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Poller-Drama kostet fast 200 000 Euro

Greifswald Poller-Drama kostet fast 200 000 Euro

Die Anlage auf der Wiecker Brücke ist ein Verlustgeschäft. Die Ausgaben übersteigen längst die Einnahmen.

Greifswald. Für den jüngsten Unfall auf der Wiecker Brücke muss die Stadt mal wieder zahlen. 5600 Euro kosten die Reparaturarbeiten am Super-Poller. Ein Anspruch auf Regress soll nicht bestehen, sagt Norbert Braun von der Bürgerschaftsfraktion der SPD. Und ob der Unfallverursacher das Geld erstattet, ist noch unklar.

Dabei haben die Greifswalder rund 120 000 Euro investiert, damit sie genau das nicht mehr tun müssen: weiteres Geld ausgeben und weitere Prozesse führen. Doch die Kosten schießen weiter in die Höhe. Daran kann auch der Super-Poller nichts ändern. Er sollte eigentlich unkaputtbar sein — am Ende hielt er gerade einmal fünf Wochen.

184 000 Euro hat die Anlage auf der Wiecker Brücke seit Dezember 2010 verschlungen. Neben dem Stahlstempel sind fünf Ampeln, sechs Schilder und drei Kameras installiert worden. Im gleichen Zeitraum nahm die Stadt durch die Überfahrt-Gebühren lediglich 29 000 Euro ein, auch weil die Brücke durch die Poller-Ausfälle oft kostenlos befahrbar war. Immerhin konnte die Stadt über den Anspruch auf Schadensersatz 51 000 Euro von Unfallverursachern eintreiben. Stefan Fassbinder, Fraktionschef der Grünen, ist das jedoch noch zu wenig: „Es muss auch möglich sein, entgangene Einnahmen einzuklagen.“

Der Poller soll eigentlich verhindern, dass zu viele Fahrzeuge die Brücke passieren und das Bauwerk zu stark belasten. Zudem soll durch die Gebühren Geld eingetrieben werden, um die durch die Benutzung anfallenden Sanierungskosten des Denkmals zu bezahlen. Eine Überfahrt kostet 50 Cent. Für Axel Hochschild von der CDU-Fraktion ist klar: „Der Poller darf kein Verlustgeschäft sein.“ Doch das ist er offenkundig.

Ende 2010 war auch deshalb eine neue Anlage auf der Klappbrücke installiert worden, um mehr Geld einzunehmen. Bis dahin hatte der Ur-Poller zwar unfallfrei funktioniert. Doch viele Schwarzfahrer nutzten die Schwäche der alten Anlage, die nur langsam und spät aus dem Boden nach oben kam. Sie warteten, bis ein Auto mit Berechtigung die Brücke überquerte und rauschten kostenfrei hinterher. Der Stadt seien dadurch angeblich hohe Einnahmen entgangen.

Torsten Hoebel, Fraktionschef der FDP in der Bürgerschaft, geht von einem sechsstelligen Betrag aus, der bei einem regulären Poller-Verkehr jährlich erzielt werden könne. Die Stadt rechnet mit 150

000 Überfahrten, die 75 000 Euro bringen würden. Auf die vergangenen zweieinhalb Jahre hochgerechnet, würde das eine ausgeglichene Bilanz ergeben. Einen reibungslosen Ablauf hält SPD-Politiker Braun jedoch auch in Zukunft für unwahrscheinlich: „Wir müssen uns darauf einstellen, dass es wieder zu Problemen kommt.“

Aktivist Sebastian Heiden hat derweil eine Online-Petition mit dem Titel „Ja zum Ryck-Tunnel“ gestartet. Gleichzeitig wurden Unterschriftenlisten verteilt, die nach der Sommerpause der Bürgerschaft vorgelegt werden sollen. Heidens Vision: Eine Unterführung unter dem Ryck führt von Greifswald mit einer Ost-West-Achse in Richtung Neuenkirchen.

Mit dem Tunnel könnte das Poller-Problem an Brisanz verlieren. Die rund 900 Autofahrer aus Wieck und Ladebow stünden einer Brückensperrung dann wohl aufgeschlossen gegenüber, weil sie durch die Unterführung rasch in die Stadt gelangten. Knackpunkt: Der Bau würde rund 30 Millionen Euro kosten...

 

André Wornowski

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Greifswald
Mitarbeiter der Greifswalder Firma Innovent bauen den 800 Kilogramm schweren Stahlstempel von der Wiecker Brücke ab.

Dem Super-Poller auf der Wiecker Überführung in Greifswald droht das Aus. Nachdem der neue Stahlstempel repariert werden muss, werden andere Lösungen gesucht.

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