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Neue Grundschule: Stadt baut teuerste Variante

Greifswald Neue Grundschule: Stadt baut teuerste Variante

Die neue Grundschule in der Stadtrandsiedlung mit Hort und Zweifeldsporthalle soll nach Schätzungen der Stadtverwaltung 22,4 Millionen Euro kosten. Zwölf Millionen Euro sollen aus dem städischen Haushalt kommen. Die Eröffnung ist für 2022 geplant.

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An der Osnabrücker Straße im neuen Baugebiet Verlängerte Scharnhorststraße soll die neue Grundschule gebaut werden. Der exakte Standort steht noch nicht fest.

Quelle: Peter Binder

Greifswald. An der Osnabrücker Straße soll bis zum Schuljahresbeginn 2022 eine Grundschule mit Orientierungsstufe entstehen, die den Inklusionstandards entspricht, einen Hort hat und eine Zweifeldsporthalle. Das hat die Bürgerschaft mit deutlicher Mehrheit entschieden. Hierfür plant die Stadt derzeit mit Kosten in Höhe von 22,4 Millionen Euro. 17,3 Millionen Euro entfallen auf Schule und Hort, 5,1 Millionen Euro auf die Sporthalle. Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) warb zuvor intensiv für die Zustimmung zu dieser teuersten von insgesamt vier Varianten. Diese setzt sich mit den Stimmen der Fraktionen Die Linke, SPD, Grüne/Forum 17.4 und Kompetenz für Vorpommern durch. 22,4 Millionen Euro – warum so viel?

Kostenfaktor 1: Orientierungsstufe

Dank einer Orientierungsstufe müssen die Schüler nicht nach Klasse 4 an eine Regionalschule wechseln, sondern können im selben Gebäude noch in Klasse 5 und 6 gemeinsam lernen. Wichtigstes Argument von Fassbinder für diese Variante: „Wir gewinnen damit zwei Jahre Zeit, denn wir wissen sonst nicht, wohin mit den Schülern.“ Fest stehe bereits heute, dass Greifswald zusätzlich eine komplette Regionalschule benötigt. „Die weiteren Planungen sind derzeit noch schwierig“, sagt er.

Beispielsweise könnte eine Regionalschule in die Hans-Beimler-Straße ziehen, wenn der Landkreis in einigen Jahren das Gebäude leerzieht. Ob und wann das passiert, steht derzeit jedoch nicht fest. Auch die Pestalozzischule könnte perspektivisch als Regionalschule zur Verfügung stehen. Die Orientierungsstufe an der Osnabrücker Straße soll die Zeit der Ungewissheit überbrücken und vielleicht sogar zu einem kompletten Schulcampus bis Klasse 10 ausgebaut werden, wie SPD und Grüne hoffen.

Fakt ist jedoch auch, dass eine Grundschule mit Orientierungsstufe eine absolute Ausnahme im Schulgesetz darstellt, eine Genehmigung zwar avisiert wurde, aber nicht vorliegt. Die größte Bürgerschaftsfraktion spricht sich deswegen dagegen aus: „Wir wollen diese Unwägbarkeiten nicht mitgehen, keine Experimente. Wir brauchen die Schule schnell“, sagt CDU-Fraktionschef Axel Hochschild. Er sorgt sich, dass es durch eine mögliche Nichtgenehmigung zu Bauverzögerungen kommt. Besonders kritisch sieht er die hohen Kosten: „Was hier durchgedrückt werden soll, ist nur schwerlich finanzierbar. Jeder private Bauherr guckt vorher ins Portemonnaie“, sagt Hochschild. Die Mehrkosten für die Orientierungsstufen betragen 3,3 Millionen Euro. Ulf Burmeister, Schulleiter des Humboldtgymnasiums und Bürgerschaftsmitglied der Bürgerliste, sieht die Erweiterung um eine Orientierungsstufe aus pädagogischen Gründen kritisch. „Ab Klasse 5 werden Fachlehrer benötigt für Mathe, Biologie, Informatik, Englisch und all die anderen Fächer. Das geht in größeren Einheiten sehr viel besser“, sagt Burmeister. Er hat ausgerechnet, dass das Stundenkontingent die Stelle genau eines Mathematiklehrers rechtfertigt. „Was machen wir, wenn der krank wird?“, verdeutlicht der Schulleiter Probleme, die Verwaltung und Befürworter aus seiner Sicht ausblenden.

Kostenfaktor 2: Inklusion

„Es wäre sträflich, wenn wir den Inklusionsbedarf beim Neubau nicht einkalkulieren“, sagt Fassbinder. Das Gesetz sieht vor, dass künftig Kinder mit geistigen und körperlichen Behinderungen sowie sozialen Auffälligkeiten nicht mehr an Förderschulen, sondern an Regelschulen unterrichtet werden sollen. Diese Inklusion erfordere größere Klassenzimmer, damit Platz für Integrationshelfer und eine individuelle Betreuung im Unterricht sei. Der Inklusionsbau sieht demnach 2,4 Quadratmeter Platz pro Kind vor, während die klassische Variante mit 1,9 Quadratmetern Platz pro Kind auskommt. Es entstehen Mehrkosten in Höhe von 700.000 Euro. „Wenn wir neu bauen, müssen wir es zukunftsfähig machen. Auch wenn das die teuerste Variante ist. Unsere Kinder müssen uns das einfach wert sein“, sagt Marion Heinrich, Bürgerschaftsmitglied der Linksfraktion. Unterstützung für die Inklusion gibt es nach anfänglichen Bedenken auch bei der CDU.

Kostenfaktor 3: Zweifeldsporthalle

Strittig war zudem, ob in der Stadtrandsiedlung eine Einfeld- oder eine Zweifeldhalle gebaut wird. „Es gibt bislang keine öffentlichen Sportflächen in der Stadtrandsiedlung. Die Halle könnte nach dem Unterricht von Vereinen genutzt werden“, sagt OB Fassbinder und weist darauf hin, dass der Bedarf nach Analyse des Stadtsportbundes groß sei. Die Mehrkosten liegen bei 2,3 Millionen Euro. CDU, Bürgerliste und FDP lehnen die Zweifeld-Variante aus Kostengründen ab.

Kostenfaktor 4: Ungünstiger Baugrund

Immer wieder mal haben Mitglieder von CDU, Bürgerliste und FDP auf die hohen Kosten durch den schlechten Baugrund hingewiesen. „Ich halte den Standort für falsch“, sagte Ulf Burmeister erneut am Montagabend. „Wir geben dort Geld für etwas aus, das nicht den Schülern zugute kommt.“ Nach Angaben der Stadtverwaltung ist für den Bau der Schule eine Pfahlgründung notwendig. „Die erforderliche Tiefe muss erst durch Baugrundgutachten und die Planung geklärt werden“, sagt Stadtsprecherin Andrea Reimann. Die bislang eingeplanten Mehrkosten im Vergleich zu einem Bau ohne Pfähle betragen 450.000 Euro. Die Qualität des Baugrundes sei „schlecht“. Genaueres müsse erst ermittelt werden.

Katharina Degrassi

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