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Greifswald Populismus verändert Musterland
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15:20 12.02.2018
Yvonne Bindrim, Anastasia Kostiuchenko, Marko Pantermöller und Stephan Kessler (von links) haben an dem Projekt mitgearbeitet. FOTO: E. OBERDÖRFER
Greifswald

Die sozialen Medien beeinflussen die Einstellung der Menschen zu Sprachen. Das haben die Professoren Marko Pantermöller (Fennistik) und Stephan Kessler (Baltistik) mit ihren Mitarbeiterinnen Yvonne Bindrim und Anastasia Kostiuchenko herausgefunden. Die Ergebnisse ihrer zweieinhalbjährigen Studie haben sie in Brüssel vorgestellt und mit politischen  Entscheidern über Schlussfolgerungen diskutiert. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierte das Projekt mit einer Viertelmillion Euro. In der EU gibt es viele Länder, in denen mehrere Sprachen gesprochen werden. Dazu gehört Litauen mit Litauisch, Polnisch, Russisch. In Finnland sind Finnisch und Schwedisch sogar offizielle Amtssprachen.

Wer in Finnland Finnisch spricht, hat im Alltag in aller Regel keine Probleme mit den Schwedischsprachigen und akzeptiert sie und ihre Rechte.  Genauso ist es in Litauen mit Russisch- und Polnischsprechern. Aber im nationalen Kontext sind viele aufgrund der Informationen auf Facebook und Co. anderer Meinung.

„Es gibt offenbar eine Diskrepanz zwischen unterbewussten Einstellungen und der Meinungsbildung unter anderem durch soziale Medien. Ich würde das als populismusindiziert bezeichnen“, sagt Pantermöller. „Postfaktisch“, das Wort des Jahres, passt zu diesem Befund.  Emotionen ersetzen die Realität.

Wenn nicht durch die Politik gegengesteuert werde, kann die Einstellung zu Sprachen in diesen mehrsprachigen Ländern auf Dauer verschlechtert werden. „Darum müssten neue Wege, die näher an der Lebenswirklichkeit liegen, gefunden werden“, ergänzt Stephan Kessler.  „Es reicht nicht, den Verfassungsstatus von Schwedisch und Finnisch auswendig zu lernen“, schätzt Pantermöller ein. Leider hängen die Entscheider, mit denen sie in Brüssel sprachen, an ihrem idyllischen Blick auf die Verhältnisse in den Ländern.

In ihrer Untersuchung haben die Forscher versucht, ehrliche Antworten zu bekommen. „Die Finnen haben über ein Jahrhundert gelernt, was sie antworten sollen“, schätzt Marko Pantermöller ein. „Sie sind stolz auf ihre vorbildliche und international hoch angesehene Gesetzgebung.“ Damit möglichst nicht politisch korrekt geantwortet wird, wussten die insgesamt etwa 1200 Antwortgeber im Alter von 17 bis 86 Jahren  zunächst nicht, welche Ziele die Untersuchung konkret verfolgt.

In einem 40-minütigen Test wurde untersucht, wie die Bürger auf das gesprochene Wort von Menschen  reagieren, die die jeweiligen Verkehrssprachen perfekt können. Ohne es zu wissen, bewerteten die Probanden die gleichen Sprecher mehrmals, jedoch immer beim Sprechen einer anderen Sprache. Das war methodisch neu.

Die so getesteten unbewussten Spracheinstellungen erwiesen sich als relativ unproblematisch. Das sei aber kein Grund zur Entwarnung. „Geradezu alarmierend ist es, wenn 60 Prozent der Finnischsprachigen in unserer landesweiten Testreihe die verbriefte staatliche Zweisprachigkeit Finnlands in Frage stellen“, nennt Yvonne Bindrim das Ergebnis der anschließenden Befragung. Die Realität mit ihren tiefen sprachpolitischen Spannungen in jüngster Zeit passe dazu: Bei den letzten Wahlen in Finnland gab es einen Rechtsruck, der sich auch in Vorbehalten gegenüber der schwedischsprachigen Bevölkerung äußert. In Litauen ist der Befund bezüglich der Einstellungen ähnlich, bestätigt Anastasia Kostiuchenko. Zwar wurde die mehrsprachige Testsprecherin beispielsweise als geselliger und attraktiver eingeschätzt, wenn sie Russisch sprach. Die Sprecher pflegen aber einen pragmatischen Umgang mit der Mehrsprachigkeit Litauens. Jedoch: „Die Sprachpolitik des Landes zielt insbesondere auf die Pflege der Staatssprache Litauisch. Ihr primäres Arbeitsfeld ist nicht das Verhältnis zwischen den Sprachen“, so Kostiucenko.

Eckhard Oberdörfer

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