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Greifswald Professor: Arndt ist unbedeutender, historisch begabter Propagandist
Vorpommern Greifswald Professor: Arndt ist unbedeutender, historisch begabter Propagandist
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11:52 18.10.2017
Hubertus Buchstein, Lehrstuhlinhaber für Politische Ideengeschichte, bringt als einer von sechs Senatoren den Antrag auf Ablegung des Namens Ernst Moritz Arndt ein. Quelle: Jan Meßerschmidt
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Greifswald

Ein unbedeutender, historisch begabter Propagandist, der fremdenfeindlich und antisemitisch war – Das ist das wissenschaftliche Fazit von Professor Hubertus Buchstein über Ernst Moritz Arndt nach der Auswertung von 19 deutschsprachigen Werken zur politischen Ideengeschichte aus den vergangenen 60 Jahren. Auf elf von knapp 16.000 Druckseiten geht es demnach um Arndt. Buchsteins wichtigste Erkenntnis ist damit: Arndt ist unbedeutend. Er wird nur in fünf Werken überhaupt erwähnt. Dabei werde ihm „mangelnde Originalität“ bescheinigt. Und dass er zwar ein „popularisierender Zuspitzer“ gewesen sei, aber keine eigenen theoretischen Ideen zum Nationalismus-Konzept beigetragen habe.

Hubertus Buchstein ist Lehrstuhlinhaber für politische Ideengeschichte an der Universität Greifswald und einer der sechs Senatoren, die am Mittwoch den Antrag auf Ablegung des Namens Ernst Moritz Arndt in den Senat der Uni Greifswald einbringen wollen. Die anderen fünf Antragsteller sind Studierende. Buchstein hatte sich bereits bei der Abstimmung 2010 als Senator gegen Arndt ausgesprochen. Damals unterlag seine Ansicht im Uni-Gremium. Er war kein Fan davon, dass die Debatte 2016 erneut aufflammte, erklärt Buchstein. Doch nach dem, was dann passierte, sieht er es nun als wichtig an, den Antrag auf Ablegung des Namens erneut einzubringen, tritt erstmals sogar als Einbringer auf. Er spricht von „üblen Ausfällen“ und „Beschimpfungen“ während des Arndt-Streits. „Die Angriffe markieren einen Tiefpunkt der politischen Kultur in der Stadt“, so Buchstein.

Buchstein hätten besonders die Lobpreisungen Arndts irritiert. Immer wieder haben Arndtbefürworter eingeräumt, dass sich Chauvinismus, Antisemitismus und Rassismus durchaus in den Werken Arndts finden, dass diese Äußerungen jedoch von seinen sonstigen Leistungen als Vordenker der Demokratie und Verteidiger der Freiheit deutlich überstrahlt werden. „Solche Meinungen stehen im krassen Gegensatz zum fachwissenschaftlichen Stand der Forschung im Bereich der politischen Ideengeschichte“, schreibt Buchstein.

Arndt habe in seinen Schriften eine reine deutsche Rasse propagiert und die Deutschen als makellos, rein und überlegen angesehen, die sich von Mischrassen wie den Italienern, Franzosen und Slawen deutlich abheben. Arndt wird einem „romantischen deutschen Nationalismus“ zugeordnet. Er sei dabei weniger an theoretischen Erklärungen interessiert gewesen als am Aufruf zum Kampf gegen alles Fremde, zitiert Buchstein aus Pipers Handbuch der politischen Ideen. „Arndt hat ist schwer überbietbarer Weise die aggressiven Seiten des Nationalismus deutlich gemacht“, schreibt Hans J. Lieber in seinem Werk „Politische Theorien von der Antike bis zur Gegenwart“.

Katharina Degrassi

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