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Professorinnen sind Mangelware

Gleichstellung in Greifswalder Forschungseinrichtungen: Unimedizin und Plasmaforscher Professorinnen sind Mangelware

Immer mehr Frauen besuchen Hochschulen und werden promoviert. Die Spitzenpositionen sind aber immer noch männerdominiert. In den letzten Jahren wird mehr für die Gleichstellung getan.

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Familienfreundlichkeit ist ein zentrales Thema der Gleichstellung. Das beginnt beim Studium.

Quelle: Peter Binder

Greifswald. Die Hochschulmedizin gilt als eines der Schlusslichter in Sachen Gleichstellung an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität. Ganze fünf der 70 Lehrstühle sind mit Professorinnen besetzt. Dabei ist der Medizinstudent des Jahres 2013 eher weiblich als männlich. Noch bei den Promotionen gibt es einen Gleichstand bei Frauen und Männern. Schon bei den Oberärzten ist es anders. 107 sind es, nur ein knappes Drittel sind Frauen.

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Umweltwissenschaftlerin Dr. Katja Fricke arbeitet im Leibniz-Institut f�r Plasmaforschung und Technologie.

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„Die Zahlen zeigen, dass es bei uns Handlungsbedarf gibt“, sagt Petra Meinhardt, seit einem Jahr Gleichstellungsbeauftragte der Unimedizin. „Unser Ziel ist die Gleichstellung der Geschlechter auch in den Spitzenpositionen. Gemischte Teams sind einfach besser.“ Der Vorstand habe das Problem erkannt. „Seit 2012 gibt es eine Gleichstellungskommission“, berichtet Meinhardt. „Gleichstellung muss Chefsache sein. Alle Ebenen müssen dafür sensibilisiert werden.“

Personaldezernent Hinrich Rocke bescheinigt der Gleichstellungsbeauftragten eine engagierte Arbeit. „Sie ist durchsetzungsstark und hat es geschafft, dass eine studentische Hilfskraft für die Studentinnen mit Kind und eine halbe Stelle für das Gleichstellungsbüro bewilligt wurde.“ Meinhardt selbst bewältigt ihre Funktion ehrenamtlich. Ganz wichtig ist es aus ihrer Sicht, Frauen zur Bewerbung für eine Professur zu ermutigen und nach Kandidatinnen regelrecht zu suchen. Das sei jetzt ganz aktiv bei der Wiederbesetzung einer Professur für Anästhesiologie erfolgt. Nachdem das Verfahren eine Ehrenrunde drehte, gibt es zwei Bewerberinnen. Laut dem 2012 vom Rektorat verabschiedeten Berufungsleitfaden kann die Gleichstellungsbeauftragte eine Neuausschreibung fordern, wenn es keine geeigneten Kandidatinnen gibt. Das gilt für alle Fakultäten.

„Unsere Professorinnen sind sehr aktiv“, stellt Meinhardt fest. „Barbara Bröker hat den Greifswalder Kreis der Professorinnen gegründet. Sie ist Sprecherin der Graduiertenakademie mit der Nachwuchswissenschaftlern beider Geschlechter der Karriereweg geebnet werden soll.“ Was man noch tun könnte? „Beim Mentoring gibt es Reserven“, schätzt Meinhardt ein. Auch bei den Arbeitszeiten für Mütter. Das will Rocke nicht so stehen lassen. „Wir haben beispielsweise Möglichkeiten für Teilzeitarbeit in die Tarifverträge aufgenommen, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern“, sagt er. Diese Vereinbarkeit ist auch in der Unimedizin ein großes Thema. 2013 soll auf dem Klinikumsgelände eine Kindertagesstätte für die Jüngsten der Medizinstudenten und der Mitarbeiter öffnen.

Der Betreiber steht noch nicht fest.

Chancengleichheit in allen

Grundsatzdokumenten

Im Institut für Plasmaforschung und Technologie der Leibnizgesellschaft (INP) gehört Chancengleichheit zur Philosophie des Instituts, stellt die stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte Liane Glawe fest. „In Zusammenarbeit mit dem Vorstand und Direktor des INP und den Führungskräften setzt sich das Institut seit Jahren für die Gleichstellung ein.“ Mit fünf sind die Physikerinnen vor den Chemikerinnen (drei) die stärkste Gruppe. Die akademische Spitzenposition hat allerdings bisher keine Frau erreicht. Von den 80 Wissenschaftlern sind 18 Frauen, etwa 22 Prozent. Eine Professorin gibt es am INP nicht. Glawe sieht das Leibniz-Institut aber auf einem guten Weg. Denn die Gleichstellung sei in allen Grundsatzdokumenten verankert.

Plasmaforschungsinstitut

mit Familienzertifikat

Das Max-Planck-Institut für Plasmaforschung (IPP) hat schon seit einigen Jahren das Zertifikat „Beruf und Familie“ der gemeinnützigen GmbH für familienbewusste Personalpolitik, berichtet Pressesprecherin Isabella Milch. Natürlich gebe es an den Standorten in Greifswald und Garching jeweils Gleichstellungsbeauftragte. „Bei jeder Stellenausschreibung wird vermerkt, dass das IPP den Frauenanteil erhöhen will und qualifizierte Frauen nachdrücklich zur Bewerbung aufgefordert“, erinnert die Sprecherin. Die Wissenschaft bleibt aber bislang vor allem Männersache. In Garching sind von den 266 Wissenschaftlern nur 34 Frauen, aber immerhin zwei Professorinnen (insgesamt acht). In Greifswald gibt es nur sieben Professoren. Unter den insgesamt 146 Wissenschaftlern sind 15 Frauen, also etwa zehn Prozent. Milch verweist auf Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. In Garching gibt es eine eigene Kindertagesstätte. In Greifswald hätten IPP-Mitarbeiter Belegungsrechte in den Kitas „A.S. Makarenko“ und „Lilo Herrmann“, die Ganztagsbetreuung vom Säuglingsalter bis zum Schuleintritt anbieten. „Außerdem bieten wir einen kostenlosen Familienservice an, der die Mitarbeiter berät und Angebote vermittelt.“

Zahlen zur Gleichstellung

73Prozent der Mitarbeiter des Uniklinikums sind weiblich, das sind in Zahlen 2991 von 4065.

4Prozent der 70 Professoren in der Medizin sind weiblich, zwei Frauen leiten Einrichtungen.

22Prozent der Professoren der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät sind Frauen, das ist der beste Wert an der Universität.
0 Prozent beträgt der Anteil der Frauen bei den Professuren der beiden Plasmaforschungsinstitute.

Eckhard Oberdörfer

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