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Sieben auf einen Streich

Greifswald Sieben auf einen Streich

Aus Vorpommern-Greifswald haben sieben AfD-Männer den Sprung in den Landtag geschafft

Greifswald. Nirgends hat die Alternative für Deutschland so viele Stimmen erhalten wie in Vorpommern-Greifswald. Hier ergatterte die AfD die drei einzigen Direktmandate.

Insgesamt ziehen sieben AfD-Kandidaten aus dem Kreis in den Landtag ein. Derart zahlreich war die Region noch nie im Schweriner Parlament vertreten.

„Ich kann es selbst noch nicht richtig fassen, dass es alle Kandidaten aus Vorpommern-Greifswald tatsächlich geschafft haben“, sagt der AfD-Kreisvorsitzende Sandro Hersel. Der Steuerfachangestellte aus Greifswald ist einer von ihnen. Seinem Arbeitgeber hat er längst mitgeteilt, dass er zum Monatsende kündigen wird. Neben Hersel schafften auch Nikolaus Kramer, Gunter Jess und Stephan Reuken den Sprung ins Parlament über die Landesliste.

Es ist wohl kein Zufall, dass besonders viele Menschen im strukturschwachen Osten des Landes die AfD gewählt haben. Sie ist das Auffangbecken jener Menschen, die sich in der Gesellschaft abgehängt fühlen und von den etablierten Parteien nicht vertreten. Die Schließung mehrerer Stationen im Kreiskrankenhaus Wolgast ist für den AfD-Mann Ralph Weber das beste Beispiel dafür, wie die Regierung an den Bedürfnissen der Menschen vorbeientscheidet. Der Greifswalder Juraprofessor will diesen Schritt rückgängig machen, hat im Wahlkampf vehement Stimmung gemacht und dafür 35,3 Prozent der Erststimmen im Wahlkreis 30 (Amt Lubmin, Insel Usedom) erhalten. Damit erreichte er eines der besten Erststimmenergebnisse im gesamten Land. Bessere Werte schafften nur vier SPD-Politiker (Erwin Sellering, Till Backhaus, Birgit Hesse, Rainer Albrecht). „Wir werden Druck durch die Wahlbevölkerung auf die Regierenden ausüben“, so Weber. „Es kann nicht sein, dass Schwangere von der Insel bis nach Anklam oder Greifswald fahren müssen“, meint er. Sein Vorbild ist die Oppositionsarbeit der FPÖ in Österreich. „Die FPÖ treibt die rot-schwarze Regierung vor sich her“, sagt Weber. Auch er will die hiesige Landesregierung zwingen, bestimmte Beschlüsse zu revidieren.

Wenn Mignon Schwenke (Linke) hört, wie Weber das Kreiskrankenhaus retten will, steigt die Wut in ihr auf. „Wir haben von Anfang an gegen die Schließung gekämpft. Da brauchen wir keine Nachhilfe von der AfD“, schimpft Schwenke, die über die Landesliste erneut in den Schweriner Landtag einzieht. Sie muss anerkennen, dass die Menschen der AfD offenbar eher glauben, während die Linkspartei mit ihren sozialen Themen von den Menschen nicht mehr wahrgenommen wird. „Das ist frustrierend“, sagt Schwenke. Warum ausgerechnet Weber so viel Stimmen erhielt, ist ihr unbegreiflich. Er stehe mit seinen Äußerungen gegen Flüchtlinge offen für Rassismus. „Das stößt mich ab“, sagt Schwenke. Sie lehnt es ab, mit der AfD zusammenzuarbeiten. „Wir werden uns inhaltlich mit ihr auseinandersetzen.“

Ressentiments auf Seiten der Linken gegen die AfD spürt Nikolaus Kramer ganz grundsätzlich. „Dabei haben wir vom Parteiprogramm her die größten Schnittmengen mit den Linken“, sagt Kramer. Der Greifswalder Polizist zieht über die AfD-Landesliste in den Landtag ein. Beim Kampf um das Direktmandat in der Kreisstadt landete er hinter Christian Pegel (SPD, 28 Prozent) und Egbert Liskow (CDU, 21 Prozent) auf Platz drei und damit vor Mignon Schwenke (Linke). „Ich bin stolz darauf, was ich erreicht habe“, sagt Kramer. Er sei immerhin noch ein Neuling in der Politik, seit 2014 sitzt er in der Bürgerschaft.

Viele andere AfD-Männer waren früher Mitglieder in der CDU, traten aus, weil sie mit dem Kurs der Christdemokraten nicht mehr einverstanden waren. Zu ihnen zählen auch Gunter Jess und Matthias Manthei. Beide gehören zum neuen Landtag, sind bereits im Kreistag aktiv. Dort sorgten sie für Unmut, weil sie Anträge der rechtsextremen NPD unterstützten. Diese wird im neuen Landtag zwar nicht vertreten sein. Trotzdem stellt Matthias Manthei klar: „Wir werden alle Anträge ohne Ideologie prüfen. Wir werden keine Beschlussvorlage ablehnen, nur weil sie von einer bestimmten Partei kommt.“ Der in Wackerow lebende Richter holte das Direktmandat im Wahlkreis 29 (Amt Landhagen, Amt Züssow, Amt Anklam Land, Anklam) mit 31,9 Prozent.

Katharina Degrassi

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