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„Manche denken, ich bin noch im Dienst“

„Manche denken, ich bin noch im Dienst“

14 Jahre war Arthur König (CDU) Greifswalds Oberbürgermeister / Vor zwei Jahren ging er in Rente

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Arthur König (66) wurde in Gardelegen (Altmark) geboren. Nach dem Abitur machte er eine Ausbildung zum Maschinenbauer, studierte von 1969 bis 1973 in Greifswald Physik, promovierte anschließend und wurde wissenschaftlicher Mitarbeiter. 1990 wurde er für die CDU in die Bürgerschaft gewählt, war von 1994 bis 2001 CDU-Fraktionschef. Von 1998 bis 2001 war er Landtagsabgeordneter, bevor er im Juli zum Oberbürgermeister gewählt wurde.

Quelle: Foto: Degrassi

Sie sind jetzt seit zwei Jahren im Ruhestand. Was vermissen Sie aus Ihrer Zeit als Oberbürgermeister?

Arthur König: In der ersten Zeit war es schon ungewohnt. Von einem Tag auf den anderen ist man komplett raus. Die Termine, die Gespräche mit den Mitarbeitern, das vermisse ich. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt. Trotzdem freue ich mich sehr, dass mich noch viele Leute ansprechen, Vertrauen zu mir haben. Manche denken sogar, ich bin noch im Dienst. Da muss ich dann sagen, dass ihre Anliegen jetzt an eine andere Stelle gehören.

Was war rückblickend Ihre schwierigste Zeit als Oberbürgermeister?

Jedes Jahr hatte seine besonderen Herausforderungen. Ich war kaum vier Wochen im Amt, da musste ich schon die erste Haushaltssperre verhängen. Damals hat die Landesregierung die Finanzmittel stark zusammengestrichen. Greifswald geriet sehr schnell in ein finanzielles Defizit. Damit waren wir nicht allein, so erging es auch vielen Kommunen im Land. Bis 2004 hatten wir einen Fehlbetrag von 20 Millionen Euro. Die abzubauen, hat einige Zeit gedauert, es mussten Haushaltskonsolidierungskonzepte erarbeitet werden. Rückblickend bin ich froh, dass uns dieser Prozess ganz ordentlich gelungen ist, auch durch den Lohnverzicht der Mitarbeiter. Meinem Nachfolger habe ich damit eine gut aufgestellte Verwaltung und ein solides Fundament hinterlassen.

Welches Ereignis ist Ihnen besonders positiv in Erinnerung geblieben?

Das war der einstimmige Beschluss der Bürgerschaft zur Namenserweiterung unserer Stadt. Seit 2004 heißt Greifswald Universitäts- und Hansestadt. Der jetzige Name trifft es: Weltoffenheit, Tradition und Moderne.

Um als Oberbürgermeister Entscheidungen zu treffen, waren Sie auf die Zustimmung der Bürgerschaft angewiesen. Als Sie 2001 OB wurden, hatten Sie eine stabile CDU-Mehrheit. Diese wurde über die Jahre immer dünner. Wie war das?

Es ist deutlich einfacher, mit einer stabilen Mehrheit zu regieren und Entscheidungen durch die Bürgerschaft zu bekommen. Bei wechselnden Mehrheiten, die ich den längsten Teil meiner Amtszeit über hatte, musste ich sehen, wie die Verwaltung und natürlich auch der OB die notwendige Mehrheit erreichte. Bei allen wichtigen Entscheidungen ist uns das wohl auch gelungen.

Heute wird wieder viel über den Hafen Ladebow diskutiert. Der war auch in Ihrer Amtszeit immer wieder umstritten?

Ich halte die Ausrichtung auf einen Hafen mit maritimen Gewerbe nach wie vor für sinnvoll, auch das Gleis zu erneuern, war richtig. Ich freue mich, dass sich Michael Schmidt mit seiner Yachtbau GmbH dort angesiedelt hat.

Im Gespräch war auch immer wieder die Vision einer Weißen Stadt am Meer.

Die weiße Stadt am Meer würde ich eher der Kategorie Utopie zuordnen. Ich sehe dafür zurzeit keine reale Grundlage. Greifswald ist nicht groß genug. Der leichte Zuzug, den wir seit Jahren haben, reicht nicht, um dort einen kompletten Stadtteil neu zu entwickeln. Außerdem würde das infrastrukturmäßig Probleme mit sich bringen. Für Bauwillige gibt es andere Gebiete, die weit besser geeignet und attraktiv sind. Für die stärkere Auslastung des Gleises könnte ich mir durchaus eine touristische Nutzung vorstellen. Zum Beispiel mit der Dampflok vom Bahnhof über den Museumshafen zum Fischerfest.

Die Umschlagzahlen im Hafen sind schlecht und werden durch die fehlende Wassertiefe verschärft. Die kritischen Stimmen werden wieder lauter

Ausbaggerungen waren auch in meiner Amtszeit notwendig. Da geht es auch immer um die Frage, wer das zahlt. Um solche Probleme zu lösen, ist es von Vorteil, wenn man gut vernetzt ist. Mein kurzes Intermezzo als Landtagsabgeordneter von 1998 bis 2001 war von Vorteil, weil ich viele Entscheidungsträger persönlich kannte. Politik wird nach wie vor von Menschen gemacht und da schaden Vertrauen und gute Kontakte nicht. Das zeigte sich auch bei der Einwerbung von Sonderbedarfszuweisungen, wie beim Bau des Stadthauses und der Feuerwehr in der Wolgaster Straße.

Es gab auch Kritik an Entscheidungen aus Ihrer Amtszeit.

Mit Entscheidungen, die man als Oberbürgermeister treffen muss, sind in der Regel selten alle einverstanden. Man muss überzeugt sein von dem, was man tut und muss dafür werben und vielleicht auch mal Widerstände aushalten. In den 90er Jahren gab es vehemente Proteste gegen den Bau einer Tiefgarage auf dem Markt. Damals war ich Vorsitzender der CDU-Fraktion. Heute meinen nur noch ganz wenige Menschen, wir brauchen keine Tiefgarage am Markt. Am Anfang eines Entscheidungsprozesses gibt es häufig eine diffuse Angst vor Neuerungen und Veränderungen. Das war auch beim Museumshafen so. Für die Stufen und die Fußgängerbrücke über den Ryck wurden ich kritisiert. Heute ist der Museumshafen einer der beliebtesten Orte in Greifswald, besonders für junge Menschen. Und das könnte ich noch für die Wallanlagen, den Bahnhofsvorplatz und den Busbahnhof sagen und noch weitere Dinge aufzählen.

Wie stehen Sie zum Staatssekretär Vorpommern?

Das Vorpommern mehr Aufmerksamkeit durch die Landesregierung verdient hat, ist unstrittig, aber nicht neu. Ob der jetzt gewählte Weg, die Einsetzung eines Staatssekretärs der richtige ist, würde ich stark hinterfragen. Patrick Dahlemann als Person schätze ich. Die Installierung eines Staatssekretärs mit dem Apparat dazu halte ich für wenig hilfreich und zielführend.

Warum?

Wir haben also in Vorpommern kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem. Es haperte damals an der Umsetzung und die scheiterte an den Finanzen. Ich glaube, da hat sich seitdem nicht viel geändert. Im Amt für Raumordnung- und Regionalplanung und Landesentwicklung gibt es etliche Gutachten über die Demographie, die ärztliche Versorgung, die Bahnanbindung, die Schulentwicklung. Daraus sollte eine Strategie oder wenigstens ein Handlungskonzept für unsere Region entwickelt werden. Das sehe ich leider zur Zeit nicht. Nur Anlaufstelle für Sorgen zu sein und drei Millionen Euro an Projekte in Vorpommern zu verteilen, das reicht nicht.

Sie haben sich sehr engagiert in der Debatte um den Namenspatron der Uni Greifswald. Nun gibt es einen neuen Antrag, den Namen abzulegen. Warum soll die Uni Ihrer Meinung nach weiter Ernst Moritz Arndt Universität heißen?

Das hat auch persönliche Gründe. Ich bin 1969 aus der Altmark nach Greifswald gekommen, habe hier Physik an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität studiert. Ich habe die längste Zeit meiner beruflichen Tätigkeit an der Universität verbracht. Ich sehe auch keinen triftigen Grund, warum man den Namen ablegen müsste. Er ist weder ein Problem beim Einwerben von Drittmitteln noch beim Besetzen von Professorenstellen und auch für das Anwerben von wissenschaftlichen Mitarbeitern. In diesem Diskussionsprozess würde uns allen etwas mehr Gelassenheit guttun.

Ist eine solche Diskussion wichtig für die Demokratie? Oder eher überflüssig?

Über Arndt sollte man diskutieren. Es ist wichtig, alle Facetten seiner Persönlichkeit und seines Wirkens zu beleuchten, auch seinen Antisemitismus und übersteigerten Nationalismus. Die Debatte über die Namensablegung neu anzustoßen, halte ich für nicht notwendig. Es gibt dabei keine Gewinner, sondern nur Verlierer. Wir würden alle verlieren, aber eine umfassende Diskussion um Arndt sollte geführt werden, gerade im Hinblick auf sein Jubiläum, den 250. Geburtstag 2019. In so einem Diskussionsprozess könnte man auch die Beziehung zwischen Arndt und Caspar David Friedrich ausleuchten.

Friedrich stand mit von Kleist, Arndt und Jahn in der Ablehnung der französischen Fremdherrschaft an einer Seite. Kann es für Arndt eine stärkere Würdigung geben als in einem Gemälde von Caspar David Friedrich „Huttens Grab“ mit seinen Initialen verewigt zu sein? Neben Arndt wurde diese Ehre Jahn, vom Stein, Görres und Scharnhost zuteil. Interview von Katharina Degrassi

OZ

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