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Premiere: Sperrwerk schützt die Stadt

Greifswald Premiere: Sperrwerk schützt die Stadt

Wasserstand sollte auf bis zu 1,20 Meter über normal steigen / Wahrscheinlich wird heute wieder geöffnet

Greifswald. Schutz für 12 500 Menschen – gestern hatte er seine Premiere: Das 32 Millionen Euro teure Sperrwerk in Wieck wurde am Vormittag zum ersten Mal geschlossen. Grund war der erwartete Anstieg des Wasserstandes um 1,20 Meter über den Normalwert von 5,07 Meter. Aufgrund des starken Nord-Ost Windes wurde bereits eine Menge Wasser in Richtung Greifswald und somit in den Ryck gedrückt.

Als das Drehsegment in Bewegung gesetzt wurde, stand das Wasser schon bei 5,93 Metern. Der Höchststand wurde für gestern Abend zwischen 20 und 21 Uhr erwartet. „Bis etwa 4 oder 5 Uhr wird es eine kleine Absenkung geben. Danach wird der Rückgang stärker“, prognostizierte Frank Blodow, Leiter des Hochwassermeldezentrums.

Diese Stelle ordnet die Besetzung des Sperrwerks an, wenn es die Prognose zur Wetterlage verlangt, erklärt Matthias Wolters, Leiter des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt in Stralsund.

Deren Mitarbeiter würden dann nach Greifswald kommen und das Schließen veranlassen. Insgesamt seien 24 Kollegen mit der Bedienweise vertraut. „Man drückt da nicht nur einfach auf einen Knopf“, meint Wolters. „Es ist ein komplizierter Vorgang, der 20 bis 30 Minuten dauert.“

Zudem werde die Rettungsleitstelle des Landkreises informiert, die die Informationen dann an die weiteren Behörden und die Greifswalder Berufsfeuerwehr weiterleitet. Das Sperrwerk sei dann rund um die Uhr besetzt. Die Mitarbeiter würden selbst entscheiden, wann es wieder geöffnet wird, berichtet Wolters. Möglichweise ist es schon heute wieder so weit.

Eines der wenigen Gebäude, das außerhalb des Sperrwerk-Schutzgebietes liegt, ist das Hotel und Restaurant „Utkiek“. „Wenn das Wasser so hoch steigen sollte, dass die Seitenwände des Sperrwerks geschlossen werden, sagen wir unseren Gästen vorher Bescheid, dass sie ihre Autos besser hinter dem Sperrwerk parken sollten“, sagte eine Mitarbeiterin. Bis zum späten Nachmittag sei das nicht der Fall gewesen. Eine Mitarbeiterin des Stalu, die das Sperrwerk bediente, sagte, dass die Seitenwände ab etwa 1,60 Meter über normal geschlossen würden. Das „Utkiek“ selbst sei auch nicht in Gefahr, so die Dame dort: Es ist erhöht gebaut worden.

Im Museumshafen stand das Wasser bereits am Dienstagabend über der ersten Stufe an der Hafenkante. Ein Teil der Liegewiese war überschwemmt. Durch das Schließen des Sperrwerks hörte der Pegel auf zu steigen. „Ich musste beiden Booten mehr Leine geben“, sagt Dirk Lange, dem die dort liegenden Gastronomieschiffe „Tortuga“ und „Schwalbe II“ gehören. Bei kurzer Leine und steigendem Pegel würden die Schiffe nach unten gezogen werden und Schräglage bekommen. „Ansonsten keine besonderen Vorkommnisse. Davon hatte ich ja auch erst genug“, spielte Lange auf das Aufgrundlaufen der „Tortuga“ vor knapp einem Jahr an. Am Nachmittag sank der Wasserstand im Hafenbecken in der Stadt wieder merklich.

Die Wiecker Fischer fuhren gestern wegen der Sturmflut nicht raus. Ilona Volkwardt, Geschäftsführerin der Genossenschaft, sagte, dass das nicht nur mit dem geschlossenen Sperrwerk, sondern mit dem starken Wind zusammenhänge. „Aber wir haben noch frischen Fisch“, sagt sie. „Ein Fischer war anstatt auf der Ostsee auf dem Ryck unterwegs.“

Kai Lachmann

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