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Professor für hohe Steuern auf zuckerhaltige Getränke

Karlsburg Professor für hohe Steuern auf zuckerhaltige Getränke

OZ-Interview mit dem Karlsburger Diabetesspezialisten Wolfgang Kerner

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Manche Patienten empfinden viel Gemüse zu essen als Strafe.Wolfgang Kerner, Professor

Karlsburg. Professor Wolfgang Kerner ist der Direktor der Klinik für Diabetes und Stoffwechselkrankheiten am Klinikum Karlsburg.

Diabetes Typ 2 ist eine Wohlstandskrankheit. Wie besiegen wir ihn, ohne unseren Wohlstand aufzugeben?

Wolfgang Kerner: Gar nicht. Nur Hungersnöte können den Diabetes Typ 2 besiegen. Ein gewisser Prozentsatz der Menschen scheint die genetische Veranlagung zu haben, einen Diabetes zu entwickeln, wenn Nahrungsmittel im Überfluss vorhanden sind und sie sich zu wenig bewegen. Die Zahl der Menschen mit Diabetes wird nur sinken, wenn wir uns mehr bewegen und gesünder essen. Die Familiengeschichte ist aussagekräftig: Wenn beide Elternteile die Diagnose Diabetes erhielten, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, selbst zu erkranken. Erst recht, wenn Übergewicht bereits vorhanden ist. Allerdings bekommen manche Fettleibige keine Zuckerkrankheit. Wie die genetische Veranlagung funktioniert, wissen wir noch nicht.

Sie empfehlen „Mittelmeerkost“: Viel Gemüse, Obst, Olivenöl, Fisch und Geflügel. In Italien wird das Essen zelebriert, mit Familie, Freunden und viel Zeit. Wie wenig Fleisch sollte man essen und wie wichtig ist es, sich Zeit zu nehmen und nicht alleine zu essen?

Auf das Gemüse, Obst und wenig Fleisch kommt es an – nicht auf die Region. Vollkornprodukte sind empfehlenswert, die werden im Mittelmeerraum aber nicht häufig gegessen. Fleisch gehört nicht jeden Tag auf den Tisch. In der Praxis zeigt sich, dass Patienten es manchmal als Strafe empfinden, wenn sie viel Gemüse bekommen. Es schmeckt ihnen nicht, weil sie es nicht gewohnt sind. Das sind anerzogene Gewohnheiten, die schwer abzulegen sind.

Hauptsächlich sollte Olivenöl verwendet werden. Zu Ihrer Frage nach dem gemeinsamen Essen kann ich sagen, dass ich keine Studie kenne, mir aber sicher bin, dass gemeinsames Essen für ausgewogenes Essen sorgt. Das Gespräch steht im Mittelpunkt. Das Gericht wird nicht innerhalb von zehn Minuten verschlungen, es wird weniger gegessen.

Sollten zuckerhaltige Getränke mit Steuern belegt werden?

Es ärgert mich, dass die Industrie Billigzucker, der aus Malz hergestellt wird, in Pizzen, Joghurts und Getränken verarbeitet. Das ist vollkommen überflüssig, ein Wahnsinn! Sie brauchen für eine Pizza keine vier Stück Würfelzucker. Verstehen Sie bitte: Ein halber Liter Fanta Orange enthält 46 Gramm Zucker. In Deutschland konsumiert jeder Mensch ca. 90 Gramm pro Tag. 25 Gramm sind das eigentliche Maximum. Es ist ein Irrwitz. Ein Beispiel: Wenn wir im Klinikum testen, ob jemand einen Diabetes hat, führen wir ihm 75 Gramm Zucker zu. Das ist eigentlich eine schwere Belastung für den Körper. Viele trinken diese Menge jeden Tag.

Ich bin kein Freund von Regulierungen, aber in diesem Fall sollte es eine saftige Steuer geben. Allerdings wird das nicht passieren, weil eine riesige Lobby hinter der Zuckerindustrie steht. Hoffnung macht, dass viele Menschen schnell von zuckerhaltigen Getränken loskommen, wenn sie darüber informiert werden.

Sollten die Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung an Schulen verpflichtend eingeführt werden?

Für die Schulverpflegung gibt es seit langem die Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, die empfehlenden Charakter haben. Viele Schulküchen orientieren sich daran. Es lässt sich nicht alles reglementieren und kontrollieren. Das Wichtigste ist die Aufklärung der Bevölkerung.

Sehen Sie die Möglichkeit, Typ 1 Diabetes in Zukunft zu heilen?

Bislang gibt es keine Heilungschancen für Typ-1-Diabetes. Die Forschung hat sich dieser Aufgabe aber seit Jahrzehnten verschrieben und verfolgt unterschiedlichste wissenschaftliche Ansätze. Am vielversprechendsten erscheint mir die Möglichkeit, durch Stammzellen die körpereigene Insulinproduktion zu reaktivieren. Über einen Zeitrahmen mag ich nicht spekulieren.

Christopher Gottschalk

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