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Greifswald Pommerscher Krummstiel und Leipziger Rettichbirne
Vorpommern Greifswald Pommerscher Krummstiel und Leipziger Rettichbirne
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00:00 11.10.2018
Greifswald

„Pommerscher Krummstiel“ oder „Hasenkopf“: Das klingt schon mal gut. Es sind vorpommersche Sorten, die wie viele andere Äpfel und Birnen mit langer Geschichte in den letzten Jahren eine regelrechte Renaissance erleben. Schon als ausgestorben geltende Sorten wurden wiederentdeckt – so zum Beispiel Müschens Rosenapfel. 2002 wurden bei Sternberg in Mecklenburg und Wien noch vorhandene Exemplare gefunden. „In einem Garten in der Nähe der Greifswalder Marienkirche steht ein „Müschens Rosenapfel“, erzählt Thoralf Weiß. Wahrscheinlich gibt es diese Sorte auch im Pfarrgarten von Neuenkirchen. Der Namenspatron war übrigens ein Mecklenburger Pomologe (Pomologie = Obstbaukunde).

Sehen schmackhaft aus: Äpfel der Sorte „ Pommerscher Krummstiel“. Quelle: Foto: Frank Söllner

Thoralf Weiß arbeitet im Arboretum der Uni Greifswald und engagiert sich in seiner Freizeit für die Erforschung der Verbreitung von Obstsorten und deren Verbreitung. „Wir möchten noch mehr über die Verbreitung von Apfelsorten in unserer Region wissen“, sagt er. Darum ist jeder eingeladen, am Sonnabend seine Äpfel und Birnen zum Obsttag ins Arboretum mitzubringen und dem Pomologen Jens Meyer zur Bestimmung vorzulegen. Der Mecklenburger ist in der Region kein Unbekannter, viele werden Meyer von den Apfel- und Erntefesten in Steinfurth kennen. Dort hat der Experte schon viele seltene und alte Apfelsorten wie „Englische Spitalrenette“, „Pommerscher Schneeapfel“, „Pommerscher Langsüßer“, „Alantapfel“ und „Nathusius-Taubenapfel“ bestimmt. Meyer kennt sich auch mit Birnen bestens aus und verfügt im heimischen Garten über 250 Birnenbäume. Er wird mit Thoralf Weiß um 14 Uhr eine Führung zu alten Sorten anbieten.

„Ich hoffe, dass viele Bewohner der Obstbausiedlung kommen“, sagt Weiß. Diese wurde 1920 von einer Genossenschaft gegründet. Die 80 Bewerber mussten auf ihren 2500 Quadratmetern Obstbäume pflanzen. Das lässt auf diverse alte Sorten hoffen.

Greifswald hat in Sachen Obstbau eine große Tradition. Die im 19. Jahrhundert gegründete Staats- und landwirtschaftliche Akademie Eldena hatte einen Obstmustergarten. 1856 beschrieb der große preußische Gartenarchitekt Ferdinand Jühlke noch als Eldenaer Gartenbaulehrer erstmals den „Pommerschen Krummstiel“ und engagierte sich für dessen Anbau.

„Viele der alten Sorten stammen aus der Akademischen Obstbaumschule im Wallgraben“, erzählt Weiß. Diese wurde von Caspar David Friedrichs Zeichenlehrer Quistorp gegründet. 1829 erfolgte die Angliederung an den Botanischen Garten. „Nachfolger der Akademischen Obstbaumschule wurde die Eldenaer Baumschule, die etwa bis zum Ersten Weltkrieg bestand“, so Weiß weiter.

Eine wahre Hochburg alter Obstbäume ist der Treidelpfad. Dort stehen wahrscheinlich Bäume aus der Eldenaer Baumschule, die in den 1950er-Jahren als Unterlagen für die Obstzüchtung des damaligen Instituts für Agrobiologie der Uni genutzt wurden, weil sie mit dem pommerschen Klima zurecht kamen. Dort stehen so seltene Apfelsorten wie Purpurroter Cousinrot und Birnensorten wie Gute Graue und Leipziger Rettichbirne. „Seltene Sorten lassen wir im Arboretum vermehren, um sie zu erhalten“, berichtet Weiß. Die Baumschule des Instituts für Agrobiologie hat in den 1950er-Jahren zur Verbreitung moderner Sorten beigetragen. Einige stehen im denkmalgeschützten Apfelgarten der früheren Chirurgie in der Loefflerstaße und vor der alten Hautklinik an der Fleischmannstraße.

Thoralf Weiß ist in der Region nicht der einzige, den alte Obstsorten begeistern. Der Steinfurther Verein „Kunst und Natur“ hat im früheren Ranziner Pfarrgarten einen regionalen Obst-Schaugarten angelegt, in dem bereits etwa 70 Bäume stehen. Prominenteste Patin ist die aus Kühlungsborn stammende Landesjustizministerin Katy Hoffmeister die eine „Doberaner Renette“ (Apfel) spendierte.

Der Obsttag im Arboretum

Experte Jens Meyer bestimmt am 13. Oktober von 10 bis 13.30 Uhr und von 14.30 Uhr bis 16 Uhr Äpfel und Birnen (Kosten 1,50 Euro, jeweils fünf nicht abgewischte Birnen oder Äpfel mit Stiel mitbringen).

Alte Obstsorten in MV werden um 14 Uhr bei einer Führung mit Jens Meyer und Thoralf Weiß vorgestellt.

Pilzberatung mit Ausstellung (10 bis 17 Uhr), Infos zur Imkerei, Obstgehölzpflege und zum regionalen Obstsortengarten in Ranzin gibt es auch.

Eckhard Oberdörfer

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