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Grillduell zur Landtagswahl

Grillduell zur Landtagswahl

Erstwählerin Olivia Stracke befragt die Greifswalder Landtagskandidaten

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Wurden von Olivia Stracke (r.) ins Kreuzverhör genommen (v.l.): Egbert Liskow (CDU), Christian Pegel (SPD), Mignon Schwenke (Linke), David Wulff (FDP).

Quelle: Peter Binder

Greifswald „Ich habe übrigens auch veganen Käse in meinen Würstchen“, scherzt David Wulff von der FDP. Der 30-jährige Unternehmer ist einer von fünf Direktkandidaten für den Landtag, die zu einem Grillduell ins Jugendzentrum „klex“ gekommen sind. Bei Bratwurst, Steaks und Gemüsespießen sollen sie erklären, wofür sie sich in der Politik starkmachen. Das Publikum, 60 Jugendliche – darunter Erstwähler wie ich – kann seinen Senf dazugeben. Am Ende soll es darüber abstimmen, welcher Kandidat am meisten überzeugt hat.

 

OZ-Bild

OZ-Mitarbeiterin Olivia Stracke (18) ist Erstwählerin. Sie fordert alle Greifswalder auf, wählen zu gehen.

Quelle:

„Circa 15 Prozent unserer Wähler sind jugendlich“, behauptet David Wulff (FDP), während er einem Pfadfinder eine Wurst im Brötchen aushändigt. „Wir versuchen ihre freie Entfaltung zu gewährleisten und ihnen Steine aus dem Weg zu räumen.“ Welche Steine? „ Der Bildungsstandard im Land muss verbessert werden. Wir möchten zum Beispiel die Lehrerausbildung an den Universitäten verbessern und frühzeitigen Praxisbezug, also Kontakt mit den Schülern, ermöglichen“, sagt Wulff. Außerdem wolle die FDP die Verkehrsinfrastruktur ausbauen und Unternehmen nachhaltig dazu bringen, sich anzusiedeln, um mehr Arbeitsplätze zu schaffen. Als ich ihn nach der Frauenförderung frage, überlegt er kurz. Gleichberechtigung sei wichtig, meint er dann, es dürfe nur nicht zur Überförderung kommen.

Egbert Liskow (59) von der CDU ist bereits seit 2002 Abgeordneter im Landtag. Er nimmt an, dass Frauen in Mecklenburg-Vorpommern sich nicht benachteiligt fühlen. Zur Hochschulförderung meint er: „Wir müssen die vernünftige Finanzierung von Schulen gewährleisten, und zwar mehr als nur ausreichend.“ Ich frage Egbert Liskow, was er vom Grundeinkommen hält. „Nicht viel“, antwortet er. „Wenn eines Tages tatsächlich alle Leute Arbeit wollen, dann ist dieses Konzept möglich. Aber unsere Gesellschaft ist noch nicht so weit.“

Das findet auch Christian Pegel (SPD). Er trägt eine rote Grillschürze, passend zum Logo seiner Partei.„Wir arbeiten grundsätzlich für die Jugend“, postuliert er. Auch Frauenförderung wolle er gezielt betreiben. Der 42-Jährige verweist auf seinen politischen Ziehvater, Ministerpräsident Erwin Sellering. Der habe bereits viele Programme zur Gleichberechtigung auf den Weg gebracht. Christian Pegel ist unter anderem Minister für Energie. Er plane, noch mehr Windräder ins Land zu stellen.

Mignon Schwenke ist umweltpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Landtag. Auf ihrem Grill dampft viel Gemüse. Und „Fleisch aus biologisch korrekter Haltung“, betont sie.

Schwenke möchte „die wunderbare Natur in Mecklenburg-Vorpommern erhalten“. Sie wirbt für „eine ökologisierte Landwirtschaft, die nicht auf Kosten der Natur funktioniert“. Außerdem will sie das Wahlalter ab 16 einführen. „Bei den Kommunalwahlen gibt es das schon. Warum also nicht bei den Landtagswahlen?“ Die Kandidatin der Linken macht einen gefassten Eindruck auf mich. Einmal aber gestikuliert sie mit der Grillzange: „Mischt euch ein, interessiert euch für eure Gemeinde“, ermuntert sie die jungen Gäste. Die Linken, erfahre ich, sei in allen Fraktionen mit mindestens 50 Prozent Frauen vertreten. Denn die, meint Schwenke, könnten genauso gut arbeiten wie Männer.

Am Grill der Grünen steht an diesem Abend Christoph Oberst. Er vertritt die Landtagskandidatin Ulrike Berger , die verhindert ist. Ich besuche sie am darauffolgenden Tag im Büro der Grünen in der Steinbeckerstraße. Die Frauenquote, gibt Berger mir zu verstehen, gehe maßgeblich auf ihre Partei zurück. Als die Grünen sich 1979 gründeten, hätten sie beschlossen, die Hälfte aller Ämter mit Frauen zu besetzen. Darauf, so Berger, sei sie heute noch stolz. Abgesehen davon finde sie, dass „wir die Rechte aller Menschen stärken müssen“. Ihre Partei versuche, jugendliche Wähler wie mich mit Filmabenden und Diskussionsveranstaltungen zu erreichen. Außerdem sei sie gerade dabei, eine Schulwegstudie durchzuführen. „Wir als Grüne wollen wissen, welche Auswirkungen die teilweise langen Schulwegzeiten auf den Alltag von Kindern haben.“

Zurück zum Grillabend: Ich frage die Kandidaten, wie sie zu den Flüchtlingen stehen, und höre von allen mehr oder weniger den selben Satz: „Es ist unsere humanistische Pflicht, zu helfen.“ Die FDP ist für ein Einwanderungsgesetz, einen Katalog mit bestimmten Kriterien, die jeder Flüchtling erfüllen muss, um ein Asylverfahren zu bekommen. Auch die Kandidaten von CDU und SPD finden, jeder asylberechtigte Flüchtling müsse versorgt werden. Aber es seien einfach zu viele. Und es müsse von vornherein klar sein, ob der Antragsteller länger in Deutschland leben will oder nicht. Schwenke von den Linken meint, man müsse sich fragen, was Deutschland zu der Situation beigetragen hat: „Wir müssen die Waffenexporte sofort stoppen“, findet sie. Die gleiche Auffassung teilt auch Ulrike Berger.

Die Integration sei mit Sprachkursen anzugehen. „Flüchtlinge bereichern unsere Kultur doch auch!“, meint Schwenke.

Der Landtagskandidat der AfD, Nikolaus Kramer, ist vom Klex nicht eingeladen worden. Man habe von seinem Hausrecht Gebrauch gemacht, Parteien, die der rechtsextremen Szene zuzuordnen seien, auszuschließen, erklären die Veranstalter. Die Kandidaten der FDP, CDU, SPD und der Grünen finden das nicht in Ordnung. Sie respektieren die Entscheidung, hätten aber eine offene Diskussion besser gefunden. Einzig Schwenke von den Linken hätte die AfD auch nicht eingeladen. Sie gewinnt die Abstimmung am Ende des Grillabends.

Warum man wählen sollte

Oft höre ich andere Jugendliche sagen „Ich geh’ nicht wählen. Das bringt doch eh nichts.“ Ich sehe das anders.

Deutschland hat eine Demokratie als Regierungsform, und die funktioniert nicht ohne Wahlen. Das Recht auf Mitbestimmung ist in vielen Ländern keine Selbstverständlichkeit. Jeder sollte sich überlegen, was ihm wichtig ist. Mir geht es unter anderem um Umweltschutz, die vermehrte Nutzung von erneuerbaren Energien und Klimaschutz. Nur wenn du einen Vertreter für deine Interessen aussuchst, können diese auch durchgesetzt werden. Wer nicht wählen geht, lässt andere über unsere Köpfe hinweg entscheiden.

Jede Meinung zählt. Wahlen sind die einfachste Art der Mitwirkung in unser aller Zusammenleben. Mit zwei Kreuzchen kannst du Einfluss auf die Politik nehmen und über deren Inhalte mitbestimmen. Also nutze diese Chance!

Informationen rund um den Landtag

Im September 2016 bestimmen die Wählerinnen und Wähler, wer in den kommenden fünf Jahren für sie im Schweriner Schloss Politik macht. Die Landtagsabgeordneten werden in einer allgemeinen, freien, gleichen, geheimen und direkten Abstimmung gewählt. Wählen darf jeder deutsche Staatsbürger, der das 18. Lebensjahr vollendet hat und am Wahltag seit mindestens drei Monaten in Mecklenburg-Vorpommern wohnt.

Aber was macht eigentlich der Landtag? Er ist zum einen verantwortlich für die Wahl des Ministerpräsidenten. Diese Wahl erfolgt innerhalb von vier Wochen nach Zusammentritt des neuen Landtages. Außerdem beschließt der Landtag die Landesgesetze und kontrolliert zusätzlich die Tätigkeit der Landesregierung und der -verwaltung.

Dem Landtag in MV gehören derzeit 71 Abgeordnete in fünf Fraktionen an. Bei der letzten Landtagswahl 2011 wurde die SPD mit 35,6 Prozent der Stimmen die stärkste Kraft. Die CDU verlor 5,8 Prozentpunkte und erreichte einen Stimmenanteil von 23 Prozent. Die Linke kam auf 18,4 Prozent, die Grünen auf 8,7. Die FDP erreichte 2,8 Prozent und schaffte somit nicht die Fünf-Prozent-Hürde, um in den Landtag zu kommen – anders als die NPD, die mit sechs Prozent zum zweiten Mal in Folge den Einzug in den Landtag schaffte.

OZ

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