Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Greifswald will Gedächtnisort werden

Greifswald Greifswald will Gedächtnisort werden

Oberbürgermeister verweist auf Vorreiterrolle der Stadt während der friedlichen Revolution

Greifswald. V Die Hansestadt Greifswald will Gedächtnisort der friedlichen Revolution in Mecklenburg-Vorpommern 1989 werden.

Der Hintergrund: Mitte Mai hatte der Landtag per Beschluss die Regierung aufgefordert, bis 2019, zum 30. Jahrestag des Mauerfalls am 9. November 1989, einen solchen Ort zu etablieren. Dann soll das Denkmal oder das Museum fertig sein. Laut Staatskanzlei ist die Greifswalder bisher die einzige Bewerbung.

Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) ist überzeugt, dass es in Greifswald ein sehr gut geeignetes Gebäude gibt: Den Sitz des Landesverfassungsgerichts und Oberverwaltungsgerichts Domstraße 7.

In dem zu Kaisers Zeiten gebauten Gebäude residierte in der DDR die Kreisdienststelle des Ministeriums für Staatssicherheit. Sie wurde am 4. Dezember 1989 von Bürgern besetzt.

Dass in der Domstraße heute unabhängig Recht gesprochen und über die Verfassung gewacht werde, sei von großer Symbolkraft, so Fassbinder. Mit der Entmachtung des MfS habe Greifswald eine Pionierrolle gespielt. In seinem Brief an die Staatskanzlei betont der OB eine Greifswalder Vorreiterrolle bei der friedlichen Revolution in den drei DDR-Nordbezirken. Dafür gibt es viele Beispiele, auch persönliche. Der Greifswalder Studentenpfarrer Arndt Noack unterzeichnete laut SDP-Mitbegründer Martin Gutzeit am 25. August als Dritter den Gründungsaufruf für eine sozialdemokratische Partei in der DDR (Sozialdemokratische Partei in der DDR). Wenig beachtet wird meist die Gründung der Unabhängigen Studentenschaft Greifswald im Hörsaal der Kinderklinik am 25. Oktober. Am 3. Dezember wurde die auf dem Greifswalder Friedensgebet geborene Idee einer Lichterkette „Ein Licht für unser Land“, einer Menschenkette durch die DDR, in elf Städten der Nordbezirke umgesetzt. Der OB verweist auch auf das Protestschreiben der Schicht A des Kernkraftwerks „Bruno Leuschner“ in Lubmin an den Staatsrat vom Oktober 1988. Jeder dritte Unterzeichner war übrigens SED-Mitglied. In dem Brief, der im Dezember des gleichen Jahres im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ erschien, werden die schlechte Versorgungslage in der DDR, Korruption und andere Missstände bei grundsätzlichem Bekenntnis zum Staat kritisiert.

Natürlich könnten auch andere Orte in MV ihren Hut in den Ring werfen wie ein Blick in das Buch „Ihr sollt wissen, dass der Norden nicht schläft“ von Kai Langer zeigt. So fand die erste größere Demonstration außerhalb eines Gebäudes mit 300 Teilnehmern am 16. Oktober in Waren statt. Vincent Kokert, Fraktionschef der CDU im Landtag, plädiert daher für die Müritzstadt. In Stralsund kamen am gleichen Tag 1300 Menschen zum Friedensgebet in die Nikolaikirche, 900 mehr als in der Woche zuvor. In Greifswald zogen erst am 18. Oktober 800 Menschen mit Kerzen nach dem ersten Friedensgebet im Dom durch die Stadt. Und ebenfalls am 18. Oktober begaben sich etwa 5000 Neubrandenburger auf den „Weg der Hoffnung“. In Rostock gab es eine ersten Fürbittandacht für inhaftierte Leipziger

Demonstranten mit 600 bis 700 Teilnehmern in der Petrikirche am 5. Oktober. Und laut Langer verschafften sich am 4. Dezember auch in Bad Doberan, Parchim, Rostock, Stralsund, Templin und Teschendorf im Bezirk Neubrandenburg Bürger Zugang zu den Objekten des Amtes für nationale Sicherheit, wie das MfS zu diesem Zeitpunkt hieß.

Eine Trumpfkarte hat Greifswald noch: Mit dem Pommerschen Landesmuseum und der Uni gibt es zwei leistungsstarke Institutionen, um den Gedächtnisort des Landes mit Leben zu füllen.

On Eckhard Oberdörfer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Kühlungsborn
In Kühlungsborn wird über die Zukunft des Schwimmhallengrundstücks diskutiert. Der Abriss der Halle ist fast vollendet. Auch die Villa Baltic spielt dabei eine Rolle.

Die Schwimmhallen-Ruine ist fast weg / Die OZ fragte Bürgermeisterkandidaten, was dort passieren soll

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Politik
Verlagshaus Greifswald

Johann-Sebastian-Bach-Str. 32
17489 Greifswald

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag
10.00 bis 17.00 Uhr
Freitag
10.00 bis 15.30

Leiterin Lokalredaktion: Katharina Degrassi
Telefon: 0 38 34 / 79 36 74
E-Mail: greifswald@ostsee-zeitung.de

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Physik,Kernphysik,Wendelstein,Plasmaphysik,Atome Teaser der den User auf die Themenseite führen soll image/svg+xml Image Teaser Wendelstein 7-X 2015-09-23 de Themenseite Wendelstein 7-X In der Fusionsanlage des Max-Planck-Instituts in Greifswald wird erforscht, ob sich die Kernfusion zur Energiegewinnung eignet. Hier finden Sie Artikel, Videos und viele weitere Informationen zum Thema.
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.