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Greifswald Pommersches Gedächtnis bleibt hier
Vorpommern Greifswald Pommersches Gedächtnis bleibt hier
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00:01 16.09.2016
Das als Kaserne gebaute Haus am Nexöplatz ist nicht als Archiv geeignet, wird aber schon 70 Jahre als Landesarchiv genutzt. Quelle: Peter Binder

Undichte Fenster, verschimmelte Akten – das Landesarchiv in der Kaserne am Nexöplatz ist ein Problemfall. Immer mehr Akten werden für Nutzer gesperrt. Archivare und Historiker kritisieren diese Entwicklung seit Jahren. In Greifswald wird ein bedeutender Teil der Überlieferung Pommerns verwahrt, beispielsweise die berühmten schwedischen Matrikelkarten aus dem 17. Jahrhundert.

Besucher des Landesarchivtages 2016 in Greifswald berichteten von erschütternden Zuständen. Beim Festakt zum 65. Geburtstag des Vorsitzenden der Historischen Kommission für Pommern, Horst Wernicke, warf Festredner Haik Porada am 31. August Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) vor, pommersche Geschichte und Archivalien zu vernachlässigen.

Der wehrt sich. „Bei meinem Amtsantritt habe ich eine schwierige Lage im Landesamt für Kultur und Denkmalpflege vorgefunden“, sagt er. Im Bereich Archäologie seien dank der ambitionierten, aber realistischen  Konzepte und der fleißigen Arbeit von Klaus Bednorz und Detlef Jantzen inzwischen die größten Probleme bewältigt. „Das würde ich mir auch im Landesarchiv wünschen“, sagte Brodkorb, ohne den Namen des Direktors Martin Schoebel zu nennen. Aber: „Das Landesarchiv hat nicht einmal die zur Verfügung stehenden Mittel für die Restaurierung von Akten ausgegeben.“Bisher liege ihm auch kein Konzept für die schrittweise Sicherung der vorpommerschen Archivbestände vor, sagt Brodkorb. Er habe jetzt angewiesen, dass gesperrte Greifswalder Akten schnellstmöglich wieder zugänglich gemacht werden sollen.

Aber „das Haus am Nexöplatz ist nicht für die sachgerechte Unterbringung von Archivbeständen geeignet“, räumt er ein. Akut gefährdet sind die Bestände laut den Experten des Landesarchivs nicht, obwohl immer mehr Archivalien aus „konservatorischen Gründen“ gesperrt wurden. Wie soll es nun weitergehen? Die Kaserne für das heute nötige Niveau von Archiven zu ertüchtigen, wäre viel zu teuer, sagt der Minister. Er persönlich könne sich vorstellen, alle Bestände des Landes in einem modernen Archiv in Schwerin aufzubewahren. Diese Variante galt lange als sein Favorit, zumal die Akten des Bezirkes Rostock schon 2013 nach Schwerin verlagert wurden.

Doch die Verlagerung sei mit ihnen nicht zu machen, sagen die Greifswalder Landtagsabgeordneten der möglichen künftigen SPD-Partner, Egbert Liskow (CDU) und Mignon Schwenke (Linke). Brotkorb betont, die Verlagerung sei auch gar nicht geplant. Er habe sein Vorgehen schon mit Liskow abgestimmt, der 2014 den Bau eines Gebäudes für Land- und Stadtarchiv in Greifswald anregte.

„Wir streben eine Kooperation mit einer vorpommerschen Stadt für einen gemeinsamen Archivbau an“, sagt Brodkorb jetzt. Im Klartext heißt das: Greifswald oder Stralsund. „Wir prüfen bereits intensiv gemeinsam mit Finanzministerium und Betrieb für Bau und Liegenschaften die Varianten.“ Gemeinsamer Lesesaal, gemeinsamer Nutzerdienst sind Argumente dafür. Wann der Neubau kommen soll, lässt Brodkorb offen. „Ich hätte als Minister in meiner zweiten Amtszeit das Projekt gern massiv vorangetrieben“, sagt er.

Ein gemeinsames Projekt findet Greifswalds Bausenator Jörg Hochheim (CDU) gut. „Wir haben uns in der Vergangenheit erfolglos darum bemüht“, sagt er. Jetzt seien die Planungen fürs neue Stadtarchiv An den Wurthen weit fortgeschritten. Man habe angesichts der Probleme des Greifswalder Hauses nicht ewig warten können.

Die Bestände

Am Nexöplatz, dem Sitz des Landesarchivs in Greifswald, werden nach Angaben des Bildungsministeriums 10400 Urkunden, 8800 Meter laufende Meter Akten, 30000 Karten und Pläne, 14200 Fotos und 30000 Bücher zur historischen Überlieferung Pommerns aufbewahrt. Alle historischen Stadtarchive des Landes mit Ausnahme von Barth, Greifswald und Stralsund lagern in der Kaserne. Die Akten zum DDR-Bezirk Rostock befinden sich seit 2013 in Schwerin.

Eckhard Oberdörfer

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