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Ukrainer wollen schnell Fuß fassen

Greifswald Ukrainer wollen schnell Fuß fassen

Der Integrationsbeauftragte Ibrahim Al-Najjar lobt ihr Engagement / Jobsuche verläuft erfolgreich

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Ibrahim Al Najjar freut sich mit Russisch-Dolmetscherin Jana Löhrmann und den Schwestern Polina und Katerina Tiurina (von links) über die erreichten Erfolge. Elena Goworkjan hat die leckere Torte mitgebracht.

Quelle: Eckhard Oberdörfer

Greifswald. Die hansestädtischen Ukrainer schreiben eine Erfolgsgeschichte der Integration. „Sie wollen eigenes Geld verdienen und suchen sofort Arbeit, um ihre Familie zu ernähren und wollen schnellstmöglich Deutsch lernen“, sagt Ibrahim Al Najjar. „Sie wünschen sich sehr, von unserer Gesellschaft aufgenommen zu werden.“ Alle 2015 nach Greifswald gekommenen Flüchtlinge aus dem osteuropäischen Bürgerkriegsland seien mit seiner Hilfe in Lohn und Brot gekommen, erzählt Al Najjar.

Der 47-Jährige ist der ehrenamtliche Integrationsbeauftragte des Landkreises und arbeitet aktiv im Netzwerk Vorpommern für Migration. Im Hauptberuf ist Al Najjar Geschäftsführer der Deutschen Arabischen Medizinischen Gesellschaft in Greifswald. Sein Team aus Betreuerinnen und Pädagoginnen hilft dezentral, also in Wohnungen untergebrachten Flüchtlingen, mit Beratung, als Übersetzer, mit Schreiben, E-Mails, Telefonaten, Vermittlung von Praktika und Jobs sowie der Vermittlung von Paten.

Obwohl die Ukrainer keinen anerkannten Status als Asylbewerber hätten, engagierten sie sich häufig ehrenamtlich oder übten eine gemeinnützige Tätigkeit als Ein-Euro-Jobber aus, beispielsweise in der Kleiderkammer. „Sie bemühen sich sofort um ein ihrer Qualifikation entsprechendes Praktikum oder eine Ausbildung“, beschreibt der Integrationsbeauftragte. Vielleicht sei diese Haltung auf die Kultur zurückzuführen, aus der sie kommen oder ihre Religion, mutmaßt Al Najjar.

Die Ausländerbehörde und das Sozialamt des Kreises würden unkompliziert helfen und seien sehr kooperativ, lobt er. Dabei sei die Startposition der Ukrainer auf dem Arbeitsmarkt alles andere als gut.

Die Ukrainer brauchen eine Genehmigung der Ausländerbehörde und bekommen den Job nur, wenn für eine offene Stelle kein Deutscher oder EU-Bürger zur Verfügung steht. Das begrenzt die Möglichkeiten.

„Drei Ukrainer arbeiten in Greifswald als Köche", erzählt Al Najjar. Andere haben Jobs als Architekt oder Heizungsmonteur gefunden oder arbeiten in Berlin, Kiel sowie Hamburg. Auch zwei Ghanaer haben das geschafft. „Ein Ukrainer ist jetzt Fischer in Stralsund, ein zweiter Tischler.“ Und wie gut Syrer und Iraner mit der Schere umgehen können, davon können sich die Greifswalder inzwischen in Friseursalons überzeugen. Auch eine Ukrainerin arbeitet seit einer Woche als Friseurin. Die Mutter von Polina (18) und Katerina Tiurina (14) ist seit einem halben Jahr als Haushaltshilfe tätig.

Die Donezker Familie floh vor dem Bürgerkrieg. Die beiden Mädchen besuchten im letzten Jahr das Humboldtgymnasium und lernten die Landessprache unglaublich schnell. Katerina hat in Deutsch sogar eine Eins. Greifswald sei sehr schön. „Wir lieben die Stadt“ sagen sie. Dass Greifswald viel kleiner sei als die Millionenstadt Donezk sei ein Vorzug. Katerina, die Schauspielerin werden will, hat rasch viele deutsche Freundinnen gefunden. Bei Polina sind es vor allem Deutsche, die auch Russisch beherrschen. Sie geht am 1. August nach Hamburg, um dort Fachinformatikerin zu werden. Nur eines finden die beiden Deutschland-Fans nicht ganz so gut: Der Kuchen sei in der Ukraine besser. Für den sorgt bei dem Treff in Al Najjars Büro Elena Geworkaja. Die 40-Jährige ist erst seit zwei Monaten in Greifswald und begeisterte Hobby-Konditorin. Sie zeigt auf ihrem Handy seitenweise selbst kreierte Torten. „Vielleicht kann sie bei einem Greifswalder Bäcker ein Praktikum absolvieren“, hofft Al Najjar.

Das Team

Die Deutsch Arabische Medizinische Gesellschaft in Greifswald mit Geschäftsführer Ibrahim Al Najjar hat sechs Beschäftigte und eine Praktikantin.

Alle Kollegen haben in Deutschland studiert. Es sind Lehrer, andere haben einen Masterabschluss oder ein Staatsexamen, einer hat einen Doktortitel.

Neben Deutsch wird in der Spiegelsdorfer Wende Russisch, Englisch, Ukrainisch, Polnisch, Türkisch, Französisch und Arabisch gesprochen.

Eckhard Oberdörfer

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