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Helmut Klüter: Arndt ist ein Vater des Rechtspopulismus

Greifswald Helmut Klüter: Arndt ist ein Vater des Rechtspopulismus

Universität soll Namen ablegen und Texte der Internetseite löschen

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Professor Helmut Klüter. FOTO: PETER BINDER

Greifswald. . Für den Greifswalder Geographieprofessor Helmut Klüter ist Ernst Moritz Arndt „einer der Erfinder des modernen Fremdenhasses“. Rechtspopulismus weise „in Methodik, Themen und Tradition eine Entwicklung auf, die bisher wenig aufgearbeitet ist“, argumentiert Klüter. „Unter diesem Aspekt sind einige Arbeiten von Ernst Moritz Arndt höchst aktuell.“

Klüter hat seine Thesen auf der 24-Stunden-Vorlesung des Allgemeinen Studierendenausschusses in dem Vortrag „Ernst Moritz Arndt, Geopolitik und Rechtspopulismus“ entwickelt. Aus dem über 90-seitigen Manuskript wird in diesem Beitrag zitiert.

Der Professor war schon in der letzten Debatte um den Patron 2009/10 ein scharfer Kritiker Arndts und forderte vehement die Ablegung des Namens. Daran hält er fest und kritisiert die offizielle Darstellung der Hochschule im Internet. „Das, was heute auf der Arndt-Seite der Universität an unerträglicher Beschönigungs-, Beschwichtigungs- und Entschuldigungsliteratur für Arndt steht, ist in Wirklichkeit ein Ideologiebaukasten für Rechtspopulismus“, ist er überzeugt. Die Beiträge von Dirk Alvermann, Irmfried Garbe, Reinhard Bach, Karl-Ewald Tietz und Reinhart Staats müssten gelöscht werden.

„Mit seiner rechtsradikalen grandiosen Vereinfachung des Politischen auf wenige Stereotypen und deren völkisch-religiös verbrämter Projektion auf Administrativräume ist Arndt erschreckend modern“, sagte Klüter in seinem Vortrag. Um seine Thesen zu bestätigen, zitiert Klüter aus dem Werk Arndts. So schrieb dieser 1854: „Der Russe hat etwas ganz Eigentümliches, was sich sogleich als etwas Ungewöhnliches und Barbarisches ankündigt;... Deutsche wollet euch auf dieses Rohr, das an der Newa wächst, nicht stützen, fürchtet vielmehr die euch gefährlichen russischen Listen und Hinterlisten.

Dieses Volk ist keinem treu ergeben als sich selbst“. Ähnliche negative Wertungen finde man beispielsweise auch über Franzosen. Als Belege zieht Klüter vor allem späte Werke Arndts wie „Pro populo germanico“ (1854) und „Schriften für und an seine lieben Deutschen“ (1845) heran.

Klüter beruft sich für seine Folgerung, dass Arndts Werk rechtspopulistisch sei, auf sechs Kriterien des in Princeton (USA) wirkenden Professors für Politikwissenschaft Jan-Werner Müller aus dem Jahre 2016. Auch bei Arndt finde man unter anderem einen „symbolisch konstruierten Volksbegriff“, einen „antipluralistischen Alleinvertretungsanspruch“ und die „Exklusion unerwünschter Gruppen, unbequemer Eliten.“

„Der Image-Schaden, den die Universität durch ’ihren’ neuen Landtagsabgeordneten (gemeint ist der Juraprofessor Ralph Weber, die Red.) und durch die AfD-starke Umgebung in Verbindung mit Arndt als Universitätspatron erfährt“, sei noch nicht zu ermessen.

Der Professor für Regionale Geographie

Helmut Klüter (Jahrgang 1950) ist Inhaber des Lehrstuhls für Regionale Geographie an der Greifswalder Hochschule. Seine 1985 verteidigte Doktorarbeit trägt den Titel „Raum als Element sozialer Kommunikation“. 1990 habilitierte Klüter sich („Die Territorialen Produktionskomplexe in Sibirien. Ein Beitrag zur Perestrojka der regionalen Investitionspolitik in der Sowjetunion“) in Gießen. Seit 1994 ist Helmut Klüter an der Universität Greifswald Professor und hat sich hier intensiv für das Stadtmarketing und die Erstellung des Leitbildes der Hansestadt engagiert. Er ist ein heftiger Kritiker der Kreisgebietsreform von 2011 in Mecklenburg-Vorpommern und hat viel über die Geographie des Bundeslandes publiziert.

Helmut Klüter hat sich intensiv in die letzte Debatte um Ernst Moritz Arndt eingebracht (siehe zum Beispiel http://www.uniohnearndt.de/2010/01/klueter/)

Eckhard Oberdörfer

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