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Wie stasiverseucht war Hansa Rostock?

Greifswald Wie stasiverseucht war Hansa Rostock?

Eine Ausstellung in der Greifswalder Volkshochschule blickt in die Strukturen des letzten DDR-Meisters.

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1.Mai 1985, der internationale Kampf- und Feiertag der Arbeiterklasse wie es damals hieß. Die Kicker des FC Hansa marschierten zur Kundgebung auf dem Ernst-Thälmann-Platz (heute Neuer Markt).

Quelle: Rainer Schulz

Greifswald. Hansa Rostock dümpelt heute in den Niederungen der Dritten Liga. In früheren Zeiten maß sich der Fußballverein im Rahmen des Wettbewerbs um den Messepokal noch mit internationalen Gegnern wie Inter Mailand, AC Florenz oder Klubs aus Athen und Nizza. Was heute kaum noch vorstellbar ist: Nicht jeder Spieler, egal ob Leistungsträger oder nicht, durfte mit zu den Auswärtsspielen. Das Risiko, dass die Kicker nicht mehr zurückkommen, sollte ausgeschlossen werden. Unter anderem wegen solcher Angelegenheiten bespitzelte das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) den Verein, versuchte Funktionäre ebenso wie 16-jährige Nachwuchsfußballer anzuwerben, um andere Fußballer und Vereinsmitarbeiter, deren Umfeld und die Fans zu überwachen.

Die Ausstellung „Eigentor! Der F.C. Hansa Rostock und die Stasi“ widmet sich dieser Thematik. Sie wurde anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland 2006 erarbeitet. Seither ist sie mehrfach in Rostock und in einigen anderen Städten in MV gezeigt worden, in Greifswald bisher aber noch nicht. Sie wird ab dem 21. Januar in der Volkshochschule zu sehen sein. Auf elf Standtafeln werden nicht nur Fotos aus der Zeit vor 1990, sondern auch zahlreiche Dokumente zu sehen sein. Diese verdeutlichen, wie tief inoffizielle Mitarbeiter in die Strukturen des Vereins integriert waren, wie sie gehandelt und was sie berichtet haben.

Die Infiltration der staatstragenden Kräfte in den Verein geschah nicht nur verdeckt, wie Volker Höffer von der Stasi-Unterlagenbehörde in Rostock erzählt: „Es gab in den 1970er Jahren ein legendäres Spiel gegen Carl Zeiss Jena. Hansa lag zur Pause 0:2 zurück. Der SED-Parteifunktionär Harry Tisch kam in die Kabine und wollte Trainer Heinz Werner vorschreiben, wie er die Mannschaft nun einzustellen habe.“ Der Trainer habe sich das Reinreden verbeten. „Dann ist er entlassen worden.“

Höffer kennt weitere solcher Anekdoten und berichtet davon, dass die Überwachungsdichte im Kader sehr hoch — aber nicht höher als bei anderen Vereinen — gewesen sei. „Beispielsweise wurde ein Abwehrspieler auf junge Stürmer angesetzt. Er horchte sie nicht nur aus, sondern verwanzte auch deren Wohnzimmer.“ Zudem sei das Ostseestadion voller Überwachungskameras gewesen, um die Fans unter Kontrolle zu halten.

In einem Dokument ist etwa die Rede davon, wie Anhänger eine DDR-Flagge schwenkten, Hammer und Zirkel aber durch das Hansa-Logo ersetzt waren. Die Flagge wurde von Ordnern einkassiert, was zu MfS-Schmährufen führte. Dies wäre verhinderbar gewesen, formulierte der Berichterstatter.

Und heute? Wie stark hat der Verein dieses Kapitel seiner Historie aufgearbeitet? „Gar nicht“, sagt Höffer. Die Ausstellung sei das erste Mal, dass die Stasi-Tätigkeit beim FCH umfänglich thematisiert wurde. Auch im personellen Bereich war Kontinuität angesagt, was einige Ultras erboste.

Persönliche Beratung
Ausstellungseröffnung: 21. Januar, 18 Uhr, Volkshochschule Greifswald, Martin-Luther-Str. 7a.

Öffnungszeiten: Mo., Mi., Do. von 8 bis 16 Uhr, Di von 8 bis 18 Uhr und Fr. von 8 bis 13 Uhr.


Vor der Eröffnung bieten Mitarbeiter des Stasi-Unterlagenbehörde (Außenstelle Rostock) von 10 bis 17 Uhr persönliche Beratungen zum Thema
„Wie kann ich meine Akte einsehen?“ an.

 



Kai Lachmann

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