlastensanierung und so weiter eine Herausforderung.

Der Bauausschuss hat ein Onlineforum (http://hafenstrasse-hgw-bezahlbares-wohnen.xobor.de) etabliert. Morgen um 18 Uhr findet im alten E-Werk Marienstraße ein Workshop „Hafenstraße als Modellgebiet für bezahlbares Wohnen?“ statt.

Eckhard Oberdörfer

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