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Greifswald könnte Topadresse für Spitzensportler sein

Greifswald Greifswald könnte Topadresse für Spitzensportler sein

Die 18-jährige Lindy Ave sprintet bei den Paralympics am Zuckerhut – Die 20-jährige Werferin Hanna Wichmann trainiert für die Spiele 2020 in Fernost

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Vier Greifswalder für Rio: Harutyun Khachatryan (Kampfrichter Fechten), Lindy Ave (Aktive im Weitsprung und im 100-Meter-Sprint) sowie der Internist Dr. Rolf Kaiser (Mannschaftsarzt) freuen sich auf die Paralympischen Spiele. Maskottchen Grypsi geht mit auf Reisen.

Quelle: Sven Jeske

Greifswald. Blond, schlank, attraktiv: Die 18-jährige Lindy Ave ist das neueste Aushängeschild der Sportstadt Greifswald. Mit der Leichtathletin von der HSG Universität nimmt, erstmals wieder nach zwölf Jahren, eine Aktive aus der Hansestadt an den Olympischen Spielen der Sportler mit Behinderung teil (die OZ berichtete). Am späten Mittwochabend wird die junge Frau mit 154 weiteren deutschen Athleten von Frankfurt/Main aus nach Rio de Janeiro aufbrechen. Dort habe sie gute Chancen, in das Weitsprung- und 100-Meter-Lauf-Finale zu kommen, schätzt Trainer Peer Kopelmann ein.

Ave ist nicht sein einziger Stolz. Mit Hanna Wichmann (Kugelstoßerin und Keulenwerferin) hat Kopelmann einen weiteren Trumpf im Ärmel. Die 20-jährige Rollstuhlfahrerin, die bei der Jugendweltmeisterschaft in Prag Gold und Silber gewann, wäre in Rio ganz vorne dabei, ist Landessportwart Jens Golzow überzeugt. Allein, der Deutsche Behindertensportverband gab anderen den Vorrang.

Hanna sei trotz ihres Erfolgs in Prag noch nicht hinreichend etabliert, erklärt Peer Kopelmann. „Bei Olympia in vier Jahren in Tokio allerdings könnte sie groß rauskommen.“

Und mit ihr der Sportstandort Greifswald. Der würde durch Leistungsträger wie Ave und Wichmann über die Landesgrenzen hinaus bekannt, geben Fachleute wie Kopelmann und Golzow zu bedenken. „Wenn es gelingt, die Trainingsbedingungen zu verbessern, kann Greifswald zu einem attraktiven Ort für Leistungssportler mit Behinderung werden.“

Schon jetzt können jene am Ryck ihre sportliche Laufbahn mit einer beruflichen verknüpfen. Am Berufsbildungswerk (BBW) – einem privaten Anbieter von mehr als 40 Ausbildungsgängen – richtete der Verband für Behinderten- und Rehabilitationssport vor nunmehr elf Jahren ein Landesleistungszentrum ein. Drei Vereine – die HSG, der Fechtclub und die Greifswalder Sportgemeinschaft – ermöglichen Menschen mit Handicap körperliche Aktivität in sieben Sportarten.

„Um Spitzensportler wie Lindy Ave und Hanna Wichmann über ihre Berufsausbildung hinaus in Greifswald zu halten, muss man ihnen top Trainingsbedingungen und auch einen Job bieten“, verdeutlicht Jenns Golzow. Andernfalls wanderten jene Hoffnungsträger wieder ab. So geschehen im Falle des Weltklasseschwimmers Torben Schmidtke (heute 27 Jahre alt). Dieser hatte nach seiner Ausbildung zum EDV-Techniker Greifswald 2011 in Richtung Potsdam verlassen. Ein Jahr darauf wurde er bei den Paralympischen Spielen in London Zweiter über 100-Meter-Brust.

In der Stadtverwaltung hat man die vielversprechende Entwicklung des Behindertensports längst zur Kenntnis genommen. Gehe es jedoch um Investitionen in Sportstätten und damit in die Trainingsbedingungen, sei zunächst die Bürgerschaft gefordert, macht Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Die Grüne) deutlich.

Aus Sicht von Trainer Peer Kopelmann müsste da einiges geschehen: „Der Laufbahnbelag im Volksstadion ist löchrig. Werfer wie Hanna Wichmann können im Stadion nicht trainieren, weil es die Gegebenheiten dort nicht zulassen.“ Die derzeit nutzbaren Hallen seien für den Behindertenleistungssport nicht ausgelegt. Grundsätzlich entsprächen die Trainingsbedingungen in Greifswald nicht dem aktuellen Standard.

Im September will sich das Landesleistungszentrum „Sport mit Handicap“ im Sportausschuss der Bürgerschaft vorstellen. Greifswalds Paralympic-Hoffnung Lindy Ave dürfte dann noch in Rio sein.

Die blinde Schwimmerin

2004 nahm letztmals ein Sportler aus Greifswald an Olympischen Spielen teil: Es war die damals 25-jährige Fennistik-Studentin Natalie Ball. Bei den Paralympics in Athen erkämpfte die blinde Spitzensportlerin an der Seite ihrer Trainerin Dörte Paschke Silbermedaillen über 50 Meter und 100 Meter Freistil, 100 Meter Brust und eine Bronzemedaille über 200 Meter Lagen. Damit zählte sie zu den erfolgreichsten Olympia-Teilnehmern des deutschen Teams.

Fechtclub-Chef ist Kampfrichter in Rio

Ein Trainer des Greifswalder Fechtclubs wird Kampfrichter bei den Paralympics in Rio de Janeiro sein. Für Harutyun Khachatryan ist es der erste Einsatz bei Olympia. Die Europäische Fechtförderation entschied sich für den 51-Jährigen, weil er ihrer Rangliste nach zu den derzeit 16 besten Kampfrichtern seiner Sportart auf dem Kontinent zählt. „Ich war bei Welt- und Europameisterschaften im Einsatz, auch bei Weltcup-Entscheidungen. Noch nie aber bei Olympischen Spielen“, freut sich der gebürtige Armenier. Er selbst focht schon in jungen Jahren so manchen Kampf aus, war zweimal Fecht-Jugendmeister der Sowjetunion. 1995 kam Harutyun Khachatryan nach Greifswald. Hier ist er nun Vorsitzender des Fechtclubs. Auf Rio freut er sich. „Ich war noch nie in Südamerika!“ Wie oft er bei den Paralympics zum Einsatz kommen wird, weiß er noch nicht. „Die Entscheidung darüber fällt erst am 8. September.“ Dieser Tag wird auch sein erster in Rio sein.

Dort bleibt er bis zum Ende der Spiele am 18. September.

Ein Arzt für alle Fälle

Barcelona (1992), Atlanta, Sydney, Peking, London und jetzt Rio de Janeiro: Der Greifswalder Internist Rolf Kaiser reist zum nunmehr sechsten Mal als Arzt für das deutsche Leichtathletikteam zu Paralympischen Spielen. Für ihn sei der Einsatz in gewisser Hinsicht schon Routine. „Und doch sind jede Spiele eine neue Herausforderung“, räumt der 53-Jährige ein.

Die Bedingungen seien stets andere. Auch die Sportler wechselten. Ein Ruhekissen werden die Spiele in Rio für Kaiser nicht sein. „Die Tage dort beginnen um 7 Uhr und enden gegen 24 Uhr. Jeden Tag, 22 Uhr, gibt es eine Sitzung, auf der wir für den nächsten Tag eingeteilt werden.“ Sein Einsatzort ist neben dem Olympischen Dorf das Wettkampfstadion der Leichtathleten. Kaiser rechnet erfahrungsgemäß

mit täglichen medizinischen Einsätzen. Zum Behindertensport kam er vor 25 Jahren. Damals war er Assistenzarzt und Mitglied eines Forschungsteams am Universitätsklinikum Heidelberg. Im Windkanal des Automobilherstellers Porsche testeten Kaiser und andere seinerzeit die beste Sitzposition eines behinderten Sportlers im Rennrollstuhl aus.

Sven Jeske

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