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Greifswald Praxisschock oder Motivation?
Vorpommern Greifswald Praxisschock oder Motivation?
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00:05 19.05.2016
Die Lehramtsstudenten Tom Erdmann und Juliane Stockmann der Uni Greifswald gestalten in Neuenkirchen den Schuluntericht. Quelle: Stefan Sauer

Nur kurz nimmt Schuldirektor Vincent Neumann hinter seinem Schreibtisch Platz, dann treibt es den jungen Mann wieder auf den Schulflur, den Plan zur Pausenaufsicht in der Hand. Schuldirektor Neumann ist 24 Jahre alt und Lehramtsstudent im 12. Semester. Nicht nur das Sakko, mit dem sich der Student gestern „aufgerüstet“ hat, erweckt den Eindruck der Seriösität. „Wir spielen nicht Schule. Das ist hier eine ernste Aufgabe“, erklärt er mit Nachdruck. Sein Stellvertreter Johannes Köpcke nickt zustimmend, hat aber dennoch Glück: „Ich brauche mich nicht um den Vertetungsplan zu kümmern. Von den Studenten springt einer für den anderen ein“, so der 25-Jährige.

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Lehramtsstudenten übernehmen Schule am Bodden in Neuenkirchen

Gestern übernahmen in der Regionalschule „Am Bodden“ in Neuenkirchen Lehramtsstudenten der Universität Greifswald die Regie. Dazu haben sie das 20-köpfige Lehrerteam zur Weiterbildung an die Universität verbannt. Von der Unterrichtsplanung über die Schulleitung bis zur Essen- und Pausenaufsicht machen sie für drei Tage all jene Jobs an der Schule, die später auf sie zukommen.

„Schule machen“ ist ein für Mecklenburg-Vorpommern bislang einmaliges Projekt. Es soll einen praxisnahen Einblick in die komplexen Anforderungen des Schulalltags vermitteln, erklärt Projektleiterin Sabine Schweder vom Lehrstuhl für Schulpädagogik an der Uni Greifswald. In 16 Seminaren haben sich die angehenden Lehrer auf die drei Tage Praxistest vorbereitet. Um es vorwegzunehmen: Die Schüler steigen nicht über Tische und Bänke, die Lernatmosphäre wirkt konzentriert, die Arbeitsatmosphäre strukturiert. Einige wesentliche Unterschiede gibt es dennoch: Das Lehrerteam ist mit Mitte 20 deutlich jünger. Die Türen zu den Klassenzimmern bleiben in den Stunden geöffnet. Aus den Räumen dringt leises Gemurmel. In den Klassenzimmern haben die Studenten die Schulbänke zu einem „U“

umgestellt. „Die Raumordnung unterstützt das Konzept des selbstbestimmten und forschenden Lernens“, sagt Schweder.

Jede Klasse arbeitet an einem eigenen Thema. „Das ermuntert die Schüler zu eigenen Fragestellungen“, berichtet Patrick Romberg. Der 24-Jährige studiert im siebten Semester Englisch und Geografie auf Lehramt. „In meiner vierten Klasse hat ein Schüler gefragt: ’Wozu ist die Mücke da?’ Ich wäre nicht auf diese Frage gekommen“, gibt er zu. Lena Hansen (23), angehende Lehrerin für Deutsch/Englisch/Dänisch, findet die Arbeit in der Praxis toll. „Die Schüler sind sehr wissbegierig“, freut sie sich.

Die Schüler selbst sind genauso begeistert. In der 9. Klasse wird im Englischunterricht emsig mit dem iPad gearbeitet: „Warum ist Dubai reich?“ „Das überhaupt kein Lehrer in der Schule ist, finde ich klasse. Wir lernen ja trotzdem“, versichert Christos Dimitriou (15). Den Mitschülerinnen Sarah Zorn und Sophie Kroneberg gefällt die Projektarbeit. Dennoch könnte sich Sarah vorstellen, dass die Studenten „mal ganz normale Unterrichtsstunden geben. Die können den Stoff bestimmt gut vermitteln“, denkt sie. Noch begeisterter sind die Viertklässler um die Lehramtsstudenten Tom Erdmann und Juliane Stockmann. „Die Studenten sind besser als unsere Lehrer, viel gechillter. Die regen sich nicht gleich auf“, sprudelt es aus Emily Loeckel (10) heraus. Ihre Klassenkameraden Jakob Gust und Julian Güldner finden, dass die „Junglehrer“ ruhig länger als drei Tage bleiben sollten. „Sie geben viele Tipps“, meinen die beiden Jungen, die begeisterte Angler sind und dazu ihr Forschungsprojekt durchführen.

Katharina Bäker, Lehramtsstudentin Deutsch/Englisch, findet das Projekt super. Ein solcher Alltagstest sei wie geschaffen, um festzustellen, ob man für den Lehrerberuf geeignet sei. Denn: In den drei Tagen begegnen den Studenten keine echten Lehrer, die kopfschüttelnd oder mitleidig schulterklopfend neben den angehenden Kollegen stehen. „Die Studierenden können mit geradem Kreuz durch die Schule laufen“, sagt Schweder. Bäker und auch „Schuldirektor“ Neumann wünschen sich einen früheren Praxisbezug im Studium. Erste schulpraktische Übungen gibt es erst nach dem 4. Semester.

Derweil brütet das echte Lehrerteam der Schule Neuenkirchen in einem Seminar an der Uni. Schuldirektor Bernd Leu verrät, dass es ihm am Morgen schon in die Schule gedrängt habe... MV brauche gute und motivierte Lehrer. Das Projekt biete guten Praxisbezug und werde von der gesamten Lehrerschaft mitgetragen. „Die Rückkopplung am Montag mit den Schülern wird spannend“, sagte er.

Cornelia Meerkatz und Martina Rathke

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