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Greifswald Lubmin: Grüne warnen vor Atom-Endlager durch die Hintertür
Vorpommern Greifswald Lubmin: Grüne warnen vor Atom-Endlager durch die Hintertür
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13:30 23.10.2015
Das ehemalige Kernkraftwerk in Lubmin: Hier werden 74 Castoren mit hochradioaktivem Atommüll gelagert. Soll ein Neubau die  Sicherheitsanforderungen zum Schutz vor Terrorangriffen erfüllen? Quelle: Hans Blossey
Schwerin

Aufregung bei Atomkraftgegnern in Mecklenburg-Vorpommern: Die Grünen im Landtag befürchten den Bau einer neuen Hochsicherheitshalle auf dem Gelände des atomaren Zwischenlagers in Lubmin bei Greifswald, die quasi ein Endlager durch die Hintertür wäre. Dort lagern unter anderem 74 Castor-Behälter mit hochradioaktiven Abfällen. Grünen-Fraktionschef Jürgen Suhr warnt vor einem „Zwischenlager mit Endlagercharakteristik“. Das Bundesamt für Strahlenschutz hält einen Neubau für eine Option. Die Energiewerke Nord (EWN) GmbH als Betreiber hält sich bedeckt.

Bis 2016 muss EWN bei der Sicherheit nachrüsten. Vor vier Jahren erhielten alle 15 Atomlager in Deutschland den Auftrag, ihre Castoren besser gegen mögliche Terrorangriffe zu schützen. An anderen Standorten sind hohe Stahlbetonmauern um die Castoren-Gebäude errichtet worden. EWN zog seinen 2011 eingereichten Antrag jedoch Ende Juni überraschend zurück. Seitdem herrscht Funkstille.

„Die Energiewerke Nord müssen die Karten auf den Tisch legen und der Öffentlichkeit erklären, was sie mit dem Zwischenlager Nord in Lubmin vorhaben“, fordert Suhr. Es wäre nicht hinnehmbar, „wenn jetzt über ein neues Antragsverfahren Bedingungen geschaffen werden, die aus Lubmin ein Zwischenlager mit Endlagercharakteristik machen“. Die Grünen haben jetzt eine umfangreiche Anfrage zum Thema im Landtag eingereicht und fordern Aufklärung.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) drängt: Man erwarte von EWN „die Vorlage prüffähiger und vollständiger Unterlagen“, so Sprecherin Monika Hotopp. „Dem BfS liegen weder ein Antrag noch Erkenntnisse zu einem neuen Sicherungskonzept vor.“ Auch eine neue Halle wäre denkbar, bestätigt Hotopp. Grundsätzlich könnte EWN die Anforderungen auf verschiedenen Wegen erfüllen, „die von Nachrüstungen einer bestehenden Halle bis zu einem Neubau reichen“. EWN liege für Lubmin eine Genehmigung des BfS für die Lagerung von Kernbrennstoffen nach dem Atomgesetz vor. Die Aufsicht darüber hat das Innenministerium MV. Dort sah sich am Dienstag zu einer Einschätzung nicht in der Lage. Betreiber EWN antwortet nur begrenzt auf eine OZ-Anfrage. Sanierung oder Neubau einer Castor-Halle? „Es sind mehrere Varianten im Gespräch“, so Sprecherin Marlies Philipp. Welche das sind, dazu gibt es derzeit keine Auskunft. Das Unternehmen habe im Juli den Antrag zurückgezogen, da es „zusätzliche Aspekte“ gebe, „die eine grundlegende Überarbeitung der Konzeption erforderlich machen“. Das hohe Sicherheitsniveau sei durch „temporäre Maßnahmen“ gewährleistet. Der Antrag werde „neu eingereicht“. Die Kernfrage, ob ein endlagerfähiger Neubau entstehen könnte, beantwortet ENW nicht.



Pubantz, Frank

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