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Politiker hilft Asylanten aus dem Heim

Greifswald Politiker hilft Asylanten aus dem Heim

Ibrahim Al Najjar (SPD) kümmert sich um die Integration von Flüchtlingen.

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Ich kenne die deutschen Gesetze und kann sie erklären.“Ibrahim Al Najjar

Greifswald. Raus aus dem Asylbewerberheim: Für viele, die in dem Plattenbau in der Spiegelsdorfer Wende wohnen, ist das ein großer Traum. Eine eigene Wohnung, Anschluss finden, einen Deutschkurs besuchen, ein möglichst normales Leben in einem normalen Umfeld führen.

Allerdings ist dieser Schritt in die Gesellschaft alles andere als einfach. Papierkram muss erledigt, die Sprachbarriere überwunden werden. Deshalb hat der Landkreis Vorpommern-Greifswald Ibrahim Al Najjar zum „Betreuer dezentral untergebrachter Asylbewerber“ in der Hansestadt gemacht. „Ich kümmere mich um Menschen, über deren Asylantrag noch nicht entschieden wurde. Das dauert in der Regel drei bis fünf Jahre, in Einzelfällen sogar deutlich länger“, erzählt der Politiker, der für die SPD im Kreistag sitzt.

Weil immer mal wieder neue Flüchtlinge nach Greifswald kommen und nur 130 Plätze im Heim sind, nimmt er diejenigen an die Hand, die schon einige Zeit dort verbracht haben. Die Flüchtlinge kommen unter anderem aus Afghanistan, Somalia und zunehmend aus Syrien nach Greifswald, weil sie sich in ihrem Heimatland ihres Lebens nicht mehr sicher fühlen. Derzeit sind 117 Plätze besetzt.

Schon im ersten Monat als Beauftragter hat Al Najjar 37 Personen betreut. Sein Job, eine halbe Stelle, besteht vorwiegend aus Sozialberatung: „Ich nehme Kontakt zu Wohnungsvermietern auf und helfe bei der Suche nach einer neuen Bleibe.“ Die Miete übernimmt das Sozialamt, je nach Wohnungsgröße bis zu 500 Euro. Sein Ziel ist es, dass nicht alle Betroffenen im selben Block, sondern in der Stadt verteilt untergebracht werden, um die Integration in die Gesellschaft zu erleichtern. Mit ersten Erfolgen: Al Najjar berichtet von Greifswaldern, die ihre neuen Nachbarn zum Essen eingeladen haben. Eine andere Geschichte handelt von einem jungen Boxer, der hier seinen Kampf absolviert hat.

Al Najjar erklärt den neuen Mietern die Hausordnung, übersetzt Schreiben der Verwaltung, hilft bei Anträgen, vermittelt Kinder in Kitas und Schulen, regelt den Kontakt zu den Behörden. „Ich kenne die deutschen Gesetze und kann sie erklären“, merkt er an. Der Politiker spricht neben Deutsch und Arabisch auch Russisch, Englisch, Türkisch und Kurdisch. Und noch etwas qualifiziert ihn zum Betreuer.

Er hat selbst einen Migrationshintergrund.

„Vor 20 Jahren bin ich aus Aleppo in Syrien zum Studium nach Greifswald gekommen und habe mich in diese Stadt verliebt.“ Er kennt das Gefühl und den Druck, sich in einem fremden Land zurecht finden zu müssen.

Zwar sei er kein Seelsorger und auch kein Psychologe. Doch manchmal berichten ihm Asylbewerber von ihrer Flucht, von Chaos in der Heimat, von getöteten Verwandten. „Das ist nicht einfach“, sagt Al Najjar, aber er könne das nachvollziehen. Denn auch in Aleppo tobt derzeit der Bürgerkrieg.

Babynahrung für Syrien

3 000 000syrische Kinder sind laut Schätzungen der Vereinten Nationen auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat. Davon rund eine Million im Ausland. Der Greifswalder Politiker Ibrahim Al Najjar (SPD) stammt ursprünglich aus Syrien und will den Menschen in seinem Heimatland helfen. Bereits im März organisierte er eine Spendenaktion und sammelte medizinische Hilfsmittel.
Jetzt ruft Al Najjar die Greifswalder auf, Babynahrung zu spenden: „Für Menschen auf der Flucht ist es sehr schwer, an geeignetes Essen für ihre Kinder zu kommen.“ Auch Kleidung, Spielsachen und Windeln können abgegeben werden. Der Sachen werden am 11. Oktober vom Berliner Sozialverein Lien aus Greifswald abgeholt und in Flüchtlingslagern verteilt.

Spendenannahme: Spielgelsdorfer Wende, Haus 3, ☎ 0157 / 85 98 49 46

 

Kai Lachmann

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