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Ja zu Sophi: WVG darf eigenen Pflegedienst gründen

Greifswalder Bürgerschaft: Deutliche Zustimmung nach monatelangen Diskussionen Ja zu Sophi: WVG darf eigenen Pflegedienst gründen

Der kommunale Sozial- und Pflegedienst soll ab April 2017 die ersten Patienten betreuen / Geschäftsführer Klaus-Peter Adomeit garantiert Tariflohn für die Mitarbeiter

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Zustimmung für die Sophi-Gründung: Die Fraktionen von SPD, Linke und Grünen sowie mehrere Vertreter der CDU votierten mit Ja. Fotos (3): Binder

Greifswald. Es ist die wichtigste Entscheidung des Stadtparlaments in diesem Jahr: Die kommunale Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft Greifswald (WVG) wird einen Sozial- und Pflegedienst (Sophi) gründen. Die Mehrheit der Bürgerschaftsmitglieder hat den Plänen von WVG-Geschäftsführer Klaus-Peter Adomeit während der Sitzung gestern Abend zugestimmt (25 Ja-, 11 Nein-Stimmen, 1 Enthaltung). Ein knappes Jahr lang wurde in den Gremien des Parlaments um ein Votum gerungen. Als Adomeit im Januar erstmals vor die Fachaussschüsse trat, hatte er längst nicht so viel Gegenwehr erwartet. Nach dem deutlichen Ja am gestrigen Abend war ihm die Erleichterung anzusehen. „Das ist ein Gewinn für die Mieter der WVG und die Greifswalder Bürger“, sagt Adomeit. Im Januar 2017 soll Sophi gegründet werden, im April die Arbeit aufnehmen. Ziel ist es, bis 2020 etwa 100 Patienten zu betreuen. Neben 16 Pflegekräften sind im Stellenplan drei Sozialarbeiter vorgesehen.

 

OZ-Bild

Die Bürgerschaft kann Einfluss auf die WVG und Sophi nehmen. Diese Möglichkeit werden wir nutzen.“Peter Multhauf, Linke

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Sophi wird ein hundertprozentiges Tochterunternehmen der Stadt. Die Menschen sollen nicht nur ambulant gepflegt werden, sondern auch Hilfe bei Problemen jeder Art bekommen. Dazu arbeiten die Pflegekräfte mit Sozialarbeitern im Team, tauschen sich über Sorgen der Patienten aus, bieten Hilfe bei Anträgen an. Auch wenn jemand Ärger mit dem Nachbarn hat oder wenn ein Kurierdienst benötigt wird, soll Sophi Ansprechpartner sein. So zumindest sieht die Vision von Adomeit aus.

Die größten Bedenken gab es von den Befürwortern des freien Marktes. „Die öffentliche Hand darf nur eingreifen, wenn der Markt nicht funktioniert. Wir haben eine funktionierenden Markt in der Pflege“, sagt Rainer Steffens (CDU). Als „ordnungspolitischen Unsinn“ bezeichnet André Bleckmann (FDP) das Vorhaben Sophi. Ganz anders sieht das Befürworter Andreas Kerath (SPD). „In der Branche ist kein Tariflohn üblich. Dabei leisten die Menschen eine schwere und verantwortungsvolle Arbeit“, sagt Kerath. Wenn Pflegekräfte zu Sophi wechseln, weil die Lohnbedingungen dort besser sind, sei das positiv für den Wettbewerb. „Viele Unternehmer hatten bei der Einführung des Mindestlohns den wirtschaftlichen Untergang des Abendlandes vorausgesagt. Aber das ist nicht passiert“, so Kerath weiter.

Auf Druck der Grünen-Fraktion garantierte Adomeit während der Sitzung, dass das Personal ab dem zweiten Geschäftsjahr nach dem Tarif des öffentlichen Dienstes bezahlt wird.

Die Linksfraktion nahm vor allem die Vorteile für die potenziellen Gepflegten in den Blick. „Idee von Sophi ist es, dass die älteren Mieter möglichst lange in ihrer Wohnung bleiben können. Das ist im Interesse sehr vieler Menschen“, sagt Marion Heinrich. Und weiter: „Dass die WVG durch weniger Umzüge Kosten spart, ist nicht anrüchig, sondern eine Win-Win-Situation für beide Seiten.“

Die Greifswalder Pflegedienste hatten der Entscheidung mit Spannung entgegengefiebert. Alle Gästeplätze im Bürgerschaftssaal waren besetzt. Jessica Mendle, die Geschäftsführerin des Pflegedienstes Ora Cura bedauert das Votum: „Wir werden sehen, was die Zukunft bringt. Ich mache mir Sorgen, dass die Bürger nicht richtig gepflegt werden.“

Neu im Präsidium: Luisa Heide und Thomas Mundt

Luisa Heide wurde gestern Abend zur ersten Vizepräsidentin der Bürgerschaft gewählt (23 Ja-, 14 Nein-Stimmen). Die 24-jährige SPD-Frau ist damit die jüngste Vizepräsidentin in der Geschichte des Greifswalder Stadtparlaments. Die Neuwahl ist erforderlich geworden, weil Wolfgang Joecks (SPD) im Alter von 63 Jahren am 9. August plötzlich verstorben war.

„Ich freue mich auf die neue Aufgabe“, sagt Heide nach der Wahl. Ihre Fraktion habe sie gefragt, ob sie für das Amt kandidieren würde. „Mir war schnell klar, dass ich das gerne machen möchte.“ Heide kommt gebürtig aus Wismar, studiert in Greifswald Politikwissenschaft und ist seit 2014 Mitglied der Bürgerschaft. Die Studentin ist außerdem Landesvorsitzende der SPD-Jugendorganisation Jusos. Sie wurde am vergangenen Wochenende zum zweiten Mal zur Chefin der Jusos gewählt.

Auch der zweite Stellvertreterposten im Präsidium musste neu vergeben werden, weil Antje Steveling (Kompetenz für Vorpommern) demnächst in Mutterschutz geht. Sie hat ihr Amt aus diesem Grund niedergelegt. Zum neuen zweiten Vize wählte die Bürgerschaft den CDU-Mann Thomas Mundt (26 Ja-, 10 Nein-Stimmen). Der 52-Jährige ist Inhaber der beiden Greifswalder Intersport-Läden, seit 22 Jahren Mitglied der Bürgerschaft und Vorsitzender des Finanzausschusses. Mit Mundts Wahl sind die Christdemokraten nach zwei Jahren Pause wieder im Präsidium vertreten. Nach der Bürgerschaftswahl im Mai 2014 hatte das linke Bündnis die CDU aus dem Präsidium gedrängt, obwohl sie die stärkste Fraktion im Parlament stellt. Die beiden CDU-Kandidaten Egbert Liskow für den Vorsitz und Rainer Steffens als Vize fielen damals durch. Stattdessen wurde Birgit Socher (Linke) zur Präsidentin gewählt. Gestern gab es keine Gegenkandidaten. kat

Katharina Degrassi

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